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Aufschwung mit Kehrseite Wie Deutschland vom Ölpreisverfall profitiert

Es geht um Milliarden von Euro: Der Bundesregierung zufolge wird der niedrige Ölpreis in diesem Jahr die deutsche Wirtschaft beleben. Doch der Aufschwung hat eine brisante Kehrseite.

Nach Ansicht der Bundesregierung wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr spürbar vom gesunkenen Ölpreis profitieren. "Insbesondere für Öl importierende Länder wie Deutschland und die EU hat der gesunkene Ölpreis Vorteile", sagte ein hochrangiger Beamter aus dem Bundesfinanzministerium der "Welt am Sonntag".

Ein durchschnittlicher Ölpreis von 31 Dollar im Jahr 2016 in Deutschland setze im Vergleich zum Vorjahr, als das Barrel noch 53 Dollar kostete, ein zusätzliches Einkommen von rund 15 Milliarden Euro frei, heißt es im Haus von Wolfgang Schäuble (CDU). "Dies entspricht rund 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts."

Seit zwei Jahren ist der Ölpreis stark gesunken. (Foto: Infografik Die Welt)

Weil zudem die Stromrechnung auch in den anderen EU-Staaten sinkt, kaufen diese mehr deutsche Exportgüter. Allerdings hat das auch eine Kehrseite: "Der Leistungsbilanzüberschuss steigt weiter", warnen Schäubles Ökonomen. Der hohe deutsche Exportüberschuss wird seit vielen Jahren im Ausland kritisiert.

Auch die Ökonomen im Bundeswirtschaftsministerium glauben, dass das billige Öl die deutsche Wirtschaft antreiben wird. "Der Rückgang der Ölpreise hat in der EU und der Weltwirtschaft zu einer leichten Belebung geführt, leistet einen Beitrag zur guten Stimmung in den Unternehmen und hat positive Auswirkungen auf das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft", heißt es aus dem Haus von Sigmar Gabriel (SPD).

Finanzministerium ist vorsichtiger

Zwar würde der niedrige Preis die Haushalte von Staaten wie Saudi-Arabien, Libyen oder Venezuela stark belasten. "Da die Exportverbindungen Deutschlands zu den Öl-Förderländern weit überwiegend überschaubar sind und es sich zumeist um kleine Volkswirtschaften handelt, sind die möglichen Risiken, die sich für Deutschland ergeben, jedoch als gering einzuschätzen."

Das Finanzministerium ist vorsichtiger. Eine geringere Nachfrage Rohstoff exportierender Länder nach deutschen Konsum- und Investitionsgütern könnte die positiven Effekte des Ölpreisrückgangs "abmildern oder sogar überkompensieren", warnen sie. Insgesamt dürfte Deutschland vom billigen Öl aber profitieren – auch finanziell: "Der staatliche Finanzierungssaldo verbessert sich durch die vergleichsweise dynamischere gesamtwirtschaftliche Entwicklung ebenfalls."

Mehr zum Thema: Eine Krise, die die Macht ganz neu verteilt

Die chronische deutsche Investitionsschwäche wird allerdings auch durch den niedrigen Ölpreis nicht abgedämpft. "Bei der Investitionsnachfrage der Unternehmen zeigt sich bisher keine zusätzliche Belebung allein durch den Ölpreisrückgang. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für den Rest Europas", sagt Ulf Slopek, stellvertretender Abteilungsleiter bei der Bundesbank.

Weltweit steigt zugleich das Risiko, dass Ölproduzenten ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Das Bundesfinanzministerium sieht allerdings "keine gravierende Kreditkrise" heraufziehen. Allerdings könnte der Preisrückgang beim Öl nicht nur Folge eines Überangebots sein, "sondern auch Ursache der schwächeren Weltkonjunktur sein", warnen Schäubles Beamte.

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