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Überstarke Währung Der Dollar bringt das Weltfinanzsystem ins Wanken

Investoren und Notenbanker sind in Sorge. Grund ist der steigende Dollar-Kurs. Hinter der überstarken US-Währung versteckt sich eine ernst zu nehmende Gefahr für das Weltfinanzsystem.

Der Dollar gewann zuletzt rasant an Wert. Die überstarke Währung bringt das Weltfinanzsystem ins Wanken. War es vor zehn Jahren der drohende Niedergang des Greenback, der Ängste weckte, so ist es nun die rapide Aufwertung der US-Währung, die den Investoren und Notenbankern Kopfzerbrechen bereitet. In einer Dollar-dominierten Welt sind beide Extreme, ein zu schwacher Dollar und ein zu starker Dollar, ein Übel.

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Aktuell geht die Gefahr von den immensen Schuldenbergen aus, die Staaten und Unternehmen rund um den Globus in Dollar aufgehäuft haben. Verlieren Euro, Türkische Lira oder Brasilianischer Real zur US-Währung immer mehr an Boden, wird die Schuldenlast immer drückender.

Nach Einschätzung von Experten kann sich so eine schwere Schuldenkrise zusammenbrauen. Die Summen, um die es geht, sind schwindelerregend. Unternehmen, Staaten und teilweise auch Privathaushalte außerhalb der USA haben sich für insgesamt neun Billionen Dollar verschuldet, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ermittelt hat.

Der Dollar-Index hat in diesem Jahr zehn Prozent zugelegt. Diese Messlatte bildet die Wertentwicklung des Dollar zu den wichtigsten Handelswährungen ab. Eine Aufwertung um zehn Prozent bedeutet, dass sich die Schuldenlast innerhalb von zweieinhalb Monaten rechnerisch um 900 Milliarden vermehrt hat.

Der rapide Anstieg des Dollar-Kurses erinnert an die 80er-Jahre. Damals wurde die US-Währung durch das "Plaza-Abkommen" künstlich von seinem Höhenflug geholt. (Foto: Infografik Die Welt)

Schwächere Firmen oder Staaten kann das über kurz oder lang in die Bredouille bringen, umso mehr, als ihnen ihre heimische Notenbank nicht durch Gelddrucken beispringen kann. Dollar kann nur die US-Notenbank Federal Reserve fertigen. Durch die Stellung des Greenback als globale Leitwährung fungiert die zwar wie eine Weltzentralbank, in der Vergangenheit hat die Fed jedoch längst nicht immer Rücksicht auf die Nöte der Dollar-Schuldner genommen.

Währungsreserven sind seit Sommer 2014 gefallen

Hilfe können die in Dollar verschuldeten Staaten und Unternehmen allenfalls über die jeweiligen Devisenreserven erhoffen, die die heimischen Notenbanken aufgebaut haben. Die internationalen Währungsreserven sind seit Sommer vergangenen Jahres bereits von mehr als zwölf Billionen auf 11,7 Billionen Dollar gefallen.

Die Indonesische Rupiah steht zum Dollar so tief wie seit der Asienkrise 1998 nicht mehr. (Foto: Infografik Die Welt)

Starke Dollar-Aufwertungen gab es auch in früheren Jahrzehnten, zum Beispiel in den Achtzigerjahren. Damals, zur Zeit von US-Präsident Ronald Reagan, verdoppelte sich der Dollar-Index. Die jetzige Situation ist deshalb besonders bedrohlich, weil die Dollar-Schulden so stark gestiegen sind. Noch im Jahr 2000 standen Staaten und Wirtschaftssubjekte außerhalb der USA erst mit zwei Billionen Dollar in der Kreide.

Auf der Kippe stehen in der aktuellen Zuspitzung vor allem einige Schwellenländer. Zusätzlich zu der zunehmenden Last der Dollar-Verbindlichkeiten werden sie durch Kapitalflucht unter Druck gesetzt. Insbesondere in Russland und in Brasilien, aber auch in einer Reihe von asiatischen Schwellenländern haben Unternehmen hohe Dollar-Verbindlichkeiten aufgebaut.

Die Währungsentwicklung ist das Spiegelbild dieses Stresses. Die Türkische Lira ist bereits auf ein Rekordtief zum Dollar gestürzt, allein seit Anfang des Jahres beträgt das Minus zehn Prozent. Die Indonesische Rupiah ist auf den niedrigsten Stand seit der Asienkrise 1998 gefallen.

