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Wirtschaft bibbert Die Horrorvision eines Präsidenten Trump

Die neuen Erfolge von Donald Trump dürften die Märkte mit Grausen aufnehmen. Denn der selbsternannte "größte Unternehmer Amerikas" ist in Wahrheit ein Börsenschreck.

Die wirre Haarpracht auf dem Kopf von Donald Trump wird mehr und mehr zum Sinnbild für den chaotischen Zustand der Welt. Und der republikanische Präsidentschaftsanwärter tut seinerseits alles, dass die Wirrnis noch weiter zunimmt. Denn Trump ist ein Hauptprofiteur des globalen Chaos, das einen zunehmenden Teil der Bürger erheblich verunsichert. Steigende Terrorgefahr, Migrantenströme, stagnierende Weltwirtschaft und Spannungen in einer undurchsichtigen geopolitischen Lage spielen Trump in die Hände. Doch seine scheinbar einfachen Lösungen verstören das Establishment, und nicht nur das. 

Obwohl sich der milliardenschwere Immobilien-Tycoon selbst als "größten Unternehmer Amerikas" bezeichnet, würde sein Sieg bei der Präsidentschaftswahl die amerikanische Wirtschaft erschüttern und die Finanzmärkte ins Chaos stürzen. Schon jetzt sorgt Trump für Nervosität an den Börsen. Immer dann, wenn der begnadete Selbstdarsteller mit Brachialkommentaren für Schlagzeilen sorgt, schlägt das Angstbarometer an der Wall Street aus. Der Zusammenhang zwischen dem Angstindex Vix und der Medienberichterstattung über den Immobilientycoon liegt bei 0,4, ein außergewöhnlich hoher Wert.

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Entsprechend ängstlich sahen die Anleger dem Super Tuesday entgegen, an dem gleich in einem knappen Dutzend Bundesstaaten Vorwahlen stattfanden. Trumps erneute Erfolge könnten nun für weitere Verwerfungen an den Märkten sorgen. Noch vor wenigen Wochen als Clown mit übergroßer Geltungssucht abgetan, ist Trump inzwischen der wahrscheinlichste Präsidentschaftskandidat der Republikanische Partei.

Der politische Aufstieg von Donald Trump hat die Märkte verunsichert. (Foto: Infografik Die Welt)

Berlusconi mit Atomwaffen

Die Märkte begleiten den Wahlkampf mit zunehmender Sorge. Zwar ist es nicht unüblich, dass die Wall Street in den ersten sechs Monaten eines Wahljahres wegen der Unsicherheiten leichte Kursverluste verzeichnet. Nach Angaben des Datenanbieters Bloomberg verlor der Aktienindex Dow Jones seit 1900 in der ersten Hälfte eines Wahljahres im Schnitt 1,8 Prozent. Doch die Kurse stiegen meist wieder, wenn klar war, wer von Demokraten und Republikanern ins Rennen um die Präsidentschaft im November geht. 

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In diesem Wahljahr scheint vieles anders. Der Dow Jones hat seit Januar bereits fünf Prozent an Wert verloren, und sollte Trump als Kandidat der Republikaner in den Kampf ums Weiße Haus gehen, könnten daraus leicht zweistellige Verluste werden. Nicht umsonst ist Gold mit einem Zuwachs von 17 Prozent die beste Investmentklasse 2016. 

"Sofern man Wert auf eine global ausgerichtete Politik, auf diplomatische Etikette und seriösen Umgang mit Andersdenkenden legt, überkommt einen das Gruseln, denkt man an einen amerikanischen Präsidenten, der Donald Trump heißt", sagt Andreas Görler, Vermögensverwalter bei Wellinvest Pruschke & Kalm. Europäische Politiker würden sich dann wahrscheinlich sogar sehnsüchtig an gemeinsame Gespräche mit Silvio Berlusconi erinnern. An der Wall Street wird Trump bereits spöttisch als Berlusconi mit Atomwaffen bezeichnet.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Als politischer Clown verspottet

Lange Zeit wurde der Selfmade-Milliardär als politischer Clown verspottet, der nicht die geringste Chance aufs Präsidentenamt habe. Und nach jeder verbalen Entgleisung des polternden Unternehmers wurde das Ende des Kandidaten Trump verkündet. Das war so bereits im vergangenen Sommer der Fall, als "The Donald" allen Muslimen die Einreise nach Amerika verweigern wollte, Behinderte verhöhnte und frauenfeindliche Sprüche zum Standardrepertoire seiner Wahlkampfauftritte machte.

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"Vor nicht mal zwei Monaten habe ich gesagt, dass Trump keine Chance hat, im Weißen Haus einzuziehen. Inzwischen muss ich einräumen, dass es unklug ist, einen Sieg Trumps am 8. November auszuschließen", sagt Alastair Newton, früherer hochrangiger Diplomat im britischen Außenamt, der heute das politische Analysehaus Alavan Business Advisory leitet.

Für die Börsen würden unter einem Präsidenten Trump harte Zeiten anbrechen. "Make America great again" bedeutet nichts anderes, als die USA vom Rest der Welt abzuschotten. Er will die nach Mexiko oder China ausgelagerten Jobs wieder heimholen, die Auslandsgewinne der US-Konzerne repatriieren, die Handelsgrenzen durch Zölle und die Außengrenzen durch militärische Bastionen sichern.

Damit würde er die Globalisierung zurückdrehen und der Wall Street einen Bärendienst erweisen. Jahrelang profitierten Multis wie Coca-Cola, Apple oder McDonalds davon, dass die Welt immer globaler und Volkswirtschaften immer offener wurden. Nach oben schießen könnten dagegen die Aktien von Waffenproduzenten wie Lockheed, Boeing, Raytheon oder Unisys sowie von Gefängnisbetreibern wie Corrections Corp. Diese Firmen dürfen auf eine Sonderkonjunktur hoffen, wenn Trump die Grenzen stärker sichert und illegale Migranten vor einer Ausweisung vorübergehend einsperrt.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Für Börsianer sind Demokraten die bessere Wahl

Das Nominierungsystem beinhaltet noch einige Fallstricke. So bringen die Vorwahlen neben den normalen Deligierten auch sogenannte Superdelegierte hervor, die nicht an das Votum der Wähler in den Primaries gebunden sind und häufig das Partei-Establishment bevorzugen. "Zwei Dinge können Donald Trump noch einen Strich durch die Rechnung machen", sagt Thaler. Einerseits die republikanischen Parteikader, die die Vorwahlen zugunsten eines gemäßigten Kandidaten beeinflussen wollen und zweitens der US-Milliardär Michael Bloomberg, der sich mit dem Gedanken trägt, als unabhängiger Kandidat ins Rennen zu gehen. "Der Wall-Street-Veteran und ehemalige New Yorker Bürgermeister wäre wohl mit Abstand der Lieblingskandidat der Börsenteilnehmer", sagt Thaler.

Eine echte Chance dürfte Bloomberg jedoch nur haben, wenn der linke Sanders gegen den sprunghaften Trump antritt. Sollte sich Hillary Clinton im demokratischen Lager durchsetzen, hat die frühere First Lady wohl gute Chancen, Wähler der Mitte auf ihre Seite zu ziehen. Für Börsianer sind Demokraten ohnehin die bessere Wahl. Nach einer Auswertung der Fondsgesellschaft Fidelity haben Anleger an der Wall Street im Schnitt jährlich 11,4 Prozent gewonnen, wenn im Weißen Haus ein Demokrat saß. Residierte dort ein Republikaner, betrug das jährliche Plus 4,8 Prozent.

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