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Rüstungsgeschäft Warum Airbus plötzlich seine Grenzschutz-Sparte behält

Airbus ist ein großer Anbieter von Systemen zur Grenzsicherung. Ein Verkauf der Sparte wurde nun gestoppt. Weil sie in Zeiten der Flüchtlingskrisen besonders lukrativ ist? Die Antwort ist komplexer.

Auf den ersten Blick sollte angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme das Geschäft mit elektronischer Grenzsicherung ein lukrativer Zukunftsmarkt sein. Einer der großen Anbieter ist die Rüstungssparte der Airbus-Group. Doch das Geschäft bereitete in der Vergangenheit häufig Probleme und bescherte Verluste. Nun kommt es zu einer Kehrtwende, welche Strategie Airbus mit der Sparte verfolgt.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern wird sich im Rahmen seines angekündigten Verkaufs der Rüstungselektronikaktivitäten doch nicht wie bisher angekündigt auch vom Grenzsicherungsgeschäft trennen. Das Gesamtpaket wird wieder aufgeschnürt. Dafür gibt es nach Angaben aus Branchenkreisen mehrere Erklärungen: Dem Käufer der Airbus-Rüstungselektronik, vermutlich der US-Finanzinvestor KKR oder Carlyle, könnte das Geschäft mit sicheren Grenzen zu risikoreich sein.

Es sind Projektaufträge mit Unwägbarkeiten und vielen Beteiligten. Außerdem kommen die Verhandlungen bei dem seit sechs Jahren laufenden Milliardenauftrag in Saudi-Arabien nicht wie geplant voran. Zudem zögert die deutsche Politik mit dem Export von Rüstungsbauteilen in den Wüstenstaat. Das ist ein Risiko für den Käufer der Sparte.

Dass Airbus vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise nunmehr womöglich selbst ein Riesengeschäft mit der Grenzsicherung wittert, wird nicht bestätigt. "Dieser Schritt hängt nicht mit einer möglichen neuen Konjunktur für Grenzsicherung zusammen sondern stellt ausschließlich eine Erleichterung des Verkaufsprozesses dar", erklärte ein Sprecher der Rüstungssparte auf Anfrage.

Verfehlte "kritische Meilensteine" im Saudi-Arabien-Projekt

In einem der "Welt" vorliegenden Mitarbeiterbrief verweisen der scheidende Spartenchef Bernhard Gerwert und sein Nachfolger Dirk Hoke zwar auf den Wunsch der zahlreichen Bieter für das Rüstungselektronikgeschäft nach einem Gesamtpaket – also Radare, Sensoren und Grenzsicherung in einem. Hinzu kommt der Ausstieg aus Digitalfunk. Insgesamt grob zwei Milliarden Euro Umsatz. Doch jetzt habe sich dieser Ansatz geändert, heißt es unter Verweis auf verfehlte "kritische Meilensteine" bis Jahresende 2015 im Saudi-Arabien-Projekt.

Das Vorhaben gilt als der weltweit größte Grenzsicherungsauftrag im Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Euro. Ihn ergatterte 2009 die damals noch als EADS firmierende Airbus Group. Bei der Sicherung der 9000 Kilometer langen Außengrenze des Wüstenstaates mit Radaren, Sensoren und Kommandoständen gab es jedoch immer wieder Verzögerungen.

Verklausuliert wurde von "Herausforderungen im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Umsetzung" gesprochen. Für Schlagzeilen sorgten auch Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Unterauftragnehmern sowie staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht, auch bei einem Grenzprojekt in Rumänien. Das Geschäft gilt daher als schwierig. Nachdem jetzt die Sparte bei Airbus bleibt, sollen zwar "weitere Marktchancen zur Akquisition neuer Verträge" genutzt werden. Voraussetzung sei aber eine "extrem sorgfältige Risikoabwägung".

Enders will den Aktionären endlich Geld in der Kasse präsentieren

Die Kehrtwende bei den Verkaufsplänen macht auch deutlich, dass Airbus-Group-Chef Thomas Enders nicht länger warten will, bis alle kritischen Fragen gelöst sind. Er nimmt den Risikobaustein aus den Verhandlungen. Er will endlich den Aktionären einen Käufer für die Rüstungselektronik des Konzerns – und damit Geld in der Kasse präsentieren.

Eigentlich sollte schon bis Ende 2015 der Investor feststehen. Zwar ist in der kommenden Woche die Bilanzpressekonferenz, doch vermutlich wird Enders auch dort noch kein endgültiges Ergebnis präsentieren. Von anfangs Hunderten Interessenten sind ohnehin nur noch die US-Finanzinvestoren KKR und Carlyle als Käufer im Rennen.

So bekamen der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern und der US-Finanzinvestor Cinven mit dem Bremer Raumfahrtkonzerns OHB als Mini-Partner bereits Absagebriefe. Sie hatten zu wenig geboten. Angeblich gibt es Offerten von bis zu 1,3 Milliarden Euro durch die Amerikaner.

Die US-Finanzinvestoren könnten darauf setzen, den Absatz für die deutsche High-Tech-Radartechnik im US-Militärmarkt anzukurbeln. Doch es dürften noch viele Monate verstreichen, bis das Geschäft endgültig in trockenen Tüchern ist. So muss auch die Bundesregierung dem Verkauf der Rüstungsschlüsseltechnik zustimmen. Enders hat schon im Vorfeld deutlich gemacht, dass er im Interesse des Konzerns und der Aktionäre handeln und daher den Bieter mit dem höchsten Preis auswählen wird. Er könne nicht nach politischen Zielen auswählen.

Erfolgreiches Geschäft könnte neue Verkaufsspielräume eröffnen

Die Branche verfolgt den Verkauf der Airbus-Rüstungselektronik daher mit großem Interesse. "Geht die Technik in die USA, wäre es nach dem deutsch-französischen Panzerbündnis zwischen Krauss-Maffei Wegmann und Nexter ein weiterer Ausverkauf von deutschem Know-how", sagt ein Manager, der anonym bleiben möchte. Zur weltweit führenden deutschen Rüstungstechnik gehöre der Panzerbau und die Radartechnik mit ihren wichtigen Standorten Ulm, Friedrichshafen und Ottobrunn.

Offen äußert sich der Chef des deutschen Raumfahrtunternehmens OHB, Marco Fuchs, zu dem Umbau der Rüstungssparte bei der Airbus Group. "Ich finde es gut, dass die Industrielandschaft aufgebrochen wird", sagte er jetzt der "Welt" auf einem Analystentag seines Konzerns.

Der spekulierte hohe Preis für die Rüstungselektronik zeige, wie aussichtsreich der Markt das Geschäft bewerte. Wenn jetzt die Airbus-Rüstungselektronik problemlos in die USA verkauft werden könne, eröffne dies auch für andere Unternehmen mit Rüstungsgeschäft neue Verkaufsspielräume.

Wie Fuchs sagte, wäre OHB an der Satelliten-Radartechnik von Airbus interessiert gewesen, kam aber nicht zum Zuge. Beim sogenannten Phased-Array-Radar muss nicht die gesamte Radarantenne zur Zielverfolgung mechanisch geschwenkt werden. Vielmehr erfolgt dies elektronisch. Dieses High-Tech-Radar wird beispielsweise bei einem der drei Satelliten der neuen Generation der Bundeswehr-Spionagesatelliten eingebaut, die 2019 in Betrieb gehen.

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