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Telekom stellt Anschlüsse um 2018 stirbt das klassische Festnetz-Telefon

Das klassische Festnetztelefon stirbt aus. Bis 2018 stellt die Telekom alle Anschlüsse auf Internet-Telefonie um. Besonders für den Konzern hat das Vorteile. Doch es gibt auch Risiken.

Jede Woche stellt die Telekom 80.000 Telefonanschlüsse um. Den Kunden bleibt kaum etwas übrig als mitzuziehen: Entweder sie akzeptieren den Wechsel zur neuen Technologie – oder sie werden künftig kein Festnetztelefon mehr haben.

Bereits seit drei Jahren bietet die Telekom nur noch Telefonverträge mit Voice over Internet Protocol (VoIP) an. Wer seinen Vertrag mit der Telekom in diesem Zeitraum verlängert hat, wurde automatisch Internet-Telefon-Nutzer.

Doch erst jeder zweite der 20 Millionen Anschlüsse ist bereits VoIP-fähig. Bis Ende 2018 sollen alle Telefonanschlüsse umgestellt sein. Die Vorzüge der neuen Technik erkauft man sich mit einigen Nachteilen.

Weniger Personal für die Wartung

Warum sich Telekomunternehmen nach VoIP-Telefonie sehnen, ist offensichtlich. Die Wartung der Telefonsysteme via Internet sei sehr viel kostengünstiger, erklärt der Experte Thomas Magedanz vom Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme in Berlin. Denn es würde auf diese Weise deutlich weniger Personal benötigt.

Außerdem trennt sich die Telekom mit der Umstellung auf die Internettelefonie von allen Altsystemen – auch dem 1989 eingeführten, bereits digital arbeitenden ISDN. "Es ist die Investition in eine zukunftssichere Technologie", da ist sich Magedanz sicher.

Bei einem klassischen Telefonat gibt es eine direkte Verbindung zwischen den Gesprächspartnern über eine Kupferleitung. Die übertragenen elektrischen Signale sind analog – also im Wortsinn analog zu den akustischen Schwingungen der gesprochenen Worte.

Die Internettelefonie überträgt hingegen digitalisierte Informationen, wobei diese in viele Datenpakete aufgeteilt und dann online versendet werden. Digitale Signale lassen sich über die sehr viel schnelleren Glasfaserkabel übertragen. So lassen sich große Datenmengen in kurzer Zeit übertragen.

Notruf via Skype?

Damit diese digitalen Datenpakete nicht im Durcheinander des Internetverkehrs verloren gehen, benötigen sie intelligente Helfer – die sogenannten Protokolle. Sie erklären dem Telefon und den Knotenpunkten im Internet, wie und an wen es die Daten übermitteln soll. Die Helfer merken dabei auch, wenn unterwegs ein Paket verloren geht oder beschädigt wird. Dann sorgen sie dafür, dass diese Daten erneut auf die Reise geschickt werden.

Voice over IP-Telefonate kann man bereits seit Jahren dank Anbietern wie Skype oder WhatsApp sogar gratis führen. Wozu braucht man dann noch ein Telekommunikationsunternehmen, das eine solche Dienstleistung gegen Gebühr anbietet?

"Niemand würde ernsthaft über Skype einen Notruf absetzen wollen", sagt Thomas Magedanz. Es geht also um die Sicherheit und Verfügbarkeit des Kommunikationsweges. Um das zu garantieren, haben die großen Telekommunikationsunternehmen gemeinsam den Standard für das "Next Generation Network" entwickelt.

Dabei handelt es sich gleichsam um einen Paketdienst, der über private Datenstraßen fährt und Telefondaten-Pakete sicher transportiert. Der Standard garantiert auch das Einhalten des Telekommunikationsgesetzes. Zur Ermittlung von Straftätern können staatliche Institutionen jederzeit auf Telefondaten von Verdächtigten zugreifen – wenn ein richterlicher Beschluss vorliegt.