Aber auch der Brasilianische Real ist massiv unter Druck: Ganze 15 Prozent ging es allein 2015 abwärts. Das größte Land in Südamerika scheint von einem Korruptionsskandal zum anderen zu taumeln.

15 Prozent nach unten ging es für den Brasilianischen Real in diesem Jahr. (Foto: Infografik Die Welt)

Russischer Rubel hat sich stabilisiert

Die mangelnde Qualität der politischen Führung ist maßgeblich mitverantwortlich für die Rezession, die ihrerseits das Investorenvertrauen in Mitleidenschaft zieht. Auf der positiven Seite stehen immer noch relativ üppige Devisenreserven von 370 Milliarden Dollar, die freilich bereits um zehn Milliarden geschrumpft sind.

Der Russische Rubel hingegen hat sich nach seinem beispiellosen Absturz im vergangenen Jahr stabilisiert. In den Zeiten der hohen Rohstoff- und Ölpreise hat das größte Land der Welt riesige Fremdwährungsbestände aufgebaut. Die könnte Moskau einsetzen, um seine Unternehmen solvent zu halten. Allerdings zeigt das Krisenjahr 2014, wie schnell die Reserven dahinschmelzen können.

Zu den gefährdeten Nationen gehört trotz riesiger Fremdwährungsbestände auch die Volksrepublik China. Die Landeswährung Yuan hat zum Dollar zwar nur rund ein Prozent abgewertet, doch viele Akteure in der zweitgrößten Ökonomie der Welt haben auf eine Abwertung des Yuan gewettet. Eingetreten ist das Gegenteil.

Der Dollar profitiert von der Stärke der amerikanischen Wirtschaft. Während überall sonst die Ökonomien schwächeln, sind die USA zu einer Art Hoffnungsträger der Welt geworden. Anders als Europa hat Amerika die Finanz- und Schuldenkrise von 2008 hinter sich gelassen. Die Wirtschaftsleistung steht heute zehn Prozent höher als vor der Krise, die Arbeitslosenquote hat sich auf 5,7 Prozent fast halbiert. In einer immer unübersichtlicheren Welt, in der beispielsweise der Euro zu zerreißen droht, suchen Investoren die Sicherheit Amerikas.

Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn 10 Prozent verloren und ist auf einem Allzeittief zum Dollar. (Foto: Infografik Die Welt)

Angeheizt werden die Kapitalströme gen USA auch von der amerikanischen Notenbank. Die könnte nach den jüngsten starken Wirtschaftsdaten bereits im Juni die Zinswende einleiten. Es wäre die erste Erhöhung seit dem Jahr 2006 und steht im markanten Gegensatz zum Rest der Welt. Da haben allein in diesem Jahr 24 Notenbanken die Sätze gesenkt.

Diese geldpolitische Divergenz treibt den Dollar immer weiter nach vorn. An den Finanzmärkten ist bereits vom "Crazy Dollar", dem verrückten Dollar, die Rede. Sollte das Tempo der Dollar-Rallye anhalten, könnte der Wert des Euro am 22. Juli bei null liegen, lästerte beispielsweise die amerikanische Großbank Citi.

Schwacher Euro beflügelt deutsches Wirtschaftswachstum

Anderswo begleitet man die Dynamik der Märkte sorgenvoller. Einige Experten fordern eine konzertierte globale Intervention, um den verrückten Dollar zu stoppen. Als Vorbild dient das Plaza-Abkommen von 1985. Damals einigten sich die führenden Industriestaaten darauf, durch kontrollierte Einflussnahme den Dollar zu schwächen.

Das funktionierte so gut, dass man zwei Jahre später im Louvre-Abkommen wiederum dem Dollar zu Hilfe kommen musste. Dieses Mal dürften sich insbesondere die Schwellenländer für Interventionen einsetzen. Sollte es zu einer Pleitewelle in diesen Ländern kommen, könnte auch der Exportmeister Deutschland in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zugleich bietet der Kursrückgang der Landeswährung exportorientierten Staaten auch Vorteile. So hat der Euro zum Dollar seit seinem Zwischenhoch bereits ein Viertel abgewertet. Nicht zuletzt deswegen rechnet die Bundesbank 2015 mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum für Deutschland.

Bei vielen Schwellenländern ist dieser exportfördernde Effekt allerdings längst nicht stark genug, um die Belastungen über die Dollar-Schulden auszugleichen. Unter besonderer Beobachtung stehen Länder mit einer schwachen Leistungsbilanz: Sie müssen permanent Kapital einführen, um ihre Wirtschaft am Laufen zu halten. Kritisch könnte es daher dieses Jahr für die Türkei werden.

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