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Gewerkschaft Deutscher Lokführer Was uns der GDL-Streik tatsächlich kostet

127 Stunden haben die Lokführer im Personenverkehr gestreikt, sogar 138 Stunden im Güterverkehr. Der Bahn beschert dies Millioneneinbußen. Ein Schaden, der letztlich die Steuerzahler trifft.

Ein Taktiker ist GDL-Chef Claus Weselsky zweifellos. Der Sonntag ist stets einer der stärksten Reisetage bei der Deutschen Bahn (DB), und damit der Ausstand dem Konzern zum Abschluss so richtig wehtut, haben die GDL-Mitglieder ihre Arbeit erst um 9.00 Uhr wieder aufgenommen – also deutlich nach Dienstbeginn. Die Bahn braucht daher eine ganz Zeit, um die Züge und das Personal an die richtigen Einsatzorte zu bringen.

Damit war der Fahrplan auch für den Sonntag wieder im Eimer. Und die Auswirkungen des Streiks im Personenverkehr werden sich bis in die neue Woche ziehen. "Wir gehen davon aus, dass der Regional- und S-Bahn-Verkehr ab Montag früh wieder weitgehend nach Fahrplan läuft", sagte ein Bahnsprecher Sonntagmittag.

Im Fernverkehr sind die Prognosen nicht so optimistisch. Da kann es weiterhin zu Ausfällen kommen. Erst "im Verlauf des Montags" rechnet die Bahn mit einer Normalisierung im bundesweiten ICE- und IC-Verkehr.

Immense Schäden für die Bahn

GDL-Chef Weselsky hatte den achten Streik im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn als "vollen Erfolg" bezeichnet. Aus seiner Sicht ist er das auch. Die materiellen Schäden für die Bahn sind immens, und das ist eines der entscheidenden Ziele der Lokführergewerkschaft, um die Arbeitgeberseite mürbe zu machen.

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Die Streikbereitschaft war ungebrochen, von internem Widerstand gegen den GDL-Chef kann nicht die Rede sein. Das geben sogar die wenigen verbliebenen Widersacher Weselskys in der Lokführergewerkschaft zu.

Jetzt wartet die GDL auf ein Angebot der Bahn – und der Rest der Republik auf Plan B von Bahnchef Rüdiger Grube. Denn der Ausstand der Lokführer wird langsam zu einer teuren Angelegenheit, die ganz neue Dimensionen annimmt. Rund zehn Millionen Euro kostete die Bahn nach Unternehmensangaben der gerade beendete 138-Stunden-Streik der GDL pro Tag. Macht also knapp 60 Millionen Euro allein in dieser Woche.

Auf Kosten der Steuerzahler

Seit etwa einem Dreivierteljahr läuft der Tarifkonflikt nun, acht Mal hat die Gewerkschaft unterschiedlich lang zum Ausstand aufgerufen. "Die bisherigen Streiks haben uns rund 220 Millionen Euro gekostet. Und mindestens ebenso schlägt der Imageschaden für unser Unternehmen negativ zu Buche", klagt Bahnchef Grube.

Das trifft die Bahn hart und damit die Steuerzahler. Die Deutsche Bahn ist zwar eine AG, aber weiterhin voll in Staatsbesitz. Sie gehört also uns allen, die Rolle des Eigentümers übernimmt nur in Vertretung der jeweilige Bundesverkehrsminister. Zuletzt hat die Bahn ein Jahresergebnis vor Steuern und Zinsen von 2,1 Milliarden Euro eingefahren.

Aber das klingt besser, als es ist. Nach Steuern, Zinsen, Schuldentilgung und Investitionen ins Netz und die Fahrzeuge bleiben deutlich weniger als eine halbe Milliarde in der Kasse. Und diesen Betrag will im Grunde der Bundesfinanzminister als Dividende.

Weniger Geld für Netz und Fahrzeuge

Was also tun, wenn der Gewinn weiter schrumpft? Die Bahn wird im schlimmsten Fall weniger ins Netz, weniger in Fahrzeuge und bessere Verbindungen investieren, weniger Schulden tilgen und dem Finanzminister wenn möglich weniger überweisen, was dann im Bundeshaushalt fehlt.

