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1,2 Millionen im Umlauf Wo sind eigentlich die 1000-Mark-Scheine hin?

Weil Verbrecher ihn so gern haben, steht der 500-Euro-Schein vor dem Aus. Der weiter gültige 1000-Mark-Schein könnte so die wertvollste Banknote der Euro-Zone werden. Noch sind Unmengen im Umlauf.

Zugegeben, Rotbraun ist weniger hübsch als Lila. Aber das Konterfei der Gebrüder Grimm kann es locker aufnehmen mit der Fassade eines fiktiven Bürobaus aus Glas und Stahl. Und die Königliche Bibliothek in Berlin ist nicht weniger ansehnlich als eine Hängebrücke mit Europakarte darunter. Vor allem aber hat der braune Geldschein zwei große Vorteile: Er ist ungefähr genauso viel wert wie die lilafarbene 500-Euro-Note – und er hat womöglich noch eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Der eigentlich schon seit 14 Jahren ausgemusterte 1000-Mark-Schein könnte gewissermaßen zum neuen König der Banknoten in Euroland avancieren. Denn vieles deutet darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den 500-Euro-Schein früher oder später aus dem Verkehr zieht – zu schlecht ist sein Leumund als bevorzugtes Zahlungsmittel von Drogendealern und Geldwäschern, zu groß deshalb der Druck der Politik auf die Zentralbank.

Mehr zum Thema: Wie man einen Geldschein aus dem Verkehr zieht

Anzeichen für ein endgültiges Aus des Scheins mit den Gebrüdern Grimm gibt es hingegen nicht. Und von selbst wird sich der Schein mit den drei Nullen wohl auch nicht abschaffen, zu viele davon sind noch im Umlauf.

Könnten bald wertlos sein: 500-Euro-Scheine. (Foto: picture alliance / dpa)

Der 500-Euro-Schein ist Polizeibehörden und Finanzämtern schon lange lästig, weil sich damit auch große Summen Bargeld auf relativ kleinem Raum transportieren lassen. Der EZB-Rat, der über die Stückelung der Euro-Banknoten zu befinden hat, lässt nun angeblich bereits die technischen Details zu einer Abschaffung des 500ers ausarbeiten. 

Für das Aus des 500ers gibt es mehrere denkbare Szenarien. Der sanfte Weg bestünde darin, dass die Notenbanken der Euro-Länder den Schein einfach nicht mehr ausgeben. Angesichts des sehr trägen Umlaufs der großen Scheine würde es dann aber viele Jahre dauern, bis er tatsächlich aus dem Zahlungsverkehr verschwunden wäre.

Forcieren ließe sich das, wenn die EZB einen Stichtag definieren würde, zu dem der 500er schlichtweg ungültig wird. Dies wäre das Traumszenario der Kriminalpolizei, denn wenn zwielichtige Gestalten ihre lila Scheine hektisch loswerden müssen, bestehen gute Chancen, sie dabei zu erwischen. Ein plötzliches Aus für den 500-Euro-Schein wäre kein Novum in der Euro-Zone. In etlichen Ländern der Währungsunion sind die früheren nationalen Währungen inzwischen wertlos geworden. Sie konnten für eine gewisse Zeit in Euro getauscht werden, aber irgendwann schlug die jeweilige Zentralbank die Tür zu – in Frankreich zum Beispiel nach zehn Jahren.

Alles andere als ein Museumsstück

Nicht so in Deutschland: Die Bundesbank hat versprochen, dass sie die alten D-Mark-Münzen und -Scheine dauerhaft weiter in Euro umtauschen will. Das gilt auch für den 1000er. Und das könnte bald zu der Situation führen, dass die Banknote mit den Gebrüdern Grimm gewissermaßen ihre eigene Nachfolgerin überlebt.

Die Bundesbank sieht jedenfalls keine Veranlassung, mit der 500-Euro-Note auch den 1000-D-Mark-Schein final zu beerdigen: "Die Möglichkeit, ohne betragliche und zeitliche Begrenzung sowie ohne Gebührenerhebung Banknoten und Münzen bei allen Filialen der Deutschen Bundesbank während der Schalteröffnungszeiten einzulösen, steht nicht zur Diskussion", teilte die Notenbank der "Welt am Sonntag" auf Anfrage in schönstem Behördendeutsch mit. Auch der 1000er darf also bis in alle Ewigkeiten umgetauscht werden.

Diese Garantie ist durchaus von Belang, denn der 1000-Mark-Schein ist alles andere als ein Museumsstück. 1,2 Millionen Banknoten mit den drei Nullen sind nach Statistiken der Bundesbank noch immer im Umlauf. Das ist zwar nicht einmal ein Prozent aller noch kursierenden D-Mark-Scheine. Doch der Anteil an deren Wert ist dennoch gewaltig: 20 Prozent der ausstehenden 6,04 Milliarden Mark entfallen auf den 1000er – umgerechnet rund 620 Millionen Euro. Getoppt wird dieser Anteil nur noch vom 100-Mark-Schein, auf den fast ein Drittel des verbliebenen Volumens entfällt.

Keine Eile beim Umtausch

Gerade weil der Schein ewig gültig bleiben soll, haben es manche Besitzer offenbar nicht so besonders eilig mit dem Umtausch. 2015 wurden genau 22.175 rotbraune Scheine umgetauscht. Zum Vergleich: Selbst vom früher eher seltenen Fünf-Mark-Schein brachten die Sparer im selben Zeitraum fünfmal so viele zurück.

Manchen Besitzern von 1000ern ist vielleicht auch einfach der Weg zu weit. Die Bundesbank vermutet größere Mengen der ausstehenden D-Mark-Banknoten im Ausland, schließlich war die Mark vor allem im damaligen Jugoslawien sowie seinen Nachfolgestaaten und in anderen Teilen Osteuropas zum Teil als Zweitwährung verbreitet.

Und umgetauscht wird die Note heute nicht mehr bei Geschäftsbanken, sondern ausschließlich noch in den 35 Filialen der Bundesbank. Immerhin: Wer der Post vertraut, kann die Banknoten auch einsenden.

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