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Buch von Ex-Google-Mitarbeiter Koks, Sex und gefälschte Zahlen

Filip Syta arbeitete zwei Jahre bei Google im Anzeigenverkaufsteam. Dann kündigte er - und schrieb ein Enthüllungsbuch über eine Tech-Firma. Der von Syta beschriebene Alltag ist schockierend.

Bei dem US-Suchmaschinenkonzern Show ist die Kokain-Distribution im Büro sehr professionell gelöst. Zwei Mitarbeiter der Marketingabteilung – inoffiziell "Drug Lords" genannt – arbeiten nebenberuflich als Drogendealer.

Sie beschäftigen fünf Laufburschen, die durch die Unternehmenszentrale rennen und den Stoff direkt an den Schreibtisch liefern. So verliert keiner wertvolle Arbeitszeit, in der er sich in dunklen Sackgassen mit schmierigen Dealern treffen muss. Es ist alles sehr effizient, sauber und "convenient", wie der Amerikaner sagen würde.

Die Beschreibung stammt aus dem Roman "The Show", den der Schwede Filip Syta im Januar veröffentlicht hat. Syta arbeitete zuvor zwei Jahre bei Google im Anzeigenverkaufsteam. Seine Erfahrungen hat er in seinem ersten Buch veröffentlicht.

Die Parallelen von Show und Google sind offensichtlich: Beide Konzerne verdienen ihr Geld mit Suchanfragen, beide sitzen im Silicon Valley, beide sind Multimilliarden-Dollar-Konzerne, die die besten und jüngsten Mitarbeiter auf dem Markt beschäftigen.

Zahlen und Statistiken zu fälschen gehöre zum Handwerk

Ebenso wie Syta es einst tat, arbeitet auch sein Romanprotagonist Victor im Anzeigenverkauf des Unternehmens. Victor erlebt seinen Arbeitsalltag als eine endlose Abfolge von Drogenmissbräuchen und wilden Partys, bei denen jeder mit jedem schläft.

In seiner Abteilung wird statt harter Arbeit eher der leichte Weg gewählt: Zahlen und Statistiken zu fälschen gehört zum Handwerk, und es scheint niemanden zu stören.

Klingt alles ziemlich unglaubwürdig für einen börsennotierten Großkonzern im prüden Amerika? Syta behauptet, 90 Prozent des Romans entspräche der Realität bei Google. In einem Interview mit dem Online-Magazin "Business Insider" sagte der Google-Aussteiger, einzelne Passagen habe er etwas übertrieben.

Alles in allem ginge es aber bei Google tatsächlich wie im Sündenpfuhl zu. Allerdings muss man dazu sagen: Syta kennt das Google-Hauptquartier nur von Dienstreisen. Er arbeitete in der Europazentrale in Dublin.

Inhouse-Drogendealer versorgten die Google-Mitarbeiter

Dort zumindest soll es tatsächlich mehrere "Inhouse-Drogendealer" gegeben haben. "Sie haben das Büro als ihren Hauptabsatzmarkt genutzt. Es war einfach für sie. Sie hatten natürlich keinen offiziellen Verkaufsstand. Aber sie haben eine Menge Zeit auf dem Gelände verbracht."

Im Gegensatz zum Buch seien die echten Google-Mitarbeiter nicht so wählerisch, was die Auswahl der Drogen anging. Sie konsumierten nicht ausschließlich Kokain, sondern auch Marihuana und andere Substanzen, sagt Syta.

Kokain sei aber sehr populär gewesen. Natürlich, so schränkt er ein, würden nicht alle Google-Mitarbeiter Drogen nehmen. "Aber genug Leute, dass es üblich ist. Es war allgemein bekannt, und kein Schock, dass Leute Kokain auf Partys nahmen."

Syta rechtfertigt den enormen Drogenkonsum bei Google damit, dass den Leuten einfach langweilig sei: "Die machen da alles für dich, was deine Mutter nicht mehr für dich tut. Es gibt eine Reinigung, ein Schwimmbad, Zahnarzt, Arzt, zu Essen, Massagen – man muss sich über nichts Gedanken machen. Du gehst einfach nur zur Arbeit, alles andere wird dir aus der Hand genommen."

Google-Mitarbeiter koksen aus Langeweile

Dazu käme, dass sich viele Google-Mitarbeiter unterfordert fühlten. Google könne die schlausten Talente auf dem Markt einstellen, weil die Marke einfach so stark sei. Da es so viele schlaue Mitarbeiter gäbe, würden sie oft in Jobs arbeiten, die sie intellektuell nicht genug forderten. Diese Leute suchten dann das Abenteuer als Ausgleich.

Was die Sex-Geschichte im Buch angeht, gibt der Autor zu, ein wenig übertrieben zu haben. In "The Show" schreibt er zum Beispiel in einer Szene über die ehrgeizige Managerin Nicky, die auf einer Dienstreise so bekifft und besoffen ist, dass sie nicht mehr mitbekommt, wie es zwei Kollegen neben ihr auf dem Sofa treiben.

Das, sagt Syta, habe er sich ausgedacht. Es stimme aber schon, dass es bei Google wie auf der Universität zugehe – mit der Ausnahme, dass man auch noch ein Gehalt für den Spaß bekommt.

Die meisten Mitarbeiter seien 25 bis 35 Jahre alt. Sie veranstalteten eine Menge Partys, gingen gemeinsam aus, die Übergänge von Arbeit und Freizeit seien fließend. "Es gibt viel Sex in der Firma, zwischen Mitarbeitern." Die Partner wechselten häufig.

Frisierte Zahlen sind angeblich nicht unüblich

Der schwerste Vorwurf des Ex-Google-Mitarbeiters lautet jedoch, dass in der Werbevertriebsabteilung Zahlen frisiert worden seien. Im Interview mit "Business Insider" behauptet Syta, das sei tatsächlich nicht unüblich.

Es habe Manager in seinem Büro gegeben, die nach bestimmten Erfolgszahlen für eine Kundenpräsentation gefragt hätten. Wenn es die entsprechenden Zahlen nicht gab oder sie nicht gut genug waren, habe man gefordert: "Dann denk dir einfach etwas aus."

Einige Manager würden ihre Mitarbeiter auch auffordern, Zahlen zu fälschen, um mit ihrem Team intern besser dazustehen . "So wird es zu einer langen Kette von Lügen, intern und extern", sagt Syta.

Die Gefahr sei nicht besonders groß, beim Betrügen aufzufliegen. Die Vorgesetzten würden so gut wie nie die Zahlen überprüfen, so lange sie hübsch aussehen.

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