Videotelefonie, Internetfernsehen oder Onlinespiele

Das ist kein Aspekt, mit dem Anbieter offensiv für Internet-Telefonie werben. Dem Kunden machen sie vielmehr die große Schnelligkeit der digitalen Datenwege schmackhaft. Das ermöglicht unter anderem hoch aufgelöste Videotelefonie, Internetfernsehen oder Onlinespiele. Überdies wird die Sprachqualität besser. Die sogenannte HD-Telefonie ist eines der wichtigsten Argumente der Telekom für den Wechsel auf VoIP.

Bei ISDN-Telefonen werden Gespräche mit einer Datenrate von 64 Kilobit pro Sekunde übertragen. Dabei gehen aufgrund von Kompressionsverfahren einige akustische Informationen verloren. "Mit dem Einsatz der HD-Technologie lassen sich Gespräche mit deutlich besserer Qualität übertragen", sagt Magedanz, "den Unterschied kann das menschliche Ohr sehr wohl hören."

Es gibt weitere Vorteile: Bei ISDN oder analoger Telefonie wird ein Teil des Netzes ausschließlich für die Sprachübertragung bereitgehalten. Diese Bandbreite ist blockiert, auch wenn gar nicht telefoniert wird. Hier ist VoIP viel effizienter. Die Sprachdaten werden parallel zum sonstigen Datenverkehr übertragen.

Wird am Telefon nicht gesprochen, kann die gesamte Bandbreite anderweitig genutzt werden. Außerdem bleibt man auch unterwegs unter der Festnetznummer erreichbar. Pro Anschluss sind drei Nummer möglich. Es können zwei Gespräche gleichzeitig geführt werden. Für viele ist es auch verlockend, den Kabelsalat zu reduzieren. Für VoIP-Telefonie und Internet benötigt man nur noch einen Router mit Kabelanschluss. Dieser ist die Schaltzentrale für alle Kommunikationswege.

Router von Kunden gehackt

Die permanente Verbindung mit dem Internet birgt indes Risiken. Erst im Dezember 2015 wurde eine Sicherheitslücke bei Vodafone bekannt. Der Nürnberger IT-Experte Alexander Graf wollte seinen privaten Telefonanschluss auf VoIP umstellen. Dabei entdeckte er einen Zugang, über den der Anbieter Fernwartungen vornehmen kann.

Doch auch Graf konnte mit nur geringem technischen Aufwand auf die Router der 2,8 Millionen Vodafone-Kunden zugreifen. Er hätte jetzt nach Belieben Computerviren einschleusen oder Gespräche belauschen und mitschneiden können. Dieses Sicherheitsproblem wurde inzwischen gelöst.

Ein anderes Risiko entsteht bei der Stromversorgung. Während früher die Buchse das Telefon mit Energie versorgte, ist künftig bei einem Stromausfall der Anschluss tot. Das gilt auch, wenn die Internetverbindung streikt.

Für den Notfall muss also immer ein aufgeladenes Handy griffbereit sein. Insbesondere für ältere Menschen, die kein Handy besitzen, könnte das problematisch sein. Tatsächlich funktionieren digitale Anschlüsse offenbar bisweilen wochenlang nicht oder nur unzuverlässig.

Einstöpseln und telefonieren war gestern

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Befragung, die der Bundesverband der Verbraucherzentralen im Sommer 2015 durchgeführt hat. Auch der Kundenservice wurde kritisiert. "Viele wurden schlecht informiert und stellten im Nachhinein fest, dass sie ein neues Gerät für die Internettelefonie benötigten", sagt Juristin Miriam Rusch-Rodosthenoun von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Viele hätten das Gefühl, überrumpelt worden zu sein.

Die Bundesnetzagentur mahnte mehr Kundenfreundlichkeit an. Seither gibt es nur noch rund 200 Beschwerden pro Monat. "Wir hatten die Telekom aufgefordert, die Umstellungen verständlicher zu formulieren und auf Änderungen in klarer Form hinzuweisen", sagt Pressesprecher Fiete Wulff. Tatsächlich haben aber Kunden keine Alternative.

Alle anderen Anbieter haben bereits auf VoIP umgestellt. Die Kommunikation wandert ins Internet. Das bedeutet auch, dass sich Telefonnutzer stärker mit technischen Fragen beschäftigen müssen. Die Zeiten, in denen man ein Telefon einfach nur einstöpseln und dann telefonieren konnte, sind vorbei.

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