Und sie wird weniger in Zukäufe im Ausland investieren, was vielen hierzulande ganz recht sein dürfte. Und man kann natürlich auch argumentieren, Grube habe es selbst in der Hand, die Verluste möglichst klein zu halten. Er müsse nur einlenken.

Wie genau diese Verluste zustande kommen, rechnet Thomas Geyer, Chef des Zweckverbands SPNV Rheinland-Pfalz Nord und Präsident des Bestellerverbandes BAG SPNV, anschaulich vor: "Seit Streikbeginn konnte bei uns nur die Hälfte der Züge gefahren werden. Normalerweise zahlen wir 320.000 Euro pro Tag an die Bahn. Aufgrund der Ausfälle sind es nun 160.000 Euro, denn wir bezahlen nur, was fährt. Egal, aus welchem Grund."

Macht also ein Minus von 960.000 Euro für die DB-Töchter Regio und Netz allein in diesem Zweckverband, und das in nur sechs Tagen. Hinzu kommen Ausfälle durch weniger verkaufte Fahrkarten.

Stabiler Verkehr im Westen

Hochrechnen auf ganz Deutschland lassen sich diese Zahlen allerdings nicht. In vielen Regionen, gerade denen mit dichtem Schienennetz, fuhr in der Streikwoche im Regionalverkehr deutlich mehr als die Hälfte der Züge. In Hessen oder Bayern waren es beispielsweise 60 Prozent.

In einigen Regionen Westdeutschlands war der Schienenverkehr vergleichsweise stabil, denn dort gibt es immer noch viele Beamte, die nicht streiken dürfen. Da im Westen auch die großen Ballungsgebiete mit vielen Zugverbindungen liegen, minimiert das die Schäden für die Bahn.

Im Osten sieht es dagegen mau aus. Dort konnten im Regionalverkehr nur noch fünf bis 15 Prozent der Verkehre aufrechterhalten werden. Weniger Beamte und ein starker Organisationsgrad der GDL wie in der Region Halle-Leipzig sorgten für viele Ausfälle. Doch im Osten ist das Zugangebot eben auch deutlich geringer als in Westdeutschland.

Vorrang für die Autoindustrie

Im Fernverkehr, den die Bahn ohne Geld der Verbünde betreibt, konnte im Durchschnitt noch jeder dritte Zug aufs Gleis gebracht werden. Das Gros der GDL-Lokführer fährt im Regionalverkehr, bis zu 2000 am Tag waren dort in der vergangenen Woche im Ausstand. Im Fernverkehr kam man im Durchschnitt pro Tag nur auf 150 streikende GDLer, im Güterverkehr auf dieselbe Zahl.

Doch das reichte, um beispielsweise am Sonntag dafür zu sorgen, dass von normalerweise 815 Fernzügen nur 250 zum Einsatz kommen sollten. Weitere 50 wollte die Bahn bei Bedarf einsetzen.

Im Schienengüterverkehr wollte die Bahn nach eigenen Angaben während des Streiks insgesamt rund zwei Drittel der sonst üblichen Züge fahren. Besonders wichtige und zeitkritische Güter wie zum Beispiel Teile für die Autoindustrie seien dabei bevorzugt worden. Sonderzüge wurden abgesagt und auch bis Sonntag nicht neu angenommen.

Stahl auf die Straße

Die Wirtschaft schätzt den Schaden durch den Streik auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Dennoch sind die Auswirkungen der Arbeitsniederlegungen offenbar geringer als gedacht. Bis Ende der Woche hatte jedenfalls kein Automobilhersteller stehende Bänder gemeldet.

Auch die Stahlkocher gaben Entwarnung: Zumindest bis Freitag sei es wegen ausbleibender Rohstofflieferungen nicht so weit gekommen, dass Hochöfen abgeschaltet werden mussten, sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Vor allem bei zeitkritischen Transporten komme die Güterverkehrssparte der Bahn ihrem größten Kunden entgegen, sodass noch keine Engpässe entstanden seien, hieß es.

Beim Abtransport des fertigen Materials müssten die Unternehmen dagegen verstärkt auf Lastwagen zurückgreifen. Vor allem dadurch entstünden höhere Kosten. Der Stahlverband bezifferte die erwartete Mehrbelastung für die Branche auf einen "zweistelligen Millionenbetrag".

