Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Sanktionen gegen Iran aufgehoben Was Persiens Comeback für den Ölmarkt bedeutet

Die Sanktionen gegen den Iran sind aufgehoben, das ölreiche Land darf wieder Rohstoffe exportieren. Das dürfte vor allem einem Land nicht gefallen. Für Verbraucher hat das Ganze positive Seiten.

Nach der Umsetzung des Atomabkommens und der Aufhebung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran dürfte massenweise iranisches Öl auf den globalen Markt gespült werden. Die ohnehin auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als zehn Jahren dümpelnden Ölpreise könnten damit weiter sinken. Großer Verlierer der Entwicklung dürfte ausgerechnet der Erzrivale des Iran sein: Saudi-Arabien. Das Königreich ist traditionell stark vom Export von Erdöl abhängig.

Der Samstag wurde von den beteiligten Staaten als "Implementation Day", als Tag der Umsetzung, tituliert. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA bescheinigte Teheran, die Auflagen des im Juli geschlossenen Abkommens erfüllt zu haben. Daraufhin hoben die USA und die EU wie vereinbart die Sanktionen auf, die sie wegen der geheimen Atomaktivitäten gegen den Iran verhängt hatten. Gerade auf die Ölbranche dürfte dies nun eine große Auswirkung haben.

"Der Umsetzungstag des Atomabkommens bedeutet einen neuen Öl-Tag für den Iran", sagt Daniel Yergin, der Vizevorsitzende der Forschungsfirma IHS, der für sein Sachbuch "Der Preis - Die Jagd nach Öl, Geld und Macht" einst mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

Saudi-Arabiens Börse stürzte um mehr als fünf Prozent ab

Die Rückkehr des Iran an die globalen Energiemärkte machte sich bereits bemerkbar, bevor der erste Handel am Montag überhaupt aufgenommen wurde: Saudi-Arabiens Börse stürzte am Sonntag um mehr als fünf Prozent ab. Das Königreich ist der weltweit größte Ölproduzent innerhalb des Opec-Verbundes, zu dem auch der Iran gehört.

Der Markt hat die mögliche Flut an iranischem Öl über Monate vorhergesehen. Das zeigt etwa das neue Tief der Preise in der vergangenen Woche. US-Rohölpreise sind seit eineinhalb Jahren auf Talfahrt und allein in den vergangenen drei Monaten um fast 40 Prozent gefallen. Am Freitag rutschte der Preis um sechs Prozent auf 29,42 Dollar pro Barrel ab.

Im Sommer 2014 gab es noch ein Hoch mit mehr als 100 Dollar für ein Barrel. Vor der Rezession in den USA waren es sogar einst 150 Dollar. Es gibt Prognosen, dass der Barrelpreis bald nur noch bei knapp 20 Dollar liegen könnte.

Preisverfall des Öls macht China nervös

Aus Verbrauchersicht hat das Ganze positive Seiten: Benzin, Diesel und Heizöl sind billiger geworden, auch Flugtickets sind dadurch günstiger zu haben. Das hat die Konsumenten zu größeren Ausgaben angespornt. Gleichzeitig dämpfte es die Erholung der US-Wirtschaft im vergangenen Jahr, weil die großen Energiekonzerne Investitionen und Arbeitsplätze kürzten.

Der Preisverfall des Öls macht in Zeiten lahmeren Wachstums in China zusätzlich nervös. Mit Blick auf das iranische Öl gibt es jetzt zwei große Fragen: Wie viel? Und wie schnell? 38 Millionen Barrel Öl aus den iranischen Reserven könnten laut der Internationalen Energieagentur IEA jederzeit auf den Markt geworfen werden. Teheran hat signalisiert, dass es wohl ein bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag verkaufen will.

Die IEA geht nur von 400.000 bis 500.000 Barrel pro Tag aus, andere Experten sogar nur von 300.000 im Laufe der nächsten sechs Monate. Doch unabhängig von der Menge - der Zeitpunkt ist ungünstig. "Es kommt zu einer Zeit, in der der Markt weiter übersättigt ist", sagt Larry Goldstein, Direktor der Energieforschungsstiftung EPRINC.

Im Kern könnte dies noch weiteren Druck auf die US-Ölförderfirmen bedeuten, neue Projekte und Jobs zu streichen. Es ist schwer zu sagen, in welchem Zustand sich die Ölfelder im Iran befinden. Die IEA schätzt die tägliche Produktionskapazität auf etwa 3,6 Millionen Barrel ein. Das sind 800.000 Barrel mehr als auf der momentanen Produktionsstufe.

Kampf um internationale Marktanteile

Iran setzt vor allem auf den Export nach Europa, wie der Direktor für internationale Beziehungen des staatlichen iranischen Ölunternehmens, Mohsen Kamsari, der Nachrichtenagentur Irna sagte.

Ölexperte Yergin erwartet innerhalb und außerhalb der Opec eine neue Phase im Kampf um internationale Marktanteile. Gleichzeitig sortieren sich die Anbieter neu. Besonders hinter dem ölreichen Opec-Mitglied Venezuela steht ein großes Fragezeichen. Das südamerikanische Land sei dabei auseinanderzufallen, sagt etwa der Energieökonom Philip Verleger.

Neue Wirtschaftsdaten der venezolanischen Zentralbank zeigten vor wenigen Tagen, dass der sozialistische Staat neben anderen ökonomischen Problemen mit dreistelligen Inflationsraten kämpft. Öl bringt 95 Prozent der Exporteinnahmen des Landes und das Geld ist fest eingeplant, um die Staatskosten zu decken. Scheinbar kleinere Vorfälle können da die ganze Wirtschaft aus der Balance bringen.

So setzte im Herbst ein Stromausfall die wichtigste Ölraffinerie Venezuelas außer Gefecht. Hier biete sich künftig eine Chance für den Iran, sagt Verleger: Die verlorene Produktion könnte der neue Spieler auf demMarkt mit einer täglichen Steigerung um 300.000 Barrel wettmachen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Artikel kommentieren

Bitte loggen Sie sich ein, um Kommentare zu schreiben.

Login

Artikel als "Nickname" kommentieren:

Noch 800 Zeichen

Leserkommentare ()
Weitere Kommentare anzeigen ()