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Neues Airbus-Patent Dicke Passagiere kommen auf die Bank

Für füllige Passagiere oder ihre Nachbarn kann es im Flugzeug eng werden. Nun hat sich Airbus eine Erfindung patentieren lassen, die gleich mehrere Probleme lösen soll.

Es ist der Albtraum vieler Reisender: Eingequetscht von einem übergewichtigen Sitznachbarn mehrere Stunden während eines Fluges an Bord ausharren zu müssen, verkrampft bemüht, Körperkontakt mit ihm zu vermeiden. Der Australier James Andres Bassos hat deshalb letztes Jahr die Fluggesellschaft Etihad auf Schadensersatz verklagt.

Auf einem Langstreckenflug zwischen Sydney und den Vereinigten Arabischen Emiraten habe er neben einem extrem korpulentem Mann sitzen und deshalb seinen Körper so verbiegen müssen, dass sein Rücken Schaden genommen habe, begründete Bassos seine Klage. Auch wenn nur wenige wie er klagen, beschweren sich immer mehr Passagiere bei Airlines über übergewichtige Nachbarn, die ihnen zu nahe kommen.

Eine Erfindung von Airbus könnte Abhilfe für das Problem schaffen. Der Flugzeugbauer schlägt vor, die bisher an Bord von Passagierjets üblichen Einzelsitze durch Sitzbänke zu ersetzen, die sich durch ein paar einfache Handgriffe an die Platzbedürfnisse der Fluggäste anpassen lassen.

Das amerikanische Patentamt hat den 2015 eingereichten Antrag für die eine "rekonfugierbare Passagierbank" gerade veröffentlicht. Die Idee hinter der Erfindung von Sven Taubert, der als Innovationsmanager bei Airbus in Hamburg arbeitet, und Florian Schmidt ist simpel. Denn sie schlagen vor, die Sitzbänke mit Befestigungsschienen auszustatten, an denen verschiedene, abnehmbare Halterungen für Sicherheitsgurte angebracht werden können.

Airbus will die die bisher an Bord von Passagierjets üblichen Einzelsitze durch Sitzbänke ersetzen. (Foto: United States Patent and Tradmark Office)

Armlehnen werden in die Rückwand integriert

Je nach Platzbedarf der Passagiere könnten die Sitzbänke so konfiguriert werden, dass auf ihnen entweder drei Passagiere mit normalem Körperumfang, zwei korpulente Fluggäste oder zwei Erwachsene und zwei kleine Kinder Platz nehmen könnten.

Die Armlehnen, so die Idee von Airbus, könnten so in die Rückenlehne der Sitzbank integriert werden, dass sie sich einfach hoch- und runterklappen ließen, ohne den Sitzkomfort zu beeinträchtigen. Die rekonfigurierbare Sitzbank ließe sich auch in Bussen oder Zügen einsetzen, heißt es in der Patentanmeldung des europäischen Flugzeugbauers.

Derzeit sind die Sitzplätze in Mittelstreckenjets wie dem A320 von Airbus oder der 737 vom US-Rivalen Boeing so eingerichtet, dass drei Passagiere nebeneinander Platz finden. Kinder, die jünger als zwei Jahre sind, können bei Fluggesellschaften wie Air France kostenlos fliegen – entweder auf den Knien eines Elternteils sitzend oder in Körbchen liegend, die an den Trennwänden zu den Toiletten oder dem Küchenblock des Flugzeugs angebracht werden.

Die Passagierbank mit den abnehmbaren Sicherheitsgurten würde es der Bordbesatzung ermöglichen, sie zwischen zwei Flügen schnell und bequem umzukonfigurieren, heißt es in der Patentanmeldung. Zudem ließen sich die Sitzbänke so flexibel anpassen, dass auch das Reisen von Gruppen mit speziellen Bedürfnissen wie Senioren oder Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit erleichtert würde.

Fluggesellschaften würde die von Airbus ersonnene rekonfigurierbare Sitzbank ein zusätzliches Verkaufsargument liefern. Sie könnten dann mit besonderen Angeboten für Familien mit zwei kleinen Kindern werben, gleichzeitig aber die Preise für übergewichtige Passagiere angesichts des erhöhten Sitzkomforts erhöhen.

Samoa Airlines legt Flugpreis nach Körpergewicht fest

Bisher ist die Preispolitik der Airlines für fettleibige Fluggäste unterschiedlich. In den Vereinigten Staaten, wo die zunehmende Körperfülle der Bürger auffällig ist, erheben laut Informationen des Internetportals fluege.de derzeit acht Fluggesellschaften eine Zusatzgebühr für übergewichtige Passagiere, die nicht auf einen Sitzplatz passen.

Samoa Air wiederum führte im Jahr 2013 ein System ein, bei dem die Flugpreise nicht mehr pro Sitzplatz, sondern nach dem Körpergewicht berechnet werden, das Fluggäste auf die Waage bringen. Der Flugpreis wird dann je nach Länge des Fluges nach der Körpermasse sowie dem Gewicht des Gepäcks einzeln berechnet. Die Bewohner des im Pazifik gelegenen Inselstaats zählen im internationalen Vergleich mit zu den fülligsten Menschen weltweit.

In Europa wiederum vergeben Fluggesellschaften aus Sicherheitsgründen keine Sitzplätze an Notausgängen an übergewichtige Passagiere. Zum Kauf eines zweiten Sitzplatzes verpflichten sie fettleibige Fluggäste jedoch offenbar nicht. Möglicherweise auch aus Furcht vor dem Imageschaden und drohenden Protesten, die das auslösen könnte.

Umsetzung des Airbus-Patents ist offen

In Frankreich hatte nämlich ein Gericht in Bobigny 2007 die Reisebüro-Kette Go Voyages und Air France zu insgesamt 8000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, weil sie einen 160 Kilogramm schweren Fluggast gezwungen hatten, auf dem Rückflug aus Indien einen zweiten Sitzplatz zu buchen.

Dem Passagier war zudem vor aller Augen am Flughafen der Bauchumfang gemessen worden. Viele übergewichtige Passagiere würden jedoch von sich aus einen zweiten Platz buchen, heißt es bei europäischen Airlines.

Ob und wann das von Airbus angemeldete Patent für die flexible Sitzbank zum Einsatz kommt, ist unsicher. Der Flugzeugbauer und die anderen Sparten seines Mutterkonzerns melden jedes Jahr Hunderte Patente an, um das geistige Eigentum ihrer Erfindungen zu schützen. Die ihnen zugrunde liegenden Forschungs- und Entwicklungskonzepte werden jedoch längst nicht immer in eine Technologie oder ein neues Produkt umgesetzt.

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