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McDonald's, Burger King und Co. In der Franchise-Branche geht die Angst um

McDonald's und Burger King haben ein Nachwuchsproblem. Sie finden nicht mehr genügend neue Franchisenehmer. Das liegt vor allem an einer Entwicklung. In der Branche geht die Angst um.

Die Franchisewirtschaft in Deutschland hat ein massives Nachwuchsproblem. Rund 1200 neue Partner konnten Firmen wie McDonald's und Burger King, Vapiano und Back Factory oder Body Shop, Blume 2000 und Vom Fass im vergangenen Jahr anwerben. Benötigt aber werden mindestens 5000 neue Unternehmer, meldet der Deutsche Franchise-Verband (DFV).

"Die Branche bleibt damit bei der Expansion nicht nur deutlich unter ihren Möglichkeiten", sagt DFV-Geschäftsführer Torben L. Brodersen. "Etliche Franchise-Systeme könnten nun sogar in ernsthafte Schwierigkeiten geraten."

Das zeigt auch eine aktuelle Verbands-Umfrage: Danach haben im vergangenen Jahr lediglich 37 Prozent der rund 950 Franchise-Systeme in Deutschland ihre Wachstumsziele erreicht. Die Mehrheit hingegen konnte gerade noch so viele neue Partner finden, wie im Gegenzug aus dem System ausgeschieden sind, etwa durch eine Pleite oder durch den Abschied in den Ruhestand.

Dramatisch zurückgehende Bewerberzahlen

Zwar ist der Branchenumsatz laut dem Institut für Markenfranchise aus Bonn 2015 dennoch um gut vier Prozent auf 99,2 Milliarden Euro gestiegen. Üblich aber waren in der Vergangenheit stets Zuwachsraten von deutlich mehr als zehn Prozent. "Die Branche steht am Scheideweg", sagt daher Instituts-Geschäftsführer Felix Peckert. "Wenn die Ansprache der Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt nicht anders wird, haben wir in zwei Jahren ein Nullwachstum, und einige Anbieter könnten in die Pleite rutschen."

Hauptproblem der Branche ist der seit Jahren gut laufende Arbeitsmarkt. Dadurch nämlich sinkt die Bereitschaft der Erwerbstätigen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, meldet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem Gründerreport 2015. Die Zahl der Gespräche bei den Existenzgründungsberatern der einzelnen Kammern lag demnach bei zuletzt noch rund 227.000. Vor fünf Jahren waren es noch 361.000 Interessierte und vor zehn Jahren sogar über 400.000.

Mehr zum Thema: Warum sich McDonald's jetzt neu erfinden muss

"Die Arbeitnehmer können das Gehalt eines Franchise-Partners derzeit auch ohne die Risiken einer Selbstständigkeit am Markt erzielen", weiß Peter Gabler, der Geschäftsführer des Backwaren- und Snackanbieters Back Factory. Die Zahl der Bewerbungen sei daher in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, teils um 60 bis 70 Prozent.

Entsprechend gering ist mittlerweile die Zahl der neu aufgenommenen Partner im 2002 gegründeten Unternehmen: Waren es 2013 noch acht, ging die Zahl 2014 schon auf vier zurück und 2015 sogar auf nur noch zwei. "Die meisten neuen Standorte erschließen wir daher in Eigenregie", sagt Gabler.

Die Anforderungen der einzelnen Anbieter sind zum Teil aber auch sehr hoch. Wer zum Beispiel ein McDonald's-Restaurant eröffnen will, muss Führungserfahrung mitbringen, räumlich flexibel sein über mindestens drei Flächenbundesländer hinweg, vor allem aber muss ein neuer Franchisenehmer des amerikanischen Fast-Food-Riesen über 500.000 Euro frei verfügbares Eigenkapital verfügen – mit Nachweis der Herkunft.

Eine halbe Million Euro für die Selbstständigkeit

Denn beim Franchising expandiert eine Firma üblicherweise nicht mit eigenen Niederlassungen, sondern über selbstständige Unternehmer, die mit eigenem Geld Filialen aufbauen. Das Konzept für diese Läden ist dabei schon vorgedacht. "Franchise ist eine Selbstständigkeit mit einem Ergebnis, das ich kenne", beschreibt Branchenexperte Peckert.

Das aber lässt sich die Systemzentrale bezahlen: zum einen durch die Startinvestitionen und zum anderen durch Lizenzgebühren. Die Rede ist von jährlich zehn bis 20 Prozent des Umsatzes, etwa für die Nutzung des Namens und des zentralen Marketings oder auch von Einkaufsvorteilen.

McDonald's liegt mit seiner 500.000-Euro-Forderung dabei am oberen Rand der Skala. 2015 haben aktuellen Zahlen zufolge lediglich gut sieben Prozent der Systembetreiber Beitrittsgebühren von über 200.000 Euro verlangt. Eine Mehrheit von 54 Prozent der Anbieter ruft eine Eintrittsgrenze von weniger als 50.000 Euro auf, darunter zum Beispiel der Nachhilfedienst Schülerhilfe mit 10.000 bis 15.000 Euro Kapitalbedarf, der Lieferdienst Joey's Pizza mit rund 30.000 Euro und die Seniorenbetreuung Home Instead mit eben 50.000 Euro.

Trotzdem suchen alle den gleichen Typ Partner: Führungskräfte, die zum Beispiel bei großen Konzernen arbeiten und dort unzufrieden und damit wechselwillig sind. Diese Zielgruppe aber ist klein. "Der Kampf um die besten Köpfe ist in vollem Gange", sagt daher DFV-Geschäftsführer Brodersen.

Ein Großteil der Systeme hat dabei keine Chance. Experte Peckert jedenfalls sieht nur bei 250 der insgesamt 950 Systeme in Deutschland die Voraussetzungen erfüllt, die von potenziellen Neugründern an einen Wechsel des Arbeitsplatzes geknüpft werden, also ein höheres Einkommen, mehr Anerkennung und größere Karriereperspektiven.

Das Burger-King-Risiko

Zu diesen Perspektiven gehört zum Beispiel die Möglichkeit, mehr als eine Filiale zu eröffnen. Und das ist aktuell nicht nur der große Trend in der Branche, sondern auch der Grund, warum die Franchisebetriebe trotz ihrer Nachwuchssorgen trotzdem noch beim Umsatz und der Filialzahl zulegen. "Die Systeme wachsen derzeit vor allem aus sich heraus", beschreibt Verbandsvertreter Brodersen. Dieses Wachstum habe allerdings Grenzen.

Das meint auch Berater Peckert. "Zu groß sollten die einzelnen Franchisenehmer nicht werden", sagt der Experte mit Verweis auf den Fall Burger King, wo der größte Franchisenehmer mehr als 80 Filialen kontrolliert und nach Hygienemängeln und Verstößen gegen das Arbeitsrecht das gesamte Unternehmen in Deutschland in eine Krise gestürzt hat.

Zudem werde es dann noch schwerer, Nachfolger zu finden, wenn die entsprechenden Partner das System verlassen wollen. Doch Anzeichen einer Besserung sind derzeit nicht in Sicht. "Das Wachstum wird weiter stagnieren", prognostiziert Peckert. Mehr als 1750 neue Partner sieht er nicht für 2016. "Die Branche kommt weiter unter Druck."

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