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Zuwanderung Die Gewinner heißen Dresden und Bösleben-Wüllersleben

Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist vorerst gestoppt. Neben dem Boom von Städten wie Dresden und Potsdam veröden aber ganze Regionen. Doch einzelne Dörfern machen von sich Reden.

Die Studie "Im Osten auf Wanderschaft" zeigt, wie Umzüge die demografische Entwicklung innerhalb der ostdeutschen Bundesländer zwischen Rügen und dem Erzgebirge beeinflussen. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat dafür sämtliche Zuzüge und Abwanderungen in 2695 ostdeutschen Gemeinden analysiert; die verwendeten Daten umfassen den Zeitraum von 2008 bis 2013. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

1. Fünf Städte boomen

Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt und Potsdam sind die großen Zuwanderungsgewinner im Osten. Gezielte Städtebauförderung hat sie so attraktiv gemacht, dass heute mehr Menschen zuziehen als abwandern. Die neuen Bewohner kommen aus Ost- und Westdeutschland, aber auch aus dem Ausland. Wo Unternehmen, Forschungseinrichtungen und kluge Köpfe zusammenkommen, entstehen neue Arbeitsplätze, kommen junge Leute zum Studieren – was diese Städte nur noch anziehender macht. Aus Sicht von Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist das ein Beleg dafür, dass die Förderpolitik von Bund und Ländern erfolgreich war.

2. Die Provinz verödet

Beim Wettbewerb um neue Einwohner gibt es natürlich auch Verlierer: Rund 85 Prozent der ostdeutschen Kommunen schrumpfen. Die Menschen zieht es aus den Dörfern in die größeren Städte. Es gibt auf dem Land keine Arbeit mehr – was vor allem auch am Strukturwandel in der Landwirtschaft liegt. Nach der Wiedervereinigung haben die ostdeutschen Bundesländer unterm Strich 1,8 Millionen Einwohner verloren.

Seit 2010 ist diese Abwanderung dank der boomenden Großstädte zwar gestoppt. Die Studie zeigt aber: Es gibt Regionen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die so wenig zu bieten haben, dass niemand dorthin ziehen will – zum Beispiel, wenn die Fahrdistanz zur nächsten größeren Stadt mehr als 45 Minuten beträgt. Dann gibt es kaum eine Chance, den "Schrumpfkurs" aufzuhalten oder gar umzukehren.

3. Das sind die beliebtesten Dörfer

Es gibt natürlich auch Menschen, die gern fernab der großen Zentren auf dem Lande leben wollen. Sie suchen sich aber Dörfer aus, die etwas zu bieten haben. Als Beispiel nennt die Studie die Thüringer Gemeinde Bösleben-Wüllersleben, die etwa ein halbe Stunde von Erfurt entfernt ist.

Das Dorf hat etwas mehr als 600 Einwohner und ist mit einem Abenteuerspielplatz, einem Volleyballplatz, einem Bürgerhaus, einem Jugendklub mit Kegelbahn und einem Kindergarten für Familien besonders attraktiv. Das gilt auch für die Gemeinde Hinrichshagen vor den Toren Greifswalds in Mecklenburg-Vorpommern.

Schon wenige Zuzügler können dazu beitragen, das Dorfleben aufrechtzuerhalten oder sogar neu zu beleben. "Auf dem Lande müssen sich die Menschen mehr um ihre eigenen Belange kümmern", sagt Demografieexperte Klingholz. Die Vereinsdichte sei ein Indikator für Stabilität und ein Zeichen dafür, dass sich die Einwohner wohlfühlen.

4. Die Alten wollen noch was erleben

Neu ist, dass auch die ältere Generation 64 plus noch sehr mobil ist. Diese Ruhestandswanderer ziehen vom Land in die nächste größere Gemeinde, wo sie sich bereits gut auskennen. Dort sind die Wege zum nächsten Supermarkt oder zum Hausarzt kürzer, was den Alltag bequemer macht. Gleichzeitig haben gerade auch mittelgroße Städte ein kulturelles Angebot.

Wenn erst einmal die Babyboomer in dieses Alter kommen, wird die Zahl der Ruhestandswanderer nach zunehmen. Der Bildungsstand in dieser Generation ist größer als früher, und die Menschen wollen auch im Alter noch etwas erleben. "Eine alternde Gesellschaft wird damit zwangsläufig zu einer urbaneren Gesellschaft", heißt es in der Studie.

5. Metropolen locken die Jungen an

Es ist vor allem die Generation der 18- bis 24-Jährigen, die dem Landleben den Rücken kehrt. Die Studie spricht von "Bildungswanderern". Sie suchen sich in den größeren Städten eine Lehrstelle oder einen Studienplatz. Um als Berufseinsteiger einen Arbeitsplatz zu finden, müssen sie jedoch oft in den Westen gehen.

Diese "Berufswanderer" sind laut Studie "die einzige Altersgruppe, die unterm Strich auch 2013 die neuen Bundesländer noch verlassen hat". Das aber ändere sich gerade. Haben die jungen Erwachsenen erst einmal einen Job gefunden und eine Familie gegründet, ziehen sie mit ihren Kindern oft in die Speckgürtel der Städte – was am ausgeprägtesten rund um Berlin zu beobachten ist.

6. Mit 50 noch einmal neu anfangen

Sind die Kinder aus dem Haus, entscheiden sich inzwischen immer mehr Ehepaare, den Wohnort zu wechseln, in eine kleinere Wohnung umzuziehen. Die Studie spricht von "Empty-Nest-Wanderern". Vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ist dieser Trend zu beobachten.

7. Flüchtlinge als Chance für den Osten

Von der Willkommenskultur vor Ort hängt es ab, ob Flüchtlinge sich in den ländlichen Regionen des Ostens wohlfühlen und sie sich entscheiden zu bleiben. Derzeit zieht es Flüchtlinge bundesweit vor allem in die Großstädte: Syrer nach Berlin, Iraker nach München, Afghanen nach Hamburg und Pakistaner in das Rhein-Main-Gebiet.

In der Studie heißt es: Die Gemeinschaft in den Dörfern, vom Bürgermeister über die Vereine und die freiwillige Feuerwehr bis zu den Anwohnern, müsste alles daransetzen, um Kontakte zu den Flüchtlingen aufzubauen und damit die Integration zu fördern. Dann könnte der Osten von einer kurzfristigen Durchgangsstation zu einer neuen Heimat werden.

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