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China in der Krise Wie ein Spekulant ein ganzes Land in Angst versetzt

Die Börse ist im freien Fall, das Wachstum schwach wie lange nicht. Die chinesische Regierung ist nervös – auch, weil der mächtigste Spekulant der Welt wohl sein nächstes Opfer gefunden hat.

Die Verteidigung hat schon begonnen. Die Abwehr des Mannes, der dem Land den "Krieg" erklärt habe. Der Kampf gegen das "Finanzraubtier", wie sie ihn nennen. Dabei hat George Soros noch gar nicht angegriffen. Allenfalls die ersten Vorbereitungen dafür hat er getroffen. Der berüchtigte Währungsspekulant machte nicht mehr als ein paar vage Andeutungen – doch sie genügen, um China in Schrecken zu versetzen.

Die Lage muss ernst sein. Sehr ernst. Nur so lässt sich Pekings Reaktion erklären. In den staatlichen Medien antwortete die Führung mit harten Worten auf einen Auftritt des Investors in Davos, während des Weltwirtschaftsforums. Soros hatte vor großem Publikum gesagt, China werde in diesem Jahr eine "harte Landung" erleben. Für die Kommunisten ein Frontalangriff. Sie fürchten, dass der Mann jetzt wieder tut, wofür er so gefürchtet ist: Wetten auf den Fall von Volkswirtschaften, ohne Rücksicht auf Staaten, Unternehmen und andere Investoren: Soros, das "Raubtier".

(Foto: Infografik Die Welt)

Der 85-Jährige gilt als mächtigster Devisenhändler der Welt, seit er im September 1992 die ehrwürdige Bank of England in die Knie zwang – und das Pfund aus dem Europäischen Währungssystem schubste. 18 Prozent an Wert verlor die britische Währung damals zur D-Mark. Fast ein Fünftel, wegen eines einzigen Mannes. England war schockiert. Später stürzte sich Soros auf Schwellenländer. Vor allem in Asien wettete er auf den Niedergang von Devisen. Sein Satz von Chinas "harter Landung" lässt vermuten, dass er dort jetzt ein neues Opfer gefunden hat: den Yuan.

China, zweitwichtigste Ökonomie der Welt, fast sieben Prozent Wachstum, Exporte im Wert von mehr als zwei Billionen US-Dollar, müsste egal sein, was ein alternder Investor sagt – könnte man meinen. Tatsächlich herrscht in Peking Sorge. Denn die wirtschaftliche Lage ist heikel, auch ohne Soros. China ist im vergangenen Jahr so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Wenn sich eine Ökonomie dieser Größe so stark abschwächt, reißen im wirtschaftlichen Gefüge Brüche auf, die Spekulanten für sich nutzen können. Chinas Aktienmarkt signalisiert bereits die Crash-Stimmung. Seit Jahresanfang haben die Börsen mehr als 20 Prozent eingebüßt, zwei Billionen Dollar wurden dabei vernichtet.

Währungsexperiment außer Kontrolle

Der Yuan, Chinas Währung, sank zuletzt so tief wie seit sechs Jahren nicht. Die Machthaber in Peking haben den Yuan an den Dollar gekoppelt. Die amerikanische Devise hat in den vergangenen Jahren jedoch gegenüber allen wichtigen Währungen wie dem japanischen Yen oder dem Euro deutlich aufgewertet. Damit hat sich auch der Yuan verteuert. Allein zum Euro hat das chinesische Volksgeld seit 2010 um 50 Prozent zugelegt.

Als exportorientierte Wirtschaft, die darauf angewiesen ist, dass ihre Waren und Dienstleistungen für die Welt nicht zu teuer werden, musste China reagieren. Die Partei wollte die Währung geordnet verbilligen. Ihre Zentralbank kaufte in großem Stil Dollar und stieß die eigene Währung ab – mit der Folge, dass der Yuan-Kurs fiel. Doch die Strategie der sanften Abwertung ging nicht auf. Sichtbar wird das am Yuan, der im Ausland gehandelt wird. Dieser stürzte zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent ab.

