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Studie des IW Flüchtlinge können das Fachkräfteproblem nicht lösen

Deutschland braucht Zuwanderer, um den Mangel an Fachkräften zu verringern. Die Flüchtlinge helfen dabei aber nicht, warnen Arbeitsmarktexperten. Ihnen fehlt etwas Entscheidendes.

Deutschland ist immer stärker auf Zuwanderer angewiesen, um seine wachsende Fachkräftelücke zu schließen. Die Flüchtlinge, die derzeit in Scharen hierherkommen, können dabei jedoch nur einen kleinen Beitrag leisten. Denn ihre schulische Ausbildung und ihre beruflichen Qualifikationen passen zumeist nicht zu den Anforderungen am hiesigen Arbeitsmarkt.

Dies zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direktor Michael Hüther fordert deshalb ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild, damit gut qualifizierte Arbeitsmigranten unbürokratischer als bisher nach Deutschland kommen können.

Ohne Zuwanderung würde die erwerbsfähige Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren um mehr als zehn Millionen schrumpfen, warnen die Forscher. Besonders gravierend werde der Personalmangel im Gesundheitswesen sowie bei industrienahen Tätigkeiten sein.

Benötigt würden dabei sowohl Akademiker als auch Fachkräfte mit einer Berufsausbildung aus dem Ausland. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft werden vor allem internationale Fachkräfte immer begehrter, die auf die Entwicklung, Herstellung, Programmierung und Bedienung moderner technischer Anlagen spezialisiert sind.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Zwei Drittel ohne Ausbildung

Unter den Flüchtlingen passen laut IW nur wenige in dieses Anforderungsprofil. So hätten 2014 von den anerkannten Flüchtlingen knapp ein Viertel höchstens vier Jahre lang eine Schule besucht. Selbst im Handwerk sei somit eine berufliche Ausbildung höchstens mit einer mehrjährigen umfassenden schulischen Nachqualifizierung möglich.

Unter den Erwachsenen hätten fast zwei Drittel weder ein Studium noch eine berufliche Ausbildung begonnen. Das Potenzial zur Fachkräftesicherung sei somit gering, stellt das IW fest. Entsprechend sei auch nur ein gutes Drittel der erwachsenen Flüchtlinge aus den wichtigsten Herkunftsländern wie Syrien oder dem Irak erwerbstätig. Und bei den meisten Jobs handele es sich um Helfertätigkeiten.

IW-Chef Hüther mahnt deswegen, Flüchtlingsmigration und gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften zu unterscheiden: "Die Flüchtlinge kommen nicht, um unsere Arbeitsmarktprobleme zu lösen, sondern weil sie ihre Heimat verlassen müssen."

Der Schutz sei eine humanitäre Aufgabe. Eine Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sei aber sowohl im Interesse der Betroffenen als auch von Vorteil für die hiesige Gesellschaft. Eine gesteuerte Arbeitsmigration sei aber darüber hinaus unentbehrlich, unterstrich der Ökonom.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Aus Osteuropa viele Ärzte und Pflegekräfte

Schon heute hat laut Umfrage jedes zweite Unternehmen Probleme, freie Stellen für Akademiker zu besetzen. Immer mehr Arbeitsplätze werden mittlerweile von Fachkräften aus dem Ausland besetzt. Den größten Schub gab es seit 2012 bei Ingenieuren und anderen Akademikern in industrienahen Bereichen. Franzosen und Inder stellten hier die größten Gruppen.

Auch in den Gesundheitsberufen stieg der Anteil der ausländischen Beschäftigten stark an. Vor allem aus Osteuropa kommen viele Ärzte und Pflegekräfte. Flüchtlinge sind hingegen nur selten im Gesundheitswesen erwerbstätig. Eine einzige Ausnahme nennt das IW: Die Syrer stellen unter den zugewanderten Ärzten mit 1500 Beschäftigten nach den Rumänen, den Griechen und den Österreichern inzwischen die viertgrößte Gruppe unter den ausländischen Medizinern.

In den vergangenen Jahren hat sich Deutschland zu einem Magneten für Fachkräfte aus anderen EU-Staaten entwickelt. Die Arbeitsmarktforscher rechnen jedoch langfristig mit einer deutlichen Abschwächung dieser europäischen Migration. Denn die Alterung der Bevölkerung verläuft auf dem ganzen Kontinent ähnlich.

Das IW plädiert für eine Vereinfachung des deutschen Zuwanderungsrechts, um mehr qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten anzulocken. Zwar habe Deutschland in den vergangenen Jahren die Bedingungen für den Zuzug von Fachkräften schon erheblich liberalisiert, sagte Hüther. Doch seien die Regelungen unübersichtlich, bürokratisch und ließen oftmals Interpretationsspielraum. Die Folge sei, dass 2014 lediglich 29.000 Erwerbsmigranten aus Nicht-EU-Staaten zuzogen.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Punktesystem per Modellvorhaben

Mit einem neuen Zuwanderungsgesetz könnte Deutschland erfolgreicher im globalen Wettbewerb um Talente werben. Dazu sollten bürokratische Hemmnisse wie die Vorrangprüfung bei Ausbildungsstellen wegfallen, wenn es in einem Beruf mehr Lehrstellen als Bewerber gibt. Spitzenkräfte sollten zudem von Beginn an eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten.

Über ein Punktesystem sollten zudem Fachkräfte ausgewählt werden, die noch kein Jobangebot haben. Neben dem Abschluss sollten Deutschkenntnisse, Berufserfahrung und Alter gewertet werden. Geeignete Kandidaten erhalten zunächst eine auf zwei Jahre befristete Arbeitserlaubnis, die nur verlängert wird, wenn ein Mindesterwerbseinkommen erreicht wird.

Auch innerhalb der großen Koalition wird über ein Zuwanderungsgesetz nachgedacht. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat in der vergangenen Woche in Baden-Württemberg bereits ein Modellvorhaben gestartet, mit dem ein solches Punktesystem getestet wird.

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