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Zum Tod von Artur Fischer Ohne ihn gäbe es den Dübel nicht

Heute steckt seine Erfindung fast in jeder Wand. Jetzt ist der Erfinder des Dübels Artur Fischer mit 96 Jahren gestorben. Ohne ihn würde ein Handwerker kaum auskommen. Ein Leben voller Einfälle.

Ihm ist zu verdanken, dass Regale an der Wand halten und Spiegel nicht herunterfallen. An einem Samstagnachmittag vor knapp 60 Jahren ging Artur Fischer wieder einmal in seine Werkstatt und feilte an einem Polyamidstück herum, einem Kunststoffmaterial.

Es war die Geburtsstunde des legendären grauen Fischer-S-Dübels. Es ist das wohl bekannteste Produkt des fleißigsten und vielfältigsten deutschen Erfinders.
Noch bis vor einem Jahr stand Fischer täglich in seiner Werkstatt. Dann ließ es seine Gesundheit nicht mehr zu.

Jetzt teilten die von Fischer gründeten Fischerwerke aus Tumlingen im Nordschwarzwald mit, dass der Seniorchef im Alter von 96 Jahren im Kreise seiner Familie am Mittwoch gestorben ist und an diesem Freitag beerdigt wurde.

Der Fischer-Konzern hat noch mehr im Sortiment - neben seinem Paradeprodukt. (Foto: picture alliance/ dpa)

Artur Fischer hat mehr erfunden als nur den Dübel

Die Fischer-Dübel sind zwar immer noch das Paradeprodukt der Firma – an jedem Tag werden davon 14 Millionen produziert. Aber der Konzern hat dank seines Gründers noch viel mehr im Sortiment.

Fischer gilt als "Erfinderkönig". Über 1100 Patente hat er angemeldet. Ein paar weniger als der Amerikaner Thomas Edison. "Der hat die Erfindung der Glühlampe geklaut", sagte Fischer einmal. "Und mit einem, der klaut, mag ich nicht verglichen werden."

Er war stolz, alles selbst erfunden zu haben. Und er ließ sich nicht als Tüftler bezeichnen. "Ein Tüftler erfindet quasi aus Versehen oder für den Eigenbedarf. Erst der Erfinder denkt von Anfang an auch an die Vermarktung und den Vertrieb", sagte er. "Das Erfinden geht durch die Seele", erklärte Fischer seine Geistesblitze.

In seinem Büro hingen eingerahmt acht Leitsätze: "Wer bin ich?" lautet einer, "Was kann ich?" ein anderer. Sowie: "Wem habe ich zu danken?" Für den Unternehmer mit protestantischem Gottvertrauen war es eine Einheit.

Aus einfachen Verhältnissen

Es gehörte zu seiner Lebensphilosophie, über die eigentliche Erfindung hinauszudenken. Damit verdiente er sein Geld. Er baute sein Leben aus einfachen Verhältnissen auf.

Am 31. Dezember 1919 in Tumlingen geboren, einem kleinen landwirtschaftlich geprägten Ort im Schwarzwald, wuchs er in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Schneider. Seine Mutter verdiente mit dem Bügeln von Halsbinden des Pfarrers ein paar Pfennig hinzu.

Fischer-Dübel stecken vermutlich in fast jeder Wand in Deutschland. (Foto: picture alliance/ dpa)

Artur ging auf die Volksschule, dann Realschule. Nach dem Krieg begann er als technischer Assistent bei einem Ingenieur in Freudenstadt. Weil die Fotografin sich weigerte, 1948 seine Tochter mit einem Pulverblitz in einer kleinen Mansardenwohnung zu fotografieren, erfand Fischer 1949 den ersten synchron arbeitenden Blitz am Fotoapparat.

Agfa kaufte die Produktion und Vermarktungsrechte. Sein Patent DE 819620 – Magnesium-Blitzlichtgerät für Fotoapparate – bescherten ihm den Durchbruch und Geld. Aus der Ein-Mann-Werkstatt entstand die Artur Fischer Apparatebau.

Fischer hatte erlebt, wie sich mit dem Erfinden Geld verdienen lässt. 1958 kam ihm die geniale Idee des S-Dübels aus Kunststoffmaterial. Durch seine Seitenzähne kann der Dübel im harten und etwas weicherem Material verwendet werden. Die Kanten verhindern das Durchdrehen.

Der Dübel ist die Gelddruckmaschine Fischers

Trotz der Erfindung des Dübels – einer Art Gelddruckmaschine für seine Firma – ruhte sich Fischer nicht aus. 1964 folgte die Erfindung des Fischertechnik-Baukastens. Es ist eine Art Technik-Lego für künftige Ingenieure. Zudem entwickelte er Dübel für die Medizintechnik, um Knochenbrüche zu heilen. Auch mit der Firma ging es aufwärts. Es entstand ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Fischer erfand lieber, als dass er im Rampenlicht stand. Die Aufnahme in die Erfinderehrengalerie des Deutschen Patentamtes schmeichelt ihm mehr als der Ehrendoktortitel. Das Land Baden-Württemberg spannte ihn für eine Werbekampagne unter der Dachzeile "Wir können alles", Schnitt: "außer Hochdeutsch" ein. Fischer gilt als Paradebeispiel für einen schwäbischen Erfinder – fleißig, bodenständig und genial.

Heute hat das 1948 gegründete Familienunternehmen weltweit über 4100 Beschäftigte und erzielt gut 660 Millionen Euro Umsatz. Die Firma ist breit aufgestellt. Neben der Dübel- und Befestigungssparte gibt es die Sparten Automobiltechnik, Beratung sowie Fischertechnik.

Neue Managementmethoden waren nichts für den Gründer einer mittlerweile international tätigen Firma. Vor allem mit der Digitaltechnik fremdelte der Geschäftsmann. (Foto: picture alliance/ dpa)

Internet hatte der Chef nicht

Seit 1980 steht sein Sohn Klaus Fischer an der Unternehmensspitze. Der Seniorchef konnte jedoch nur schwer loslassen. Neue Managementmethoden waren dem Gründer der inzwischen international tätigen Firma eher fremd. Auch die Digitaltechnik war nicht mehr seine Welt.

"Ich hab kein Internet", sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem "Spiegel". Zudem überschattete ein Erbschaftsstreit mit seiner Tochter die letzten Jahre. Die stark hörbehinderte Margot Fischer behauptet, sie sei zu einem Erbverzicht gedrängt und um ihr millionenschweres Erbe gebracht worden.

Artur Fischer erklärte, dass er über diesen Streit traurig sei. Aber Familien- und Nachfolgeprobleme gebe es häufig. Er wolle seine Kraft lieber dafür einsetzen, neue Dinge zu erfinden.



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