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Höchste Inflationsrate weltweit Venezuela muss Milliarden von Geldscheinen einfliegen

Die Währung Venezuelas ist außer Kontrolle geraten. Bei einer rapide ansteigenden Inflation brauchen die Bürger immer mehr Geldscheine, um in den Geschäften überhaupt noch etwas kaufen zu können.

Barzahlungen sollen nur noch bis 5000 Euro erlaubt sein. Große Scheine werden womöglich abgeschafft. Und schon in ein paar Jahren könnten Geldscheine und Münzen ganz aus dem Alltag verschwunden sein. In Deutschland scheint das Bargeld gerade einen schleichenden Tod zu sterben – sehr zum Schrecken all jener, die es als Teil ihrer persönlichen Freiheit ansehen, im Restaurant oder beim Gebrauchtwagenhändler einfach ein paar Scheine zücken zu können, völlig unabhängig von Konten und Kreditkarten.

Während man sich im Westen über das möglicherweise nahende Ende des Bargeldes streitet, können andere Länder gar nicht genug davon bekommen. Venezuela zum Beispiel. Millionen neuer Geldscheine aus Druckereien im Ausland sollen in den vergangenen Monaten in die Hauptstadt Caracas geflogen worden sein. Das "Wall Street Journal" spricht von drei Dutzend Jumbojetladungen. Mindestens fünf Milliarden Geldscheine sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 importiert worden sein.

Die Flut an Banknoten hat allerdings weniger mit einer besonderen Cash-Liebe der Venezolaner zu tun. Der eigentliche Grund ist vielmehr der extreme Wertverlust der Landeswährung, des Bolívar, dem der damalige Präsident Hugo Chávez im Jahr 2008 den Zusatz "fuerte" verpasst hatte. Doch "stark" ist der Bolívar heute weniger denn je.

Inflationsrate von 720 Prozent

Mit galoppierender Inflation hat das südamerikanische Land in seiner Geschichte immer wieder leidvolle Erfahrungen gemacht, und alle bisherigen Versuche, diese unselige Tradition zu beenden, müssen als gescheitert betrachtet werden.

Im vergangenen Jahr stiegen die Preise nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 275 Prozent, die höchste Inflationsrate weltweit. Und es könnte noch viel schlimmer kommen: Für dieses Jahr prognostiziert der IWF sogar eine Rate von 720 Prozent.

Anstehen für Lebensmittel in Caracas. (Foto: AP)

Und so brauchen die Venezolaner immer mehr Geldscheine, um in den Geschäften überhaupt noch etwas kaufen zu können. Anders als man es von Hyperinflationen in anderen Ländern kennt, hat die Regierung aber nicht begonnen, Geldscheine mit immer höherem Nennwert auszugeben. So gab es in Deutschland im Jahr 1924 etwa eine Banknote, die auf 100 Billionen Mark lautete.

In Venezuela bleibt der 100-Bolivár-Schein dagegen der größte. Laut offiziellem Wechselkurs der Regierung ist er 15 US-Dollar wert, doch auf dem Schwarzmarkt des Landes wird der realistische Tauschwert eher bei 10 Cent taxiert.

Ölkrise treibt Land Richtung Abgrund

Entsprechend groß ist der Bedarf an Geldscheinen: Der Umlauf von 100-Bolivár-Noten hat sich in den vergangenen zwei Jahren vervierfacht. Die eigene Druckerei der venezolanischen Notenbank kann diese Menge an neuen Scheinen offenbar nicht schnell genug drucken, daher die Aufträge ans Ausland, die allerdings durchaus üblich sind.

Die außer Kontrolle geratene Währung trifft zusammen mit einer schweren Wirtschaftskrise in Venezuela. Der wesentliche Wohlstandsfaktor des Landes ist das Erdöl. Seit dessen Preis eingebrochen ist, steht Venezuela finanziell am Abgrund. Die Wahrscheinlichkeit für eine Staatspleite innerhalb eines Jahres wird an den Finanzmärkten bei 20 Prozent gehandelt.

Selbst die Versorgung der Bevölkerung gilt inzwischen nicht mehr als gesichert. Der Nahrungsmittelkonzern Empresas Polar drängte die Regierung in Caracas diese Woche, sich dringend um internationale Unterstützung zu bemühen. Doch Staatspräsident Nicolás Maduro handelt bisher eher in der Tradition des verstorbenen Chávez, der Organisationen wie dem IWF oder der Weltbank einst den Rücken kehrte und ihre Kredite als "Mechanismen des Imperialismus" beschimpfte. Maduro bezeichnete den Nahrungsmittelkonzern als Saboteur und eigentlich Schuldigen für das knapper werdende Essen.

Statt Nahrungsmitteln werden aber wohl erst einmal weitere Geldscheine eingeflogen. Nach Informationen des "Wall Street Journals" führt die Zentralbank Geheimverhandlungen über die Einfuhr weiterer zehn Milliarden Banknoten. Damit würde sich die Summe des Bargelds im Land noch einmal verdoppeln.

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