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Sicherheitstechnik So raffiniert tricksen Händler die Ladendiebe aus

Ladendiebe und unehrliche Mitarbeiter kosten den Einzelhandel jedes Jahr Milliarden. Dagegen kämpfen die Geschäfte: Ihre Abwehrtechniken werden immer ausgeklügelter – und immer teurer.

Dumm gelaufen. Weil der Kopfhörer für 249 Euro zwar verlockend, aber unerschwinglich für den jungen Mann war, hatte er geschickt das korrekte Preisschild entfernt und ein anderes aufgeklebt, das eigentlich zu einem deutlich günstigeren Exemplar für 99,99 Euro gehörte. Doch die Kasse schlug rechtzeitig Alarm, dem Übeltäter drohen jetzt Sanktionen von Bearbeitungsgebühr und Hausverbot bis zu einem Verfahren wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs.

Der alte Trick soll in Zukunft zuverlässig auffliegen, verspricht der Kassenhersteller NCR. Nur schwer ohne erkennbare Spuren zu entfernende Preisschildchen waren die erste Stufe, nun folgt die nächste.

Auf der Düsseldorfer Ladenausstattungsmesse Eurocis stellt die Firma eine Kassensoftware vor, die nicht nur den Balkencode der Ware erfasst, sondern zugleich auch ihr Erscheinungsbild scannt. Passt beides nicht zusammen, gibt die Kasse Warnsignale.

Schäden in Milliardenhöhe

Ladendiebstahl, Mitarbeiter-Klau, Beschädigung – mit Investitionen von jährlich 1,3 Milliarden Euro in Sicherheitstechnik und Personal zum Schutz gegen Diebe versucht der Einzelhandel, den Warenschwund in den Griff zu bekommen.

Die 46 Sicherheitstechnik-Spezialisten, die dieses Jahr auf der Eurocis (23. bis 25. Februar) vertreten sind, haben sich einiges einfallen lassen und zeigen Produkte, die vom durchsichtigen Sicherungshäubchen "Crystal Guard" für teure Weine und Schnäpse bis zum vollautomatischen Personenzähler reichen.

Das Thema bleibt in der Branche virulent, schon aus Eigeninteresse. Das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI beziffert den Schaden durch Ladendiebe und unehrliche Mitarbeiter auf branchenweit rund 3,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Händler können aus einer immer raffinierteren Technik auswählen, um das Dauerproblem einzugrenzen. Freilich rüstet auch die Gegenseite auf. In den letzten Jahren seien zunehmend Profis und Banden als Ladendiebe unterwegs, die über entsprechend ausgefeilte Techniken verfügten, sagt EHI-Sicherheitsexperte Frank Horst.

Kosmetik, Spirituosen und Rasierklingen beliebt

Um sich zu schützen, können Kaufhausbetreiber und Ladenbesitzer beispielsweise Systeme anschaffen, die schon an der Eingangstür Personen entdecken, die mit aluminiumkaschierten Taschen oder Mini-Störsendern hereinkommen – typische Tricks, mit denen Diebe versuchen, die Sicherheitselektronik zu überlisten.

Der Wert pro Schaden liege im Schnitt meist zwischen 1000 und 2000 Euro, erklärt Horst. Bevorzugte Beute der Berufsdiebe seien teure Massenartikel, leicht transportierbar, gut verkäuflich im Internet und kaum als Diebesgut zu identifizieren, wie Kosmetik, Spirituosen oder Marken-Rasierklingen.

Nicht zuletzt wegen des effizient organisierten Online-Verkaufs blühe das Geschäft. Hehler zahlen nach Angaben von Kriminalisten für solche Artikel bis zu 80 Prozent des Ladenpreises, während früher 30 Prozent als Faustregel galten.

Der Handel versucht derweil, das Risiko der Täter zu erhöhen, erwischt zu werden. Vor allem die Kameraüberwachung habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen, sagt Horst: "Die digitale Speicherung der Bilddaten und Fortschritte in der Bildqualität schaffen ganz neue Auswertungsmöglichkeiten."

