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US-Verteidigungsministerium Worüber Siemens kaum ein Wort verliert

Wenn es um Geschäfte mit den US-Streitkräften geht, gibt sich der Siemens-Konzern äußerst schmallippig. Doch Aufträge gibt es, und zwar lukrative. Verschwiegenheit scheint der Preis dafür zu sein.

Es gibt Aktivitäten, über die redet Siemens gerne – und es gibt Aufträge, über die verliert der Konzern in Deutschland kaum ein Wort. Die Bestellungen vom US-Verteidigungsministerium bei dem deutschen Technologiekonzern gehören in die Kategorie, zu der Siemens selten etwas kommuniziert. Dabei wächst das Geschäft, das von der abgeschirmten US-Tochter Siemens Government Technologies (SGT) mit diversen US-Behörden abgewickelt wird.

Nach Recherchen der "Welt" hat die SGT beispielsweise soeben einen 200 Millionen Dollar-Auftrag vom Technikversorger des US-Heeres für Gebäudetechnik-Software erhalten. Immerhin haben die US-Streitkräfte über 300.000 Immobilien allein in den USA und da gibt es einiges an Energie zu sparen.

Die US-Streitkräfte sind ohnehin der größte Energieverbraucher in den USA. Jährlich werden schätzungsweise vier Milliarden Dollar nur für Strom, Wasser, die Klimaanlagen oder Heizungen ausgegeben. Siemens bietet da seine Mithilfe an, dass die Energierechnung für das Pentagon kleiner wird.

Abgekapselt vom Rest des Konzerns

Über die Geschäfte der Siemens Government Technologies gibt es auch auf Nachfrage nur wenig Details. Der Firmensitz ist in Arlington im US-Bundesstat Virginia, in Sichtweite des US-Verteidigungsministeriums.

Der gesamte Siemens-Umsatz in den USA beläuft sich in diesem Jahr auf gut 15 Milliarden Euro. Wie viel davon auf SGT entfällt und wie sich deren Umsatz an Militär- oder Zivilkunden aufteilt, wird allerdings nicht aufgeschlüsselt. Weil Siemens ein deutscher Konzern ist, aber mit den US-Militärs Geschäfte macht, arbeitet SGT abgekapselt vom Rest des Unternehmens. Es gelten die Pentagon-Sicherheitsauflagen und US-Gesetze.

Die obere Führungsmannschaft besteht ausschließlich aus Personen mit US-Staatsbürgerschaft. An der Spitze steht seit Oktober die Managerin Barbara Hampton. Vor Siemens war sie bei IBM, der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton und beim größten US-Rüstungskonzern Lockheed Martin tätig.

Antriebe für Flugzeugträger

In einem Interview nannte die neue SGT-Chefin die Themenfelder erneuerbare Energie, Energieeinsparungen und sichere Energieversorgung für die diversen US-Behörden und Ministerien als einen der längerfristigen Schwerpunkte. Daneben könnte Siemens mit seinem Technik-Know-how mit dazu beitragen, dass künftig autonome unbemannte Fahrzeuge auf dem Land, unter Wasser und in der Luft sicher und zuverlässig funktionieren.

Kurzfristig gehe es darum, die Übernahme des US-Energietechnikkonzerns Dresser-Rand durch Siemens in das Angebot an die staatlichen Kunden zu integrieren. So wird jetzt publik, dass der Siemens-Zukauf auch ein großes US-Marinegeschäft hat. In Hunderten Schiffen der US-Navy sei Dresser-Rand-Technik an Bord, heißt es in Broschüren.

Auf US-Flugzeugträgern – auch in der neuen Gerald-R.-Ford-Klasse – und in US-U-Booten ist Turbinen- und Dampf-Technik der Siemens-Neuerwerbung eingebaut. SGT erhält erstmals über Dresser-Rand jetzt auch ein erstes eigenes Werk, ist also nicht nur eine Verwaltungsfirma.

Sonnenstrom für Raketentests

Wie vielfältig die Geschäfte der Siemens-US-Behördentochter bereits sind, zeigt sich an einer Firmenpräsentation. Die Angebotspalette reicht von Energietechnik über Medizintechnik bis hin zu Produkt-Konstruktions-Software und 3-D-Drucktechnik, die von "führenden Luftfahrt- und Rüstungsfirmen" angewendet wird, wie es heißt.

Zu den größeren SGT-Aufträgen gehört beispielsweise die 2013 in Betrieb genommene riesige Sonnenstromanlage auf dem Raketen- und Drohnentestgelände White Sands im US-Bundesstaat New Mexico. Für eine dem Energieministerium unterstellte Behörde (NNSA) wurde in Texas der größte staatliche Windpark errichtet.

Siemens ist bei Weitem nicht der einzige deutsche Großkonzern, der zu den Pentagon-Lieferanten gehört. Beispielsweise versorgt der deutsche Software-Konzern SAP nicht nur die Bundeswehr, sondern betreibt über eine wie bei Siemens streng abgekapselte US-Tochter auch ein großes Geschäft mit amerikanischen Militärs und Behörden. Über die SAP National Security Services Inc. (NS2) ist SAP in zahlreichen US-Regierungs- und auch Geheimdienstprojekten mit Softwarelösungen eingebunden.

Im Mittelpunkt steht neben der Datenauswertung auch das Thema Sicherheit von Datennetzen. 2010 übernahm SAP den kalifornischen Datenbankspezialisten Sybase, der besonderes Know-how in der Datenanalyse hat. Erst am 21. Dezember erhielt die SAP-US-Regierungstochter vom Pentagon einen 13 Millionen Dollar Auftrag für Sybase-Software, die bei der US-Marine eingesetzt wird.

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