Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Rohstoff-Krise Die zwei Gesichter des historischen Ölpreis-Crash

Minus 20 Prozent in nur zehn Handelstagen. Der Ölpreis stürzt rasant ab. Eine Entwicklung, die die Finanzmärkte in Panik versetzt – und die deutschen Spitzenmanager in Euphorie. Wer hat Recht?

Manchmal könnte man das Gefühl bekommen, dass die Finanzmärkte nicht die Realwirtschaft abbilden, sondern beide völlig losgelöst voneinander in zwei ganz unterschiedlichen Welten leben. Das lässt sich derzeit beim niedrigen Ölpreis beobachten.

Dieser hat seit Jahresanfang, also innerhalb von nur zehn Handelstagen, mehr als 20 Prozent an Wert verloren, auf Sicht von zwei Jahren ging es sogar 70 Prozent in die Tiefe, so stark wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Am Freitag kostete ein Fass der Sorte Brent nur noch 29 Dollar, so wenig wie seit Februar 2004 nicht mehr. Die Akteure an den Börsen sind wegen des Preissturzes in Panik geraten und haben ihre Aktien verkauft. Der Dax ist um elf Prozent abgestürzt, Chinas Börsen haben sogar 20 Prozent eingebüßt.

Ganz anders dagegen die Stimmung der Spitzenmanager in den deutschen Firmen. In einer Umfrage unter den gut 160 Mitgliedern des Leaders Parliament von Roland Berger Strategy Consult und der "Welt" loben insgesamt zwei Drittel der Führungskräfte die niedrigen Ölpreise als Segen für die deutsche Konjunktur. 38 Prozent freuen sich darüber, dass die niedrigeren Preise die Kaufkraft für die Verbraucher erhöht. Ein gutes Viertel stellt die niedrigeren Energiekosten für die Unternehmen positiv heraus.

(Foto: Infografik Die Welt)


Weniger als ein Drittel der Topmanager sieht auch Schattenseiten des Ölpreisverfalls. 16 Prozent fürchten, dass die niedrigen Notierungen in der Gegenwart die Gefahr neuer Preisschocks in der Zukunft birgt. Viele Energiekonzerne würden ihre Investitionen drastisch kürzen, und das räche sich in der langen Frist, weil etwaigen Nachfragespitzen dann nicht mehr durch eine Förderausweitung begegnet werden kann. Für 15 Prozent der Manager ist der niedrige Ölpreis Ausfluss konjunktureller Sorgen rund um China und damit ebenfalls negativ für die deutsche Volkswirtschaft.

Die Welt wird unsicherer

Die vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung der Ölturbulenzen zwischen Unternehmenslenkern und Börsen-Akteuren ist durchaus bemerkenswert. Sie lässt zwei Interpretationen zu. Entweder stehen Börsianer noch immer unter dem Schock der Finanzkrise von 2008 – und jede Erinnerung an damals löst bei ihnen – meist unberechtigterweise – Panik aus.

Sollten die Märkte aus einem Trauma heraus Panik schieben, dürfte sich mittelfristig die bessere Stimmung der Manager durchsetzen, und die momentanen Verwerfungen wären eine gute Kaufgelegenheit.

Möglich ist aber auch, dass die Manager in den Unternehmen die Interdependenzen von den Finanzmärkten unterschätzen und vor allem die geopolitischen Folgen des billigen Öls nur ungenügend gewichten. So könnte der niedrige Ölpreis die Spannungen im Nahen Osten und damit die politische Unsicherheit in der Welt erhöhen. Auch Firmen- und Staatspleiten als Folge des billigen Öls haben das Zeug, die Welt in Unordnung zu bringen. Zuletzt ist die Pleitewahrscheinlichkeit für sämtliche Ölförderländer kräftig in die Höhe geschossen.

Venezuela erklärt Ausnahmezustand

Für Russland beispielsweise taxieren die Akteure das Risiko eines Bankrotts in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 23 Prozent. Und selbst Saudi-Arabien und Bahrein gelten in den Augen der Finanzmärkte nicht mehr als wirklich solide. Venezuela hat wegen des Einbruchs beim Öl den wirtschaftlichen Ausnahmezustand erklärt.

Spektakuläre Ausfälle sind nicht mehr auszuschließen. Es kann also gut sein, dass die Stimmung der Realwirtschaft nach einem kurzen Hurra der Manager den fallenden Börsenkursen folgt.

