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Düstere OECD-Prognose An den Finanzmärkten wächst die Angst

Einbrechende Kurse, schwankende Märkte und nervöse Anleger: Die OECD sieht schwere Turbulenzen auf die Weltwirtschaft zukommen. Besonders pessimistisch sind die Ökonomen mit Blick auf Deutschland.

Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Welt eindringlich vor den Gefahren neuer schwerer Turbulenzen an den Finanzmärkten gewarnt. "Die Risiken für Instabilität an den Finanzmärkten sind erheblich", schreiben Chefvolkswirtin Catherine Mann und ihre Kollegen in der aktuellen Konjunkturprognose der Organisation. "Weltweit haben die Unsicherheit und die Schwankungen an den Finanzmärkten zugenommen". Die Experten befürchten sogar, dass schwerere Unruhen an den Finanzmärkten die bestehenden geopolitischen Spannungen weiter verschärfen könnten.

Investoren weltweit würden die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft zunehmend schlechter einschätzen, schreiben die Autoren der Prognose. Die Folge: einbrechende Kurse, starke Schwankungen an den Märkten und nervöse Anleger, die panisch ihr Geld aus Unternehmen und Volkswirtschaften abziehen.

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Die Schwellenländer gelten den Experten als besonders verletzlich. "Die Verfassung der Finanzsysteme in vielen Schwellenländern hat sich in den vergangenen 18 Monaten verschlechtert und sie sind in den vergangenen Wochen unter erneuten Druck geraten", schreiben die Autoren.

(Foto: Infografik Die Welt)

Verantwortlich dafür sind nicht nur verschreckte Kurzfrist-Investoren, die in den vergangenen Monaten viele Milliarden aus den betroffenen Volkswirtschaften abgezogen haben, sondern auch die niedrigen Weltmarktpreise für Öl, Gas und andere Rohstoffe, die bei vielen Exporteuren die Wirtschaft einbrechen lassen und klaffende Löcher in die Staatsfinanzen reißen.

Gleichzeitig steigen die Schulden von Unternehmen und privaten Haushalten in vielen der betroffenen Länder weiter stark, obwohl sie ohnehin bereits historisch hohe Niveaus erreicht haben – insbesondere in China.

Die Ökonomen warnen auch andere große Schwellenländer wie Brasilien, Russland und die Türkei vor Währungsschocks. Diese Länder sind besonders hoch im Ausland verschuldet. Ihren Volkswirtschaften drohten "ernste finanzielle und wirtschaftliche Konsequenzen", wenn die Währungen stärker unter Druck gerieten.

Vertrauen ins Finanzsystem schwindet

Einen ersten Vorgeschmack auf diese Entwicklungen gab es bereits in den vergangenen Monate, in denen die Börsen weltweit in die Tiefe rauschten. Seit Jahresbeginn haben die wichtigsten Aktienmärkte der Welt neun Prozent an Wert verloren.

Europäische Banken und andere Firmen der Finanzbranche traf es besonders hart; sie haben seit Beginn des Jahres mehr als ein Fünftel an Wert verloren. Offenbar machen sich auch die Investoren zunehmend Sorgen um die Verfassung großer Teile des Finanzsystems.

Die Konjunkturexperten der OECD dürften mit ihrer Prognose die Stimmung an den Finanzmärkten weiter trüben. Die Ökonomen haben ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten korrigiert – für einige Volkswirtschaften sogar ganz erheblich. "Die jüngsten Daten aus der Wirtschaft waren enttäuschend und die Anzeichen deuten auf langsameres Wachstum in den großen Volkswirtschaften hin", sagte Chefvolkswirtin Mann. "Daran ändern auch der niedrige Ölpreis und die niedrigen Zinssätze nichts." Die OECD ist ein Forum vorwiegend wohlhabender Industriestaaten.

Wachstumsrate weit unter dem Durchschnitt

Mann und ihre Kollegen erwarten, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr statt um 3,3 Prozent nur um drei Prozent zulegen und sich damit genauso enttäuschend entwickeln wird wie im vergangenen Jahr. "Diese Wachstumsrate ist die niedrigste der vergangenen fünf Jahre und liegt weit unter dem langjährigen Durchschnitt", schreiben die Ökonomen.

Die Weltwirtschaft wachse weitaus langsamer als erwartbar wäre; immerhin befinde sich der Großteil der wohlhabenden Volkswirtschaften immer noch in einer Erholungsphase und die Schwellenländer seien in der Lage, viel schneller zu wachsen.

Besonders pessimistisch sind die Ökonomen mit Blick auf Deutschland: Der hiesigen Wirtschaft trauen sie in diesem Jahr nur noch ein Plus von 1,3 Prozent zu. Noch vor einem Vierteljahr waren die Experten noch davon ausgegangenen, dass die Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent zulegen würde.

Auch die deutschen Unternehmen können sich der weltweiten Wachstumsschwäche nicht entziehen. Sie dürften vor allem darunter leiden, dass die Nachfrage aus den schwächelnden Schwellenländern und den erdölexportierenden Volkswirtschaften nachlässt.

Unruhe an den Märkten

Tatsächlich haben sich die Konjunkturaussichten für die gesamte Euro-Zone in den vergangenen Wochen verdüstert. Die OECD hat ihre Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte reduziert und erwartet inzwischen nur noch ein Plus von 1,4 Prozent in diesem Jahr. Für die Krisenländer, die immer noch mit hoher Arbeitslosigkeit besonders unter jungen Menschen kämpfen, sind das schlechte Nachrichten.

Zuletzt hatte die US-Notenbank Fed für Unruhe an den Märkten gesorgt: Die Notenbanker zeigten sich zunehmend besorgt über globale Risiken für die amerikanische Wirtschaft. Dies belegen die am Mittwoch veröffentlichten Protokollnotizen zu den Beratungen der Fed-Spitze vom Januar.

(Foto: Infografik Die Welt)

Angesichts des düsteren Konjunkturbilds fordert die OECD ihre Mitgliedstaaten zu energischerem Handeln auf: "Ein stärkeres gemeinsames politische Handeln ist dringend nötig", drängt Ökonomin Mann. Die Geldpolitik allein sei nicht mehr in der Lage, das weltweite Wachstum anzuschieben. Nötig sei, dass neben den Bemühungen der Zentralbanken auch die Regierungen ihren Teil tun müssten, um das Wachstum durch zusätzliche Ausgaben zu fördern. "Viele Länder haben den finanziellen Freiraum, die Staatsausgaben auszuweiten, um die Nachfrage anzukurbeln", schreiben die Autoren des Berichts.

Die Regierungen vieler Länder könnten sich im Moment für sehr niedrige Zinssätze langfristig Geld leihen und sollten diese Möglichkeit nutzen, um beispielsweise in Infrastruktur zu investieren und so die Konjunktur anzukurbeln. Solche Investitionen würden auch die langfristigen Wachstumsperspektiven der jeweiligen Volkswirtschaft verbessern. Nötig seien zudem Strukturreformen, um die langfristigen Wachstumskräfte zu stärken.

 

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