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Wirtschaft vor der Krise Sechs Anzeichen sagen ein "Doom"-Jahr voraus

Börsencrash in China, Eskalation in Riad, Vertrauensverlust in der Flüchtlingskrise. Zwölf Tage ist 2016 erst alt und schon verheißen sechs Anzeichen ein Schreckensjahr für die Weltwirtschaft.

In Köln gehen gerade die ersten Anzeigen wegen sexueller Belästigung ein, als Saudi-Arabien 47 Menschen hinrichtet. Nordkorea bereitet in diesen Stunden den Test einer Atombombe vor, und in China verketten sich Ereignisse, die wenig später zu einem Börsenabsturz führen, der weltweit 4,6 Billionen Dollar vernichtet: Zwölf Tage ist das Jahr erst alt, doch die Zeit hat genügt, um die Menschen zu verunsichern – vor allem in Deutschland.

Was in Köln, Riad und Peking geschehen ist, wird Folgen haben. Gesellschaftliche und politische, aber auch wirtschaftliche. Die Ökonomie steht so wackelig da wie lange nicht, der globale Handel ist bereits eingebrochen. Die ersten zwölf Tage verheißen nichts Gutes. 2016, ein Doom-Jahr? Sechs Gründe sprechen dafür.

1. Rückkehr der "German Angst"

In den vergangenen Jahren waren die Deutschen zuversichtlich wie selten zuvor – jetzt sorgen sie sich wieder um ihren Wohlstand. Wie eine Umfrage des Beratungshauses EY zeigt, fürchten 85 Prozent der Bundesbürger finanzielle Einbußen wegen des Zustroms der Flüchtlinge.

Die Rückkehr der Angst ist vor allem problematisch, weil die Verbraucher zuletzt die wichtigste Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums waren. Geringe Arbeitslosigkeit, niedrige Zinsen, kaum Inflation – diese Mixtur beflügelte den Konsum. Doch die wachsende Zahl der Asylsuchenden trübt die Stimmung, das eigentlich positive Umfeld scheint ausgeblendet zu werden. Dazu tragen auch Ereignisse wie die in der Kölner Silvesternacht bei.

Der Migrationsforscher Paul Collier hat die Folgen der Einwanderung untersucht. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Einwanderung das Sozialkapital der einheimischen Bevölkerung verringert, und zwar deutlich. Erste Spuren sind bereits zu erkennen. Der GfK-Konsumklimaindex, der die Stimmung der Verbraucher misst, hat sich seit dem vergangenen Sommer deutlich abgeschwächt. Er fiel von 10,2 auf 9,4 – obwohl im gleichen Zeitraum die Arbeitslosenquote auf 6,3 Prozent gesunken ist.

2. Billige Energie

Weniger als 33 Dollar kostet ein Fass Rohöl der Sorte Brent derzeit – und ist damit so billig wie zuletzt 2003. Die deutschen Verbraucher und Konzerne freuen sich über die günstige Energie. Auch der Internationale Währungsfonds bewertet die Lage positiv, da der fallende Ölpreis dem globalen Wachstum in den vergangenen zwölf Monaten geholfen hätte.

Der positive Effekt in den Verbraucherländern wie Deutschland würde die negativen Folgen in den Förderstaaten noch wettmachen. Doch auf Dauer ist billige Energie mehr Risiko als Chance. Tiefe Rohstoffpreise sind ein Zeichen globaler Schwäche, wie wir sie derzeit vor allem in den Schwellenländern erleben. Viele Nationen sind extrem abhängig von dem Verkauf ihrer Rohstoffe. In einer Welt mit Miniwachstum braucht es nicht viel, um die Ökonomie in eine Krise zu stürzen.

3. Erratische Herrscher

Sie hassen es, wenn sie nicht planen können. Kaum etwas verabscheuen Investoren so sehr wie politische Unsicherheit. Wie sollen sie Geld verleihen, Projekte finanzieren, Aktien kaufen, wenn sie nicht abschätzen können, was geschieht? Erratische Herrscher sind für sie ein Albtraum.

