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Jetzt mischen auch die Amerikaner mit Die Ölwelt ist völlig aus den Fugen

Seit mehr als 40 Jahren durfte aus den USA kein Öl exportiert werden. Jetzt ist das Verbot Vergangenheit und der dramatische Ölpreisverfall dürfte zusätzlich an Fahrt gewinnen.

Am Donnerstagvormittag war es so weit. Der Öltanker "Seaqueen" lief im Hafen von Rotterdam ein, drei Wochen hatte die Überfahrt des 241 Meter langen Schiffes gedauert. Es war am 1. Januar aus dem Hafen von Houston in Texas ausgelaufen. Kurz zuvor hatten die Vereinigten Staaten das jahrzehntelange Ausfuhrverbot von Rohöl aufgehoben.

Experten sehen die Ankunft der "Seaqueen" mit Unbehagen. "Das ist ein wichtiges Symbol, wenn nun auch noch die Amerikaner ihr reichliches Öl dem Weltmarkt zur Verfügung stellen", sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst (EID). Das ohnehin vorhandene Überangebot werde sich erhöhen, die Gefahr eines anhaltenden Preisverfalls steige. Seit Mittwoch liegt bereits der Tanker "Theo T" im Hafen von Marseille, auch er kam über den Atlantik.

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Exporte aus den Vereinigten Staaten waren seit mehr als 40 Jahren untersagt. Die Amerikaner wollten damals vermeiden, dass sie in Krisenzeiten zu sehr vom Öl anderer Länder abhängig sind. Der aus den eigenen Böden hervorgeholte Rohstoff sollte im Land bleiben. Das war die Lehre aus den Ereignissen des Jahres 1973. Damals wollten arabische Länder den Westen durch Zudrehen des Ölhahns davon abbringen, Israel im Jom-Kippur-Krieg zu unterstützen.

In den 70er-Jahren konnte sich allerdings niemand vorstellen, dass die Vereinigten Staaten irgendwann einmal mehr Erdöl fördern würden, als die größte Volkswirtschaft der Welt selbst verbraucht. Doch seit 2008 haben die Amerikaner ihre Ölförderung von fünf auf neun Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) am Tag fast verdoppelt. Der Schieferöl-Revolution der vergangenen Jahre sei Dank, neue Bergbaumethoden wie das Fracking hatten sie ermöglicht.

USA heben Exportverbot auf

Ende Dezember war es dann so weit, das Exportverbot wurde aufgehoben – nicht ganz freiwillig. Die in den vergangenen Jahren mit viel Geld hochgezogene Fracking-Industrie braucht dringend neue Absatzmärkte. Die Ausfuhr des mittlerweile im Überfluss vorhandenen Rohstoffs nach Europa ist ein Weg, um weitere Massenentlassungen und Pleiten in der Branche zu verhindern – oder zumindest hinauszuzögern.

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Der rasante Verfall der Weltmarktpreise wird dadurch nicht gestoppt. Seit Jahresanfang ist der Preis für ein Fass Rohöl um 25 Prozent gesunken, mittlerweile notiert das schwarze Gold so tief wie zuletzt im Jahr 2003. "Es spricht vieles für weiter billiges Öl", sagt Energieexperte Wiek.

Keiner der großen Spieler am Markt bewegt sich, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Im Gegenteil: Nach dem Ende der Sanktionen will der Iran mit Macht zurück ins Geschäft. Das Land befand sich einst unter den großen Förderländern auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien, aktuell beträgt die tägliche Förderung lediglich ein Viertel.

Die Rohstoffexperten der Schweizer Großbank UBS gehen davon aus, dass der Iran bis Ende des Jahres seine Produktion von 2,9 Millionen Barrel pro Tag auf 3,6 Millionen Barrel hochfährt. Schon heute werden weltweit ein bis zwei Millionen Barrel am Tag mehr gefördert als verbraucht.

Niemand kann sagen, wann es mit dem Ölpreis wieder aufwärtsgeht. (Foto: Infografik Die Welt)

Ölpreise sind im freien Fall

Die Aussicht auf ein weiter anschwellendes Überangebot hält die Anleger an den internationalen Rohstoffmärkten seit Tagen in Atem. Zwar stabilisierten sich die Preise für Nordseeöl der Sorte Brent und des US-Leichtöls WTI zwischen 27 und 28 Dollar. Doch Analysten halten dies für eine vorübergehende Erscheinung.

"Es gibt wenig, was einen Absturz der Preise bis auf 20 Dollar verhindern könnte", sagt Hans van Cleef, Analyst bei ABN Amro in Amsterdam. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs prophezeit ein Absacken auf 20 Dollar.

Die Ölwelt ist aus den Fugen. Noch im Dezember gingen die Volkswirte der Europäischen Zentralbank (EZB) von einem Ölpreisanstieg auf gut 52,20 Dollar in diesem und 57 Dollar im Jahr 2017 aus. Das halten mittlerweile aber nur noch die größten Optimisten für möglich. Derzeit sehen Experten wenige Anhaltspunkte für eine Trendwende.

Um die Umsatzverluste auszugleichen, wird immer mehr des Rohstoffs gefördert. Anders als früher ist keine Kürzung durch die Produzenten in Sicht. Zu groß ist bei diesen die Angst, am Ende Marktanteile an die Konkurrenten zu verlieren. "Und vor allem weiß niemand, ob der Preis danach wirklich wieder hochgeht", sagt EID-Mann Wiek.

Zumal es nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Interessen gibt. So wird dem größten Förderland Saudi-Arabien nachgesagt, mithilfe der unwirtschaftlichen Preise den Erzfeind Iran klein halten zu wollen. Ob dieses Kalkül am Ende aufgeht, ist allerdings zweifelhaft.

Förderländer müssen Staatsausgaben kürzen

Selbst Saudi-Arabien musste wegen fehlender Einnahmen bereits die Staatsausgaben kürzen. Auch andere große Erdölländer, beispielsweise Russland, Venezuela und Nigeria, bekommen den Preisverfall zu spüren. Schmerzliche Sparprogramme und ein geringeres Wirtschaftswachstum sind die Folge.

Zu dem Überangebot auf den Weltmärkten kommt die Spekulation auf eine sinkende Nachfrage – vor allem aus China. Auch hier läuft der Wirtschaftsmotor nicht mehr rund, sodass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft nach den Vereinigten Staaten künftig womöglich nicht so viel Öl braucht wie noch vor Kurzem angenommen.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) verwies in ihrem in dieser Woche vorgestellten Bericht auch noch auf die Klimakapriolen: Wegen der milden Winter in der nördlichen Hemisphäre könnten die Märkte im Überangebot ertrinken, hatte die IEA erklärt.

Einig sind sich Experten zwar darin, dass die Nachfrage irgendwann wieder anziehen und der Preis steigen wird. Doch nicht zuletzt mit jedem weiteren Tanker, der aus den Vereinigten Staaten über den Atlantik kommt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass dies schon bald so weit ist.

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