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"Massive Probleme und Verspätungen" Die verheerende Bilanz von Eurowings

Die erste Bilanz ist verheerend: Die Lufthansa-Tochter Eurowings fliegt seit zwei Monaten sieben Fernstrecken an. Zuletzt kam jeder dritte Flug zu spät an - um durchschnittlich acht Stunden.

"Aller Anfang ist schwer" – eine Ausrede, die angesichts der massiven Verspätungen auf den neuen Eurowings-Fernstrecken den betroffenen Passagieren wie Hohn in den Ohren klingen muss. Und noch längst hat die Billigairline der Lufthansa die Probleme nicht im Griff, sagt Prof. Ronald Schmid, Unternehmenssprecher von Fairplane. Das Unternehmen gehört neben EUclaim und Flightright zu den größten Dienstleistern bei der Durchsetzung von Fluggastrechten in Deutschland und erfasst deshalb akribisch, welche Fluggesellschaft sich wann und wo verspätet haben.

Mit Blick auf die am 2. November 2015 gestarteten Eurowings-Langstreckenverbindungen schlug Fairplane bereits Ende Dezember 2015 Alarm. Denn von den insgesamt 126 Flügen, die die Lufthansa-Tochter in den ersten acht Wochen auf der Fernstrecke absolvierte, waren 31 verspätet – und zwar im Schnitt um 5,8 Stunden.

Hat sich die Situation für die Eurowings-Kunden seither verbessert?

Ronald Schmid: Nein, im Gegenteil. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von den 48 Eurowings-Langstreckenflügen, die zwischen dem 26. Dezember 2015 und dem 5. Januar 2016 ab Köln/Bonn durchgeführt wurden, waren 18 verspätet, davon 14 relevant verspätet.

Was verstehen Sie unter relevant verspätet?

Relevant verspätet ist eine interne Sprachregelung bei Fairplane. Relevant ist für uns eine Verspätung dann, wenn Passagiere Ansprüche auf finanzielle Entschädigung haben – und das ist nach mehr als drei Stunden Verpätung der Fall.

Und wie hoch war die durchschnittliche Verspätung der Eurowings-Flüge?

Sie lag für den genannten Zeitraum 26. Dezember bis 5. Januar bei acht Stunden.

Woher stammen die Zahlen?

Wir werten das Zahlenmaterial der internationalen Flug-Datenbank OAG aus.

Auf welchen der sieben Langstreckenflüge, die Eurowings derzeit anbietet, gibt es denn die größten Probleme?

Da sticht momentan die Kuba-Strecke besonders ins Auge. So war die größte Fehlleistung von Eurowings ein um 50 Stunden verspäteter Flug von Köln nach Kuba im Dezember. Das Problem in diesem Fall war, dass die ursprünglich geplante Maschine ausfiel und das eingesetzte Ersatzflugzeug zu wenig Plätze hatte, weshalb etwa 40 Passagiere über Madrid umgebucht werden mussten, und diese kamen dann erst nach 50 Stunden in Varadero an.

Nun gelobt Eurowings Besserung und setzt inzwischen zwei Langstreckenmaschinen ein. Und ab Mai sollen es dann sogar drei für das kleine Streckennetz sein…

…dennoch sind Zweifel angebracht, ob diese Mini-Flotte tatsächlich ausreicht, um unvorhergesehene Zwischenfälle ohne größere Verspätungen zu managen. Denn zu dem kleinen Flugzeugpark kommt bei Eurowings noch erschwerend dazu, dass es derzeit zu wenige Langstrecken-Crews gibt, um beispielsweise Erkrankungen abzufedern.

Apropos Abfedern: Arbeitet Eurowings nicht auch mit Titan Airways zusammen, einer Airline, die sich eigens darauf spezialisiert hat, anderen Fluggesellschaften bei Engpässen mit eigenen Maschinen auszuhelfen?

Das stimmt, aber der Einsatz solcher Subcharter-Maschinen ist auf Langstrecken nur bedingt sinnvoll. Denn nach dem Hinflug am Ziel angekommen, muss die Ersatz-Crew mindestens zehn Stunden Ruhezeit einlegen, ehe sie zurückfliegen kann. Bei planmäßigen Flügen hingegen wartet am Zielort auch planmäßig eine frische Crew, die die ankommende Maschine übernimmt und nach kurzem Turnaround wieder startet.

Und warum greift Eurowings nicht auf Ersatzflugzeuge und Ersatz-Crews der Muttergesellschaft Lufthansa zurück?

Darüber kann ich nur spekulieren, aber Fakt ist nun mal, dass Eurowings als Billigairline preiswertes Personal, etwa von Sunexpress, einsetzen muss; Lufthansa-Piloten würden da wohl den Kostenrahmen sprengen. Das ist zwar aus kaufmännischer Sicht nachvollziehbar. Doch als sich die Verspätungen häuften, hätte man meines Erachtens reagieren und die Planung anpassen müssen. Ärgerlich für den Kunden ist zudem, dass sich die Eurowings zwar als Billig-Airline vermarktet, aber mit dem guten Namen der Muttergesellschaft Lufthansa wirbt, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Doch wer so handelt, muss sich auch an den Lufthansa-Standards messen lassen.

Wie hoch müsste die Ersparnis für Sie persönlich sein, dass Sie etwa bei einem Flug nach Phuket lieber die preiswerte, aber womöglich verspätete Eurowings statt die teure, aber pünktliche Lufthansa nutzen?

Bei einer Verspätungsrate der Langstreckenflüge zwischen derzeit 20 und 30 Prozent würde ich Eurowings im Moment persönlich nicht buchen, dafür habe ich zu selten Urlaub. Ich denke aber, dass viele Passagiere ab einer Preisdifferenz von mindestens 200, eher 300 Euro bereit sind, das erheblich höhere Flugausfall- oder Verspätungsrisiko in Kauf zu nehmen.

Wie hoch ist eigentlich die bislang aufgelaufene Schadensumme, mit der Eurowings rechnen muss?

Wir schätzen die Gesamtsumme an möglichen Ausgleichszahlungen gemäß der Fluggastrechteverordnung auf vier Millionen Euro, und das nach nur zwei Monaten Flugbetrieb …

… den Eurowings wegen Unwirtschaftlichkeit ja dann gleich wieder einstellen könnte.

Da haben Sie Recht, allerdings machen im Schnitt nur 15 Prozent der von Verspätung betroffenen Passagiere von ihrem Recht Gebrauch und fordern die Entschädigung auch ein.

Liegt das an dem schwer durchschaubaren Marketing-Konstrukt der Eurowings, unter deren Namen etliche andere Airlines wie Germanwings, Sunexpress und TUIfly fliegen, soll heißen: Ist es für Eurowings-Kunden schwerer, finanzielle Ansprüche durchzusetzen und Ansprechpartner zu finden als etwa für Air-Berlin- oder Condor-Kunden?

Nein, auf keinen Fall. Für den Kunden bleibt das ausführende Flugunternehmen Eurowings, und die Forderungen sind auch an Eurowings zu stellen, egal welches Unternehmen den Flug im kurzfristig eingesetzten Subcharter durchgeführt hat. Da sollte sich niemand verunsichern lassen.

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