Männer wie Kim Jong-un und Mohammed Bin Salman zum Beispiel. Zwei Namen, die Anleger in den ersten Tagen des Jahres verunsichert haben. Kim hat in Nordkorea den Test einer Bombe bejubelt. Prinz Bin Salman, Sohn des Königs und Verteidigungsminister, hat in Saudi-Arabien die Hinrichtung von 47 Menschen geduldet, wenn nicht sogar veranlasst. Das Königshaus ließ dabei auch den prominenten schiitischen Prediger Nimr al-Nimr töten – wohl eine Provokation des schiitischen Erzfeindes Iran.

Es sind Ereignisse, die nicht nur politische Folgen haben, sondern auch wirtschaftliche. So schnellte etwa die Pleitewahrscheinlichkeit Saudi-Arabiens nach der Hinrichtung in die Höhe. Der kalte Krieg mit dem Iran verschreckt die Investoren. Sie entziehen dem Königreich offenbar ihr Vertrauen. Weltpolitische Schocks wie diese lähmen den globalen Handel – und schaden damit auch Deutschland. Nicht sofort, sondern schleichend wie ein langsam wirkendes Gift.

4. Mieser Börsenstart

An den Finanzmärkten ist es manchmal wie im echten Leben. Der erste Eindruck zählt. Soll heißen: So wie sich die Börsen in der ersten Woche eines Jahres zeigen, wird auch das Gesamtjahr. Nach dieser Regel wird 2016 schwarz. Rabenschwarz. Die Finanzmärkte haben den schlechtesten Start aller Zeiten hingelegt.

(Foto: Infografik Die Welt)

Der deutsche Leitindex verlor mehr als acht Prozent, so viel wie noch nie in einer ersten Börsenwoche. Auch der US-Börsenindex S&P 500 verzeichnete mit minus sechs Prozent einen Negativrekord. "Die Geschichte lehrt, dass die erste Woche den Takt fürs Gesamtjahr vorgibt", sagt Tim Edwards, Direktor beim Indexanbieter S&P Dow Jones Indices. Keine gute Aussicht.

5. China schwächelt

Der Absturz der Börsen ging von China aus, nach den USA die zweitwichtigste Ökonomie der Welt. Die Volksrepublik steht für fast 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Welt hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten an die Wachstumsraten aus Peking gewöhnt. Entsprechend kritisch wird jeder Einbruch beäugt. Allerdings nimmt kaum noch ein Experte Peking die offiziellen Statistiken ab. Nach Berechnungen des Analysehauses Fathom Consulting liegt das Wirtschaftswachstum nicht bei sieben Prozent, wie von der Führung stolz verkündet – sondern bei weniger als zweieinhalb Prozent.

"Mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum verhält es sich wie mit der Bombe unter dem Bus im Film "Speed", die hochgehen sollte, wenn er zu langsam fährt", sagt Erik Britton, Analyst bei Fathom Consulting. China brauche ein bestimmtes Wirtschaftswachstum, um seine sozialen Herausforderungen lösen zu können.

Britton rechnet damit, dass die Wirtschaft des Landes weiterhin schwächeln wird. Für Deutschland ist das besonders bitter. Die Ausfuhren betragen gut 75 Milliarden Euro – fast drei Prozent der Wirtschaftsleistung.

(Foto: Infografik Die Welt)

6. Lage in Griechenland ist fragil

Die Lage in Griechenland ist komplett aus dem öffentlichen Fokus geraten. Das liegt aber nicht daran, dass das Land die Krise hinter sich gelassen hat. Im Gegenteil. Schon in den kommenden Tagen muss die Regierung in Athen die Umsetzung einer besonders heiklen Reform mit den Geldgebern verhandeln: den Umbau des Pensionssystems. "Die Renten sind das letzte soziale Sicherheitsnetz in einer Gesellschaft, in der ein Viertel der Bevölkerung arbeitslos ist", meint Adriano Bosoni, Stratege bei der Denkfabrik Stratfor.

Auch wenn die Gefahr eines Grexit nicht so hoch wie im vergangenen Jahr sei, rechnet er mit sozialen Unruhen und politischer Volatilität. Schließlich verfüge die Regierung von Premier Alexis Tsipras im Parlament lediglich noch über eine Mehrheit von drei Sitzen. Schon eine kleine Rebellion in der Koalition könne die Regierung zum Sturz bringen.

(Foto: Infografik Die Welt)

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