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Fracking-Branche ächzt unter Tiefpreisen Wenn der Boom zum Albtraum wird

Durch Fracking sind die USA wieder zu einem der größten Erdölförderer weltweit geworden. Damit beschleunigte das Land den Niedergang der Ölpreise. Inzwischen liegt die Branche am Boden.

Richard Schmidt ist in diesen Tagen ständig auf der Straße. Nahezu täglich setzt sich der Chef des deutschen Branchenzulieferers Freudenberg Oil & Gas Technologies in Houston in sein Auto und fährt raus zu den Kunden. Und überall spürt er das Gleiche: Angst und Verunsicherung. "Die meisten müssen gar nicht viel sagen", berichtet Schmidt, dessen Firma vor allem Dichtungen an Öl- und Gasförderer verkauft. "Man spürt sofort, was los ist."

Um es kurz zu machen: Gar nichts ist los in Texas. Das ist ja das Problem. Seit mittlerweile 18 Monaten befindet sich der Ölpreis im freien Fall. Von ursprünglich 110 Dollar pro Barrel sackte er Anfang dieses Jahres auf den vorübergehenden Tiefstwert von 27 Dollar ab – rund 75 Prozent Wertverlust in anderthalb Jahren. Während sich die Autofahrer über das günstige Benzin freuen, steckt die Ölindustrie in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. In keiner Region der Erde ist der Einbruch so tief wie in Texas.

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Im zweitgrößten Flächenstaat der USA begann vor rund acht Jahren die Revolution der Branche, die sie erst beflügelt und dann in die Misere geführt hat. Damals, im Jahr 2008, begann in Texas der Fracking-Boom. Mit der neuen Technologie wurde es erstmals möglich, Öl zu fördern, das in 3000 Metern Tiefe im Schiefergestein versteckt ist. Zwar wurde auch außerhalb von Texas in früheren Jahren schon gefrackt, die Massenproduktion ging jedoch von genau dieser Region aus.

Die USA saßen dank des Frackings plötzlich auf einem der größten Ölvorkommen der Welt – und förderten so viel Öl wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Im Jahr 2014 stiegen die Vereinigten Staaten zum größten Ölproduzenten des Erdballs auf, vor Saudi-Arabien und Russland.

Zuletzt waren die Ölpreise bis unter die Grenze von 30 Dollar je Fass gesackt. (Foto: Infografik Die Welt)

Ein Drittel des US-Öls kommt aus Texas

Das viele zusätzliche Öl ist einer der Hauptgründe, warum der Preis auf dem Weltmarkt in den vergangenen anderthalb Jahren so stark gefallen ist. Die USA hatten ihre Produktionsmenge durch den Fracking-Boom verdoppelt. Ein Drittel der Gesamtmenge kommt aus Texas.

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In dem Bundesstaat befinden sich zwei der größten Fracking-Felder der USA: das Eagle Ford Shale in Südtexas und das Permian Basin in Westtexas. Beide Regionen haben aufgrund des Preissturzes erhebliche Einbußen erlitten. Von mehr als 750 Bohrtürmen während der Hoch-Zeiten sind nur noch knapp 300 in Betrieb.

Krise geht vorerst weiter

Bei dem deutschen Mittelständler Freudenberg Oil & Gas macht sich der Rückgang in den Auftragsbüchern bemerkbar. "Wir verkaufen derzeit deutlich weniger", sagt Unternehmenschef Schmidt, der schon die Branchenkrisen in den Jahren 1985 und 1999 mitgemacht hat. Wobei er den aktuellen Abschwung als noch mal deutlich heftiger bezeichnet. "Und die Krise wird noch andauern, mindestens bis Anfang 2017."

Den Großteil seiner rund 750 Mitarbeiter hat Schmidt daher in Kurzarbeit geschickt. Zumal die Produktion an den weltweit neun Fertigungsstandorten nur noch gedrosselt läuft. Sogar in der Zentrale in Houston wurde die Arbeitszeit um 20 Prozent reduziert.

260.000 Jobs fielen weg

Dabei haben die Leute immerhin noch ihren Job. Weltweit verloren 260.000 Mitarbeiter in der Öl- und Gasindustrie im vergangenen Jahr ihren Job. 50.000, und damit jeder fünfte, fielen in Texas weg. Noch gar nicht eingerechnet sind dabei Menschen, deren Stellen indirekt von der Ölbranche abhängen: Mitarbeiter in Restaurants, Hotels, Immobilienmakler, Fitnesstrainer – die Liste ist lang.

Die Chancen stehen schlecht, dass sich die Lage bald bessert. Fast alle großen Ölkonzerne haben angekündigt, in den kommenden Monaten erneut Tausende Stellen zu streichen. Auch der deutsche Anlagenbauer Freudenberg hat seine ursprünglichen Wachstumspläne auf Eis gelegt. Die 153 Millionen Euro Umsatz aus dem Jahr 2014 jedenfalls dürften 2015 und 2016 nicht erreicht werden.

"Trotzdem glauben wir an die Branche", versichert Schmidt selbstbewusst. "Deshalb werden wir gerade jetzt weiter investieren." Zum einen in die Produktion, zum anderen aber auch in Zukäufe. "Wir halten derzeit die Augen offen", sagt Schmidt in breitem texanischem Akzent.

Damit setzt Freudenberg auch den Kurs der vergangenen Jahre fort. Mitte 2015 etwa hatte das Familienunternehmen aus Weinheim die BlueSky Process Solutions Ltd. aus Stoney Creek in Kanada geschluckt. Neue Übernahmegelegenheiten könnten sich dabei insbesondere in Nordamerika ergeben. Dort nämlich ist die Lage nach Einschätzung von Schmidt derzeit besonders schlimm und der Konsolidierungsdruck damit besonders hoch. "Die USA leiden am meisten, weil es dort die größte Verdichtung von Bohranlagen weltweit gibt." Vor dem aktuellen Abschwung seien in den USA über 50 Prozent der aktiven Bohranlagen installiert gewesen.

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