Konjunkturexperte Stefan Kipar von der BayernLB schätzt, dass die Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal um etwa 0,1 Prozentpunkte geringer ausfallen dürfte als ohne Streik.

Mietwagenpreise verdoppelt

Mehrkosten kamen auch auf Zigtausende Pendler zu, die über Bahnnetzkarten verfügen, diese aber in den vergangenen Tagen wegen ausfallender Züge nicht nutzen konnten. Sie mussten aufs eigene Auto oder Alternativen wie Leihwagen oder Mitfahrzentralen umsteigen.

Die Autoverleiher waren denn auch eine der wenigen Branchen, die von dem Arbeitskampf profitierten – denn er ließ die Mietwagenpreise explodieren. Vor allem an Bahnhöfen und in Ballungszentren war es wegen der starken Nachfrage zu Engpässen gekommen. Die Mietwagenpreise seien in den betroffenen Regionen während der Arbeitskampfwoche um bis zu 100 Prozent angestiegen, sagte Manuel Belan von der ADAC-Autovermietung der "Welt am Sonntag".

Andere Reisende stiegen auf Fernbusse um. "Wir haben alle die Ärmel hochgekrempelt, um die große Nachfrage zu befriedigen", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen.

Die Bilanz des Taxigewerbes fällt gemischt aus: In Städten, in denen der Streik den S-Bahn-Verkehr traf, liefen die Geschäfte auf Hochtouren. Kaum Geschäft war dagegen mit Bahnreisenden zu machen. "Der Streik war keine Goldgrube", so das Fazit des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes.

Blechschlangen von 188 Kilometern

Wer sich mit eigenem oder gemietetem Wagen auf die Straßen wagte, brauchte viel Geduld. Zum Beispiel am Mittwochmorgen aus Richtung Mönchengladbach nach Düsseldorf. Weil die S-Bahn nicht fuhr, waren die bestreikten Bahnkunden resigniert in ihre Autos gestiegen, doch bereits um 6.30 Uhr stockte der Verkehr auf der Autobahn 52.

Wenig später ging nichts mehr: Eine Stunde und elf Minuten ihres Lebens kosteten die 18 Kilometer Stau zwischen dem Autobahnkreuz Neersen und der Autobahnabfahrt Düsseldorf Heerdt die Pendler. Der Stau war laut Analyse des Verkehrsdatenanbieters Inrix der bislang schlimmste während des jüngsten Bahnstreiks.

Ähnlich lange standen die Pendler am Dienstag und Mittwoch auf der Autobahn A4 von Overath Richtung Köln, in Bremen auf der B6 ab Dreieck Delmenhorst, auf der A2 bei Hannover und auf der B11 bei Freising – auf insgesamt 188 Kilometer addierten sich die Top-Ten-Blechschlangen am Dienstag, am Mittwoch waren es noch 122 Kilometer.

43 Minuten im Stau

Den Berechnungen der Inrix-Spezialisten zufolge benötigten Autofahrer am Dienstagmorgen zum Streikstart durchschnittlich 20 Prozent mehr Fahrzeit, um zu ihrem Ziel zu kommen. Am Mittwoch verbrachten sie laut dem Inrix-Stauindex immer noch 15 Prozent mehr Zeit in ihren Autos als sonst üblich.

Die Staus begannen früher als sonst – zum Teil bereits schon um 6.30 Uhr morgens – waren länger, und hielten länger an als sonst. Im Durchschnitt standen die Autofahrer in den zehn schlimmsten Staus am Dienstag 43 Minuten lang.

Die Daten, die Inrix für die Berechnung dieser Angaben auswertet, stammen direkt aus den Navigationssystemen von Autos mit Datenmobilfunkverbindung, aus Positionsdaten von Flottenbetreibern sowie von den Smartphones der Kunden der Inrix-Stau-App.

Am schlimmsten vom Streik betroffen waren demnach die Pendler im Westen Deutschlands: In Düsseldorf, Frankfurt und Köln standen sie mehr als doppelt so lange im Stau wie an einem Nicht-Streik-Morgen. Am Mittwoch waren München, Frankfurt und Köln die unrühmlichen Spitzenreiter.

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