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Städte in Deutschland Die Ballungszentren der Flüchtlinge

Wer die Flucht nach Deutschland geschafft hat, ist noch lange nicht am Ziel. Je nach Herkunft konzentrieren sich Migranten auf ganz bestimmte Städte. Wir zeigen, welche besonders beliebt sind.

Flüchtlinge aus Eritrea leben oft in Frankfurt/Main, Syrer kommen besonders häufig nach Berlin, Iraner und Iraker bevorzugen große Städte in Nordrhein-Westfalen wie Köln oder Bielefeld. Das Überschreiten der deutschen Grenze ist für viele Flüchtlinge längst nicht gleichzusetzen mit dem Ende ihrer Reise. Wer in der Bundesrepublik registriert worden ist und nach Erhalt des Asylstatus nicht mehr der Residenzpflicht unterliegt, macht sich oft noch einmal auf den Weg. Zu Verwandten, Bekannten und ehemaligen Nachbarn irgendwo in Deutschland.

Die Verteilung afghanischer Einwanderer in Deutschland. (Foto: Bundesagentur für Arbeit)

"Es gibt Flüchtlinge, die zieht es vor allem ins Ruhrgebiet, weil dort schon viele andere Menschen aus dem Herkunftsland leben", erklärt die Bundesagentur für Arbeit (BA), die detaillierte Karten zur Verteilung der bei ihr gemeldeten Flüchtlinge erstellt hat. So verständlich die Suche nach bekannten Gesichtern in der Fremde ist: Wirtschafts- und gesellschaftspolitisch kann das schnell zum Problem werden. In einigen Teilen Nordrhein-Westfalens herrscht bereits seit Jahren eine hohe Arbeitslosigkeit. Oft ist sie sogar höher als etwa in Ostdeutschland, wo es der BA-Statistik zufolge weniger Flüchtlinge hinzieht, sicher auch weil sie sich dort nicht so freundlich aufgenommen fühlen.

Die Verteilung irakischer Einwanderer in Deutschland. (Foto: Bundesagentur für Arbeit)

Die Überblickskarte der BA zeigt, wo sich die 215.000 bislang bei Jobcentern und Arbeitsagenturen gemeldeten erwerbsfähigen Personen aus den acht zugangsstärksten nichteuropäischen Asylzugangsländern ballen: Vor allem die Metropolregionen um die deutschen Großstädte sind demnach attraktiv. In Bayern ist es der Großraum München, in Niedersachsen die Region Hannover. Wen es gen Norden zieht, der landet in der Regel in Hamburg oder dem Umland der Hansestadt.

Wenige Flüchtlinge wollen nach Ostdeutschland

Auch das Rhein-Main-Gebiet registriert einen starken Zustrom an Flüchtlingen. In Nordrhein-Westfalen sind es gleich mehrere Regionen, in denen sich viele Asylbewerber aus einem Land zusammenfinden. In den Osten Deutschlands hingegen zieht es laut der Karte der Bundesagentur kaum jemanden. Dabei könnten viele Regionen dort den Zuzug demografisch nicht nur besser verkraften, sondern auch gut gebrauchen.

Die Verteilung iranischer Einwanderer in Deutschland. (Foto: Bundesagentur für Arbeit)

Auf die Wohnbevölkerung Deutschlands umgerechnet kommen der BA zufolge auf 10.000 Personen durchschnittlich 26,5 erwerbsfähige Personen aus den acht untersuchten Ländern Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Eritrea und Nigeria.

Nach den aktuellsten Zahlen vom Oktober vergangenen Jahres, die der "Welt" vorliegen, kommt die stärkste Flüchtlingsgruppe darunter aus Syrien. 87.000 erwerbsfähige Personen aus dem Bürgerkriegsland sind bei der Bundesagentur gemeldet. Auf 10.000 Personen der Wohnbevölkerung in Deutschland kommen demnach 10,8 Syrer. Die Hälfte von ihnen lebt in 49 der 402 deutschen Kreise. Diese liegen vor allem im Westen und der Mitte Deutschlands mit regionalen Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Niedersachsen.