Die schlechte Stimmung der Börsianer birgt eine weitere Gefahr. Sollten sich die Märkte nicht bald beruhigen, dürfte die Untergangs-Stimmung früher oder später auch auf die Realwirtschaft übergreifen. Die Hedgefonds-Legende George Soros hat stets davor gewarnt, dass sich die Finanzmärkte über (fehlgeleitete) Erwartungen der Akteure oft ihre eigene Realität in der Realwirtschaft schaffen. Reflexivität nannte er diesen negativen Rückkopplungseffekt. So oder so: Mittelfristig sollten Finanzmärkte und Realwirtschaft wieder im Gleichtakt schlagen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
 
 
 
Mehr Artikel aus dem Ressort Wirtschaft
Die LBS Südwest weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.
Klausel im Vertrag
Neuer Streit um Bausparverträge: Mehrere Klagen eingereicht
Apple hat die Entwicklung eines eigenen Autos nie offiziell bestätigt, nach diversen Medienberichten und Hinweisen gilt das jedoch als offenes Geheimnis.
Vom Potenzial der Technik begeistert
Apple bekundet Interesse an selbstfahrenden Autos
Für Pkw soll die Maut 2018 oder 2019 an den Start gehen.
Systemwechsel
Die Pkw-Maut ist nur Teil eines größeren Plans
Russlands Präsident Wladimir Putin: Die Zusage zur Drosselung der russischen Ölförderung soll mit dem Kreml-Chef abgestimmt gewesen sein.
Opec-Deal
Die Öl-Spur führt bis an die Spitze Russlands
Blick in die Innenstadt von Wien.
Vor der Wahl
An diesen fünf Leiden krankt Österreich
Der Unternehmenssitz des Spezialmaschinenbauers Aixtron in Herzogenrath bei Aachen.
Spezialmaschinenbauer
Obama legt Veto gegen Aixtron-Übernahme durch Chinesen ein
Die IT-Sicherheit wird laut Kanzlerin Merkel auch für Handwerksbetriebe immer wichtiger. Foto: Felix Kästle/Symbolbild
Nach Cyber-Attacke auf Telekom
Merkel: IT-Sicherheit wird auch für Handwerk immer wichtiger
Abrissarbeiten an Teilen des ehemaligen Opel-Werkes in Bochum. Foto: Bernd Thissen/Archiv
Bochumer Werk geschlossen
1000 Ex-Opelaner von Arbeitslosigkeit bedroht
Nach dem kleineren Konkurrenten Burger King entdeckt jetzt auch McDonald's den Heimservice.
Derzeit laufen noch Tests
Auch McDonald's will Essen nach Hause liefern lassen
Ein Wachstum der Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 würde bedeuten, dass die Lebensmittelproduktion bis dahin um 70 Prozent gesteigert werden müsste. Foto: Farooq Khan
Welternährung
Studie: Zukunft der Lebensmittelversorgung ungewiss
Am meisten Geld geben die Bundesbürger dabei für Schoko-Nikoläuse aus - über 159 Millionen Euro. Foto: Daniel Naupold/Archiv
Marktforschung
Verbraucher geben mehr für Schoko-Nikoläuse aus
Wegen der Zinsflaute am Kapitalmarkt fällt es den Unternehmen zunehmend schwer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Foto: Jens Büttner/Archiv
Lebensversicherung
Verbraucherschützer sorgen sich um Altpolicen
Ein Techniker richtet eine neue Anlage in einer Fabrik ein.
Zukunftsperspektiven
Bei Investitionen ist Deutschland tief gespalten
Am meisten Geld geben die Bundesbürger dabei für Schoko-Nikoläuse aus
Mehr Geld für Süßigkeiten
Verbraucher geben mehr für Schoko-Nikoläuse und Adventskalender aus
Der Deutsche Aktienindex (DAX) zeigt die Wertentwicklung der größten deutschen Unternehmen. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration
Börse in Frankfurt
DAX: Schlusskurse im Späthandel am 2.12.2016 um 20:30 Uhr
Der Deutsche Aktienindex (DAX) zeigt die Wertentwicklung der größten deutschen Unternehmen. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration
Börse in Frankfurt
DAX: Schlusskurse im XETRA-Handel am 2.12.2016 um 17:56 Uhr
Matthias Wissmann verteidigte die deutschen Dieselautos gegen Kritik. Zugleich erwartet er ab 2017 eine steil steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.
Beschäftigung auf Höchststand
Auslandsgeschäft treibt deutsche Autobauer an
Lidl hat auf dem britischen Markt größeren Rivalen wie Tesco oder Sainsbury's  Marktanteile abgenommen.
Trotz Brexit
Lidl baut neues Vertriebslager in England
Eine Maschine von Ryanair landet in Frankfurt am Main: Die Stammkunden des Flughafens hatten die ursprüngliche Planung als eindeutige Bevorzugung des Billigfliegers kritisiert. Foto: Boris Roessler
Extra-Rabatt wird nicht kommen
Hessen mildert Anreize für neue Airlines in Frankfurt
Jobbörse im New Yorker Stadtteil Brookyln. Präsident Barack Obama hat die Arbeitslosenquote in seiner Amtszeit halbiert. Foto: Justin Lane
Leitzinserhöhung rückt näher
US-Arbeitslosenquote auf niedrigstem Stand seit 2007