Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Bundesagentur für Arbeit "Arbeitsmarkt verkraftet 350.000 Flüchtlinge jährlich"

Der deutsche Arbeitsmarkt sei durchaus in der Lage, viele Flüchtlinge zu beschäftigen, so die Bundesagentur für Arbeit. Über die Qualifikation von Asylbewerbern wisse man jedoch bislang kaum etwas.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg hält den deutschen Arbeitsmarkt für stark genug, um eine große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen zu können. "350.000 Flüchtlinge jährlich sind für den deutschen Arbeitsmarkt rein quantitativ derzeit kein Problem, denn jährlich entstehen rund 700.000 Arbeitsplätze neu", sagte BA-Vorstandsmitglied Detlef Scheele vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Eine Konkurrenz zu arbeitslosen Deutschen sieht Scheele im Regelfall nicht: "Dafür ist die Gruppe der Migranten zu klein."

Im vergangenen Jahr kamen rund 1,1 Million Flüchtlinge vor allem aus Syrien und anderen Kriegs- und Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens nach Deutschland. Aus Scheeles Sicht werden 350.000 anerkannte Asylbewerber in diesem Jahr Ausbildung und Arbeit in Deutschland suchen.

Mit einer Entspannung bei der Zuwanderung rechnet der frühere SPD-Politiker, der von 2011 bis 2015 Senator für Arbeit, Soziales, Familie und Integration in Hamburg war, vorerst nicht. "Ob unser Land insgesamt das aushalten kann, ist eine andere Frage. Die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes ist zurzeit jedenfalls gegeben."

Wirtschaft fordert mehr Hilfe der Politik

Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder die Handelskammern drängen seit Monaten auf stärkere politische Hilfen bei der Eingliederung von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt. Unternehmen und Verbände organisieren bereits selbst umfangreiche Hilfen, um Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Dazu zählen neben Praktika und Sprachkursen auch die Unterbringung von Flüchtlingen und die finanzielle Unterstützung in Patenschaftsprogrammen.

Detlef Scheele zufolge ist Geld zunächst kein Problem für die Ausbildung von Flüchtlingen: "Wir sind finanziell ausreichend ausgestattet, und wir haben Programme wie die Initiative WeGebAU, mit der schon während der Finanzmarktkrise in den vergangenen Jahren zahlreiche geringer Qualifizierte und ältere Arbeitnehmer weitergebildet worden sind."

Mittel für Sprachkurse oder eine berufliche Qualifikation der Bundesagentur für Arbeit und ihrer regionalen Gliederungen stehen unabhängig von der Grundsicherung der Flüchtlinge zur Verfügung. Asylbewerber und Geduldete werden nach dem Asylbewerberleistungsgesetz finanziert, anerkannte Asylbewerber können Sozialleistungen im Rahmen der Hartz-IV-Regelungen beantragen.

"Der Weg an den Arbeitsmarkt ist lang"

Scheele dämpfte die Erwartungen aus der Wirtschaft, dass die Zuwanderung von Flüchtlingen das Problem des Fachkräftemangels kurzfristig werde lösen können. "Der Weg an den Arbeitsmarkt ist lang. Es wird nicht jeder Arbeit finden, aber viele. Wir gehen davon aus, dass zehn Prozent der Flüchtlinge nach einem Jahr eine Arbeit finden können, 50 Prozent nach fünf Jahren und 75 nach zwölf bis 13 Jahren."

Detlef Scheele ist Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. (Foto: Juergen Joost)

Vor allem Flüchtlinge über 40 hätten schlechtere Chancen, Arbeit zu finden. Anders sehe es für junge Menschen aus: "Wenn wir Kinder und Jugendliche schnell in die deutschen Regelschulsysteme bringen, werden sie später einen spürbaren Beitrag gegen den Fachkräftemangel leisten können."

Über die Qualifikation von Flüchtlingen weiß die Bundesagentur für Arbeit bislang kaum etwas. "Wir stehen noch ganz am Anfang der Kompetenzerfassung und arbeiten gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge intensiv am Aufbau eines Berufsentwicklungssystems", sagte Scheele. "Wir müssen in der Lage sein, die Qualifikationen von Flüchtlingen schnell mit unseren Anforderungen am deutschen Arbeitsmarkt abzugleichen."

Jeder Einzelne muss analysiert werden

Die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) arbeiten auch deshalb eng zusammen, weil der langjährige BA-Chef Frank-Jürgen Weise mittlerweile in Personalunion beide Behörden führt.

Über die Qualität der Ausbildung und den Wert von Zeugnissen gebe es bislang kein klares Bild, sagte Scheele, der 2008 und 2009 Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium war. "Im Vergleich der Herkunftsländer hat Eritrea das schlechteste Bildungssystem, Syrien wohl das beste. Eine duale Ausbildung, die unserer beruflichen Bildung vergleichbar wäre, gibt es nirgends sonst. Deshalb werden wir letztlich die Bildungsverlauf jedes einzelnen Flüchtlings individuell analysieren müssen."

Am schwierigsten wird es nach Scheeles Einschätzung sein, jüngere Flüchtlinge von einer beruflichen Ausbildung zu überzeugen. "Der Wunsch, schnell Geld zu verdienen, ist bei vielen übermächtig, auch um Familien zu Hause zu unterstützen", sagte er. Oft fehle das Verständnis dafür, welchen Wert eine berufliche Ausbildung überhaupt habe, weil es in vielen Herkunftsländern etwas Vergleichbares gar nicht gebe. "Auch der Kontakt zu Behörden kann schwierig sein", sagte Scheele. "Ein 'gutes Amt', das ihnen helfen will, haben viele Menschen in ihren Heimatländern noch nie erlebt."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.