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IWF-Prognose Die fetten Jahre sind vorbei

Die Finanzkrise 2008 hat der weltweiten Wachstumsfähigkeit irreparable Schäden zugefügt. Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds. Einige Staaten seien gefährdeter als andere.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) stimmt die Welt auf eine neue Zeitrechnung ein, in der die globale Wirtschaft weniger stark wachsen wird als in den vergangenen Jahrzehnten. Die wohlhabenden Volkswirtschaften hätten in der Finanzkrise einen Teil ihrer Wachstumsfähigkeit eingebüßt, der für immer verloren scheint, schreiben die Ökonomen des Fonds in vorab veröffentlichten Teiluntersuchungen des aktuellen World Economic Outlook.

In Schwellenländern wie China und Brasilien sei die Situation dramatischer; die dortigen Volkswirtschaften befänden sich in einer wirtschaftlichen Wendezeit.

Für ihre Studie haben die IWF-Experten untersucht, wie sich die langfristigen Wachstumserwartungen, das sogenannte Potenzialwachstum, in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Demnach ist die Wachstumsfähigkeit der wohlhabenden Volkswirtschaften zuletzt beständig gesunken. Diese Entwicklung habe bereits im Jahr 2000 begonnen; sei allerdings durch die Finanz- und Wirtschaftskrise noch einmal verschärft worden.

Tatsächlich hat die Krise die Wachstumsfähigkeiten rund um den Globus erheblich beschädigt: Zwar haben die reichen Volkswirtschaften die Wirtschaftsleistung, die in den Krisen-Rezessionen verloren ging, in den vergangenen Jahren wiedergewonnen. Aber weil durch das ordentliche Wachstum der vergangenen Jahre zunächst die Krisenverluste ausgeglichen wurden, bleibt die Wirtschaftsleistung der wohlhabenden Welt im Augenblick weit hinter dem zurück, was noch im Krisenjahr 2008 für den jetzigen Zeitpunkt prognostiziert wurde.

Wachstumserwartungen gehen stetig zurück

Zusätzlich, und dieser Sachverhalt wiegt schwerer, sind die Wachstumserwartungen für die entwickelten Volkswirtschaften in Europa und Nordamerika seit der Krise gesunken: Die Wirtschaftsleistung wächst weit langsamer als noch im Jahr 2008 prognostiziert. Das wird besonders deutlich, wenn man die mittelfristigen Konjunkturprognosen des Währungsfonds betrachtet: Seit dem Jahr 2011 werden die Fünf-Jahres-Prognosen kontinuierlich nach unten korrigiert.

Die Erwartungen an das Wachstum sinken seit mehreren Jahren. (Foto: Infografik Die Welt)

Das gilt für die entwickelten wohlhabenden Volkswirtschaften wie für die Schwellenländer gleichermaßen; in den Schwellenländern ist die Entwicklung wegen der zuvor sehr hohen Wachstumsraten allerdings weitaus dramatischer. Tatsächlich habe diese Entwicklung dort erst mit der Krise begonnen, schreiben die Autoren.

"In den entwickelten Volkswirtschaften scheint der Verlust an Wachstumsfähigkeit bereits im Jahr 2000 begonnen zu haben und wurde durch die Krise verschärft", heißt es in der Untersuchung. "In den Schwellenländern allerdings habe der Rückgang des tatsächlichen Wachstums und der langfristigen Wachstumserwartungen offenbar erst nach der Krise eingesetzt." Vor dem Einsetzen der Krise habe das Trendwachstum der Schwellenländer noch nach oben gezeigt.

Vor-Krisen-Niveau wird nicht mehr erreicht

In beiden Ländergruppen wirkten damals unterschiedliche Faktoren: Die reichen Industrieländer hatten gerade eine Phase hinter sich gelassen, in der die Digitalisierung, das Internet, Mobilfunk und andere neue Technologien das Wachstum stark getrieben hatten. Diese technologischen Wachstumskräfte waren dann allerdings teilweise erschöpft. Die Schwellenländer profitierten hingegen vor der Krise weiterhin von Reformen, Privatisierungen und der zunehmenden Öffnung ihrer Volkswirtschaften.

Die künftige Entwicklung in wohlhabenden Volkswirtschaften und Schwellenländern dürfte ebenfalls divergieren, schreiben die Autoren der Untersuchung. In den reichen Industrieländern dürften einige Krisenfaktoren, die immer noch das Wirtschaftswachstum belasten, in den kommenden Jahren zunehmend an Gewicht verlieren. Das dürfte beispielsweise für die gegenwärtig immer noch schwierige Versorgung mit Krediten in den Krisenländern der Euro-Zone gelten. Auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte steigen.

Aussicht auf Schuldenabbau? Gering

Die IWF-Ökonomen erwarten denn auch, dass sich das langfristige Wirtschaftswachstum in Nordamerika, Europa und anderen Industrieländern in den kommenden Jahren erholen wird, ohne allerdings das Niveau von vor der Krise wieder zu erreichen. Ein Grund dafür, dass das Trendwachstum von vor der Krise nicht wieder erreicht wird, ist der demografische Wandel, der dafür sorgt, dass die Bevölkerungen der reichen Länder älter werden und schrumpfen – und das wird die Beschäftigungsentwicklung in den Volkswirtschaften dämpfen.

Die Folgen für die betroffenen Volkswirtschaften sind erheblich, schreiben die Autoren: "Niedrigeres Potenzialwachstum wird es noch schwieriger machen, die hohen öffentlichen und privaten Schuldenstände abzubauen." Zudem dürfte das niedrigere Wachstum dafür sorgen, dass sich die Zinsen auf einem relativ niedrigen Niveau wieder einpendeln werden, sodass die Notenbanken gezwungen sein könnten, auf die nächste Krise wieder mit Zinssätzen um die null Prozent zu reagieren.

Auch China kämpft mit dem Demografiewandel

In Schwellenländern wie China soll das Trendwachstum in den kommenden Jahren allerdings sogar noch weiter sinken: Auch diese Volkswirtschaften kämpfen mit alternden Bevölkerungen. Zudem haben die Unternehmen dieser Länder in den vergangenen Jahren technologisch rasant zu den entwickelten Volkswirtschaften aufgeholt, sodass die Modernisierung der Volkswirtschaften zunehmend weniger Wachstum schafft.

Für die Studie haben die Experten des IWF die zehn wohlhabenden Volkswirtschaften Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Spanien, Großbritannien, Südkorea und die USA untersucht. Unter den Schwellenländern wurden Brasilien, China, Indien, Mexiko, Russland und die Türkei einbezogen.

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