Afghanen und Iraner konzentrieren sich auf wenige Kreise

Aus dem Irak sind derzeit 43.000 Personen bei der Bundesagentur gemeldet, umgerechnet kommen also 5,2 Iraker auf 10.000 Menschen, die in Deutschland wohnen. Die Hälfte von ihnen lebt in 16 Kreisen. Sie sind also deutlich stärker auf bestimmte Regionen konzentriert als beispielsweise die Flüchtlinge aus Syrien. Die Kreise liegen vor allem in Nordrhein-Westfalen (Essen, Dortmund, Düsseldorf und Köln), aber auch vereinzelt in Bayern und Baden-Württemberg.

Die Verteilung pakistanischer Einwanderer in Deutschland. (Foto: Bundesagentur für Arbeit)


Noch stärker konzentriert sind die 29.000 Afghanen, die bei der BA gemeldet sind. Die Hälfte von ihnen lebt in zwölf der insgesamt 402 Kreise – vor allem im Norden Deutschlands sowie im südlichen Hessen rund um die Bankenmetropole Frankfurt. Im bundesweiten Durchschnitt kommen auf 10.000 Menschen 3,6 gemeldete erwerbsfähige Personen aus Afghanistan.

Iraner sind es deutlich weniger. Gerade einmal 2,7 Personen aus dem Land kommen auf 10.000 in der Bundesrepublik lebende Personen. Insgesamt sind es den Daten zufolge 22.000. Und etwa die Hälfte davon lebt in neun von 402 Kreisen – vor allem im Ruhrgebiet sowie in den nördlichen Großstädten Hamburg, Bremen und Hannover.

Die Verteilung syrischer Einwanderer in Deutschland. (Foto: Bundesagentur für Arbeit)


Menschen aus Pakistan zieht es dagegen vor allem ins Rhein-Main-Gebiet. 14.000 erwerbsfähige Pakistani sind derzeit bei der Bundesagentur gemeldet, also 1,7 je 10.000 Einwohner. Sie leben zur Hälfte in 23 von 402 Kreisen. Die Flüchtlingsgruppen aus den drei übrigen betrachteten Asylzugangsländern sind zu klein, als dass sich eine statistisch relevante Verteilung auf Deutschland feststellen ließe.

"Schwarm"-Verhalten ist kein neues Problem

Dass die massenhafte Wanderung von ganzen Flüchtlingsgruppen in bestimmte Regionen gesellschaftlich ein ernstes Problem zu werden droht, fällt spätestens jetzt auch vielen Politikern auf. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln forderte beispielsweise SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Wohnsitzauflage. "Sonst ziehen die Menschen – auch die anerkannten Asylbewerber – alle in die Großstädte", sagte er am Sonntagabend in der ARD. Da ballten sich Schwierigkeiten, "und wir kriegen richtige Ghettoprobleme". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will eine solche Auflage prüfen.

Neu sind diese Entwicklungen allerdings nicht. Auch bei früheren Flüchtlingsströmen wurde ein solches "Schwarm"-Verhalten bereits beobachtet. Und Migrationsforscher finden daran nicht nur Schlechtes. Zögen Flüchtlinge in Regionen und Städte, in denen Menschen aus ihrem Herkunftsland schon seit Jahren lebten und gesellschaftlich integriert seien, erleichtere das auch die Integration der Neuankömmlinge, so die einhellige Meinung.

Problematisch wird es allerdings dann, wenn es in diesen Städten zu wenige Arbeitsplätze und Perspektiven gibt – wie es beispielsweise in großen Teilen des Ruhrgebiets der Fall ist – und sich aufgrund der Herkunft Parallelgesellschaften bilden, die sich nicht an die hier geltenden Regeln und Gesetze halten.

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