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Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt "Mindestens 15 Jahre abhängig vom Staat"

Die Flüchtlingskrise breitet Marijn Dekkers Sorgen. Man dürfe sich nicht falschen Illusionen hingeben, warnt der Bayer-Chef. Die Einwanderer zu integrieren werde eine Mammutaufgabe.

Marijn Dekkers, Präsident des Chemieverbandes VCI und Chef des Leverkusener Bayer-Konzerns, warnt vor zu hoch gesteckten Zielen in der Flüchtlingskrise. "Ich habe durchaus Sorgen, dass Deutschland sich auch in der Flüchtlingsfrage zu viel vorgenommen hat", sagte Dekkers der "Welt am Sonntag". Es sei richtig, den Menschen in dieser Notsituation zu helfen. "Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland sehr viel schaffen kann. Die Frage ist aber, was kann dieses Land wirklich stemmen?"

"Wie viele Flüchtlinge können wir wirklich über welchen Zeitraum hier aufnehmen? Das muss dringend beantwortet werden, und da muss man auch pragmatisch sein", sagte der 58-Jährige. Kurzfristig werde die Versorgung der vielen Asylsuchenden sicher für wirtschaftliche Impulse sorgen. Es werde aber sehr viel Zeit und Mühe kosten, die Flüchtlinge auf das Niveau zu bringen, das man in Deutschland als Arbeitnehmer mitbringen müsse, um eine Beschäftigung zu finden.

Besorgt über sinkende Wettbewerbsfähigkeit

"Ich warne nur davor, sich Illusionen hinzugeben: Bis die große Mehrheit der Asylsuchenden wirklich unabhängig von staatlicher Hilfe sein wird und ihr eigenes Einkommen verdient, werden mindestens 15 Jahre vergehen", so Dekkers. Besorgt äußerte sich der Konzernchef und Branchenpräsident auch über die sinkende Wettbewerbsfähigkeit in Europa. Das gelte auch für Deutschland, wo die Folgen der Energiewende und fehlender Gründergeist zu den größten Hemmnissen für den Standort zählten.

Bayer-Chef Marijn Dekkers warnt: Deutschland nimmt sich zu viel vor. (Foto: DPA)

"Die hohen Energiekosten haben der deutschen Wettbewerbsfähigkeit geschadet und schaden ihr noch", sagte er. Zwar sei das Ziel, aus der Atomkraft auszusteigen und erneuerbare Energien zu fördern, nachvollziehbar. "Aber die Ambitionen in Deutschland sind so groß und der Zeitraum für die Umsetzung ist so kurz gewählt, dass das Projekt Energiewende dadurch viel zu teuer wird."

Problemfälle Innovationskraft und Gründermüdigkeit

Auch bei der Innovationskraft habe Deutschland Nachholbedarf. "Dass viele Innovationen keine Chance haben, auf den Markt zu kommen, ist für mich die größte Bedrohung für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Andere Länder wie China holen da gerade rasant auf", warnte er.

Dekkers kritisierte auch, dass die Bundesregierung bei der Förderung von Gründern bisher die falschen Anreize setze. "Gründungen sind keine Sache, die eine Regierung regeln muss", sagte er. Öffentliche Fördermittel seien hilfreich, wichtiger sei aber ein Umfeld, in dem private Investoren von Anfang an in Start-ups investierten: "Wenn aus Start-ups von Beginn an Staatsbetriebe werden, läuft etwas schief."

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