Sicherheit und Datenschutz vereinbar

So sei es möglich, bestimmte verdächtige Bewegungsmuster von Kunden zu erkennen oder selbst im Nachhinein zu überprüfen, was in bestimmen Ladenbereichen passiert ist.

Das sieht etwa so aus: Fehlen bei Geschäftsschluss gleich fünf teure Lederjacken auf dem Verkaufsständer, ohne das dafür Bons vorliegen, kann der Hausdetektiv das Tagesgeschehen noch einmal Revue passieren lassen. Die Bildqualität reicht inzwischen, um auch in 30 Metern Entfernung noch Details erkennbar zu machen, die einem Dieb zum Verhängnis werden können.

Eine Anzeige gegen Unbekannt, unterlegt mit Bilddaten in hoher Qualität, müssen gerade Wiederholungstäter fürchten, so die Hoffnung. "Kameras haben überdies eine hohe Abschreckungswirkung", sagt Horst. Auch Datenschutzbestimmungen und Sicherheitsbedürfnisse lassen sich nach seiner Darstellung mit geeigneter Technik vereinbaren.

So könnten Bilder zunächst grundsätzlich verpixelt abgespeichert und erst bei konkretem Anlass rekonstruiert werden. Solche Lösungen sind etwa in Gastronomie-Zonen und Kunden-Cafés einsetzbar, die sich immer häufiger in großen Lebensmittelgeschäften oder Buchhandlungen finden. Sie gelten rechtlich als öffentliche Bereiche, für die in Deutschland strenge Restriktionen der Kameraüberwachung vorgesehen sind.

Auch Online-Händler betroffen

Dem Online-Handel bleibt das Problem Ladendiebstahl zwar erspart, doch vor Betrugsversuchen ist auch er nicht gefeit. Die Anonymität erleichtert sie sogar, wenn es ums Bezahlen und um Rücksendungen geht.

"Besonders bei hochwertiger Ware müssen die Händler zunehmend darauf achten, was in Retouren-Paketen steckt", sagt E-Commerce-Experte Lars Hofacker vom EHI. "Vielleicht ist es gefälschte Markenware, die gegen echte ausgetauscht wurde", beschreibt er eine Masche.

Nach Angaben der Berliner Wirtschaftshochschule BBW ist der Schaden der Händler im Internet durch Betrug in den vergangenen fünf Jahren um 63 Prozent auf jährlich 2,4 Milliarden Euro hochgeschnellt. Kritischster Punkt ist die Zahlungsabwicklung. Zwar können die Händler riskante Zahlungsweisen wie den Kauf auf Rechnung für Erstkunden ausschließen, doch das ist eine Gratwanderung.

Denn je höher die Sicherheitsschranken sind, umso mehr wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden eben nicht auf den Button "In den Warenkorb" klicken und zur Konkurrenz abwandern. Es drohen Marktanteilsverluste.

Kunden zahlen für Sicherheit

Auch gegen den Distanz-Klau gibt es technische und organisatorische Helfer – Dienstleister in Sachen Risikomanagement, Experten für die Vorbeugung gegen Betrug, Service-Provider zur Überprüfung der Bonität von Kunden in Nanosekundenschnelle oder Factoringfirmen, die den Händlern die Kundenforderungen abkaufen und selbst für deren Eintreibung sorgen.

Der Händel hat dann zwar sein Geld sicher – aber etwas weniger, denn eine Gebühr ist natürlich fällig. "Im Online-Handel läuft die Zahlungsabwicklung zunehmend über externe Zahlungsdienstleister", sagt Hofacker. Der Kunde bekomme davon im Zweifel gar nichts mit.

Außer einem höheren Preis, bliebe zu ergänzen. Denn die Milliardeninvestitionen in die Sicherheitstechnik kalkuliert der Handel selbstredend in seine Endpreise mit ein – in diesem Punkt unterscheiden sich Online- und Ladengeschäfte nicht. Insofern zahlen alle ehrlichen Kunden für die Kosten der Kriminalität mit.

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