(Foto: Infografik Die Welt)

Das zeigt, dass die Führung genau das verliert, was ihr am wichtigsten ist: die Kontrolle. Das Experiment mit der Währung wurde zum Fiasko. Jetzt fürchtet Peking, dass die Abwertung weitergeht. Das würde die bereits zu beobachtende Kapitalflucht noch beschleunigen und ausländische Investoren abschrecken. "Alle Preise, die von Menschen durch Willkür festgelegt werden und nicht einer Marktrealität entsprechen, werden früher oder später ein zusätzlicher Hort von Fragilität", sagt Björn Marquardt, Anlagestratege für Firmenkunden in der Sparkassen-Gruppe. "Die Schweiz musste es erfahren und auch China wird es erfahren."

Wie gut Soros spekulieren kann, zeigte er während der Asienkrise in den 1990-er Jahren. Damals hatte er es auf die thailändische Währung abgesehen, den Bath. Als seine Wetten auch den malaysischen Ringgit um 20 Prozent abstürzen ließen, kam es zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Malaysias Premier Mahathir Mohamad und Soros. Mahathir beschuldigte den Investor, eine ganze Region ins Elend zu treiben, nannte ihn einen "Idioten" und "Kriminellen". Der Politiker wollte den Devisenhandel sogar verbieten.

Auch in der Asienkrise ging Soros als Sieger vom Platz. (Foto: Infografik Die Welt)

Soros ließ sich nicht beirren, entgegnete, Mahathir sei selbst für den Einbruch verantwortlich – und ein Verbot des Handels führe geradewegs ins Desaster. Der Ringgit verlor trotz aller Beteuerungen des malaysischen Premiers nochmals rund 30 Prozent. Soros hatte gewonnen.

Neue Asienkrise?

Gelingt ihm auch der Triumph über China? Womöglich. Aber ehe der Yuan ins Bodenlose fällt, könnte Währungsexperten zufolge etwas anderes geschehen. "China selbst ist als Währungsraum riesig und nur schwer angreifbar", sagt der Anlagestratege Marquardt. Deshalb richteten sich die Blicke der Spekulanten zunächst auf die Sonderverwaltungszone Hongkong. "Hongkong steht eine gewaltige Druckwelle bevor", sagt auch Kevin Lai, Chefökonom für Asien bei Daiwa Capital Markets.

Berühmt geworden mit Wetten auf den Fall von Volkswirtschaften: George Soros. (Foto: dpa)

Hongkong ist politisch und wirtschaftlich chinesisches Terrain – geldpolitisch betrachtet aber eine amerikanische Kolonie. Der Hongkong-Dollar ist an den US-Dollar gebunden. Die Zinsen in der Metropole blieben dadurch niedrig, mit der Folge, dass günstig gebaut werden konnte – und eine gigantische Immobilienblase entstand. "Nun aber, da die Zinsen in den USA steigen, während sie in China sinken, gerät der Hongkong-Dollar in eine Bredoullie, die Angriffe auf diese Währung für Deviseninvestoren sehr attraktiv machen", sagt Marquardt. Angriffe, wie George Soros sie fährt: Er eröffnet Shortpositionen, wettet also darauf, dass die Währung in der Zukunft weiter an Wert verliert.

Hongkong-Dollar und US-Dollar – das ist eine Zwangsehe, in der es heute nicht mehr harmoniert. Hongkong ist inzwischen viel stärker mit Asien verstrickt als mit den USA. Allein Gerüchte über eine Entkopplung könnten zu einer großen Kapitalflucht führen. "Wir reden hier von vermögenden Bevölkerungsschichten und internationalen Großkonzernen, die sich bei solchen Ambitionen in Richtung US-Dollar bewegen würden", sagt Marquardt. "Genau aus diesem Grund, dürfte der Hongkong-Dollar ein lohnendes Angriffsziel sein."

Asien-Kenner Lai geht noch einen Schritt weiter. Er sieht bereits Parallelen zur Asienkrise. "Die Situation ist ähnlich angespannt wie in den Jahren 1997 und 1998", sagt er. Für Spekulanten bietet diese Lage Chancen auf traumhafte Renditen. Sie können an weiteren Abwertungen viel Geld verdienen. Soros hatte in Davos gesagt, er habe bereits Wetten darauf platziert, dass in asiatischen Ländern Währungen abstürzen. Wo genau, sagt er nicht. Aber die Chinesen ahnen Böses.

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