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Gefahr aus dem All Russland will Asteroiden mit Atomraketen zerstören

Im Jahr 2036 kommt ein Asteroid der Erde gefährlich nahe. Unabhängig von der tatsächlichen Gefahr bereitet sich auch Russland auf derartige Bedrohungen vor - mit einem spektakulären Plan.

Die Wissenschaft ist sich einig: Die Erde könnte in Zukunft von größeren Gesteinsbrocken aus dem All getroffen werden, die nicht bereits in der Atmosphäre verglühen. Im Jahr 2013 flog der Asteroid "2012 DA14" nur knapp 28.000 Kilometer an uns vorbei – eine geringere Entfernung als beispielsweise die Umlaufbahn von TV-Satelliten. Der etwa 45 Meter große Brocken war erst ein Jahr zuvor überhaupt entdeckt worden.

Die großen Raumfahrtagenturen weltweit spielen inzwischen diverse Möglichkeiten durch, um die Gefahr aus dem All künftig abwehren zu können. Aus Russland kommt dazu jetzt der spektakuläre Vorschlag, Interkontinentalraketen zur Asteroiden-Abwehr einzusetzen. Die mit Atomsprengköpfen bestückten militärischen Langstreckenraketen können schon jetzt den erdnahen Weltraum erreichen. Sie verfolgen eine ballistische Flugkurve hoch in Richtung All, um dann ein oder mehrere Ziele auf der Erde anzusteuern.

Nach den Plänen von Wissenschaftlern des staatlichen russischen Raketenzentrums Makejew soll ein erster Test mit einer solchen Interkontinentalrakete im Jahr 2036 erfolgen. Dann nämlich käme der Asteroid Apophis der Erde gefährlich nahe.

Laserkanonen und Wasserstoffbomben

Die russischen Raketenexperten planen, umgerüstete Atomwaffenraketen gegen anfliegende Asteroiden mit 20 bis 50 Meter Durchmesser einzusetzen, wie sie der russischen Nachrichtenagentur Tass kürzlich erklärten. Die militärischen Langstreckenraketen hätten den Vorteil, dass sie sehr kurzfristig einsatzfähig seien, also unmittelbar auf Bedrohungen aus dem All reagieren könnten.

Eine russische Interkontinentalrakete vom Typ Sinewa hebt ab. (Foto: AP)

Der Vorschlag Russlands ist nicht die einzige aktuelle Idee zur Asteroidenabwehr. In den vergangenen Jahren gab es schon diverse Vorschläge, die von Laserkanonen bis hin zu Wasserstoffbomben reichen. Seit 2012 suchen die Europäer im Projekt NeoShield – die Abkürzung steht für Science and Technology for Near-Earth Object Impact Prevention – nach Abwehrmaßnahmen.

Im vergangenen Jahr begann die zweiten Phase unter Führung der deutschen Raumfahrt- und Rüstungssparte von Airbus. Ein zentrales Entwicklungsziel der Forscher ist ein sogenannter Kinetic Impactor, mit dem der Asteroid im Weltraum getroffen werden soll. Nach Ansicht von Branchenexperten kann diese Technologie aber auch zur militärischen Raketenabwehr genutzt werden.

Europäisch-amerikanische Abwehrmission

Im Jahr 2020 soll zudem eine gemeinsame Asteroiden-Impact-Mission (AIM) der europäischen und amerikanischen Raumfahrtagenturen Esa und Nasa gestartet werden. Bereits Ende des Jahres könnten die für die Raumfahrt zuständigen europäischen Minister den Plan auf einem Gipfeltreffen absegnen.

Er sieht wie folgt aus: Zwei Sonden sollen innerhalb von 18 Monaten zu einem Asteroiden-Paar fliegen, das 2022 in Erdnähe kommt. Es besteht aus einem Kleinstplaneten – einem Brocken mit etwa 800 Meter Durchmesser – und einem Kleinstmond mit dem Namen Didymoon, der einen Durchmesser von 170 Metern hat.

Eine Nasa-Sonde soll dann mit einer Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Sekunde – also siebenmal schneller als eine Gewehrkugel – auf Didymoon aufschlagen. Die Forscher wollen dann messen, inwiefern sich die Flugbahn des Asteroiden dadurch ändert. Es wäre der weltweit erste Versuch, den Gefahren durch anfliegende Gesteinsbrocken aus dem All etwas entgegenzusetzen. Und die Aufschläge seien gar nicht so selten, heißt es bei der Raumfahrtagentur Esa. Das würden allein die 188 offiziell bestätigten Einschlagkrater auf der Erde beweisen.

Zweitverwertung für russische Raketen

Im Wettlauf um die beste Abwehrstrategie können die Russen zumindest darauf verweisen, dass ihre militärischen Raketen regelmäßig für zivile und wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden. Nach den Abrüstungsverhandlungen zwischen den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und den USA gab es auf beiden Seiten Hunderte überzählige Raketen. Während die USA sie hauptsächlich verschrotteten, suchten die Russen nach eine Zweitverwertung, um noch etwas Geld in die Kasse zu bringen.

Ein Beispiel ist die russische Interkontinentalrakete SS-19, die 1989 mit einer neuen Oberstufe zur zivilen Rockot-Rakete wurde. Sie wird heute über das europäisch-russische Unternehmen Eurockot mit Sitz in Bremen vermarktet, an dem das Gemeinschaftsunternehmen Airbus Safran Launchers mit 51 Prozent beteiligt ist. Kürzlich hat die ehemalige Militärrakete, die inzwischen technisch modernisiert wurde, einen europäischen Wissenschaftssatelliten ins All befördert.

Ein weiteres Beispiel für die Nutzung von Militärraketen für zivile Zwecke ist die russisch-ukrainische Rakete Dnepr, die aus der früheren Militärversion SS-18 entstand. Während des Kalten Krieges galt die SS-18 als eine der leistungsstärksten ballistischen Interkontinentalraketen. Auch die große russische Trägerrakete Proton, die regelmäßig vom Westen für kommerzielle Satellitentransporte genutzt wird, war angeblich zunächst als Interkontinentalrakete zum Transport einer 25 bis 50 Tonnen schweren Superbombe vorgesehen.

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