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"Projekt QueSST" So soll der Nasa-Nachfolger der Concorde aussehen

Mit dem Kampfflugzeughersteller Lockheed Martin baut die Nasa einen Nachfolger der Concorde. Mit dem Testflieger soll der Nachweis erbracht werden, dass auch leise Überschallflüge möglich sind. 

Der Nachfolger für das europäische Überschallverkehrsflugzeug Concorde kommt womöglich aus den USA. Die Nasa hat jetzt einem Team unter Führung des führenden Kampfflugzeugherstellers Lockheed Martin den Auftrag zum Bau eines kleinen Testmodells für ein künftiges Überschallverkehrsflugzeug für 100 Passagiere erteilt.

Mit dem Testflieger soll der Nachweis erbracht werden, dass auch relativ leise Überschallflüge über Land ohne den sonst üblichen lauten Knall beim Durchbrechen der Schallmauer möglich sind. Für die Nasa gehört der Auftrag in die legendäre Reihe der sogenannten X-Flugzeuge, mit denen die Amerikaner in technischer Hinsicht mehrmals Luftfahrtgeschichte geschrieben haben. So war die Bell X-1 im Jahr 1947 auch das erste bemannte Flugzeug, das die Schallmauer durchbrach.

Nach Ansicht der Nasa ist mit dem jetzt verkündeten Auftrag zum Bau des Testmodells unter dem Projektnamen QueSST (Quiet Supersonic Technology) die Rückkehr des Passagierüberschallflugs ein Stück realistischer geworden. Bei dem Flugzeug soll beim Wechsel zu Mach 1 eher ein "sanftes Pochen" statt eines lauten Knalls zu hören sein.

Derzeit verbieten die US-Luftfahrtbehörden Passagierüberschallflüge über Land, was ein Geschäftsmodell für Luftfahrtgesellschaften sehr schwierig macht. Wie es heißt, soll das Testmodell bereits im Jahr 2020 zum Erstflug abheben. Im Jahr 2021 sollen dann im südlichen Kalifornien die Missionen für den Nachweis eines sanften Überschallfliegens erbracht werden. Wann dann ein großes Modell für etwa 100 Passagiere tatsächlich fliegt, ist noch offen.

Nixon verkündete 1969 Überschalljet-Prototypen von Boeing

In der Branche wird bereits vom umweltfreundlichen US-Sohn des legendären europäischen Concorde-Passagierflugzeugs gesprochen. Die Fluggesellschaften Air France und British Airways stellten 2003 aus wirtschaftlichen Gründen die Flüge mit dem Überschalljet ein, dessen Entwicklung mehrere Milliarden kostete. Zum Ende der Ära trug auch ein Absturz einer Concorde im Jahr 2000 in der Nähe von Paris bei.

Seitdem flackern aber immer wieder Berichte über mögliche Concorde-Nachfolger oder zumindest kleinere Überschallgeschäftsreiseflüge auf. So gibt es eine Zusammenarbeit von Airbus mit dem US-Unternehmen Aerion zum Bau eines superschnellen Businessjets, der 2021 erstmals fliegen und 2023 in Dienst gestellt werden soll.

Die Besonderheit an der jüngsten Entwicklung sind die beteiligten Parteien mit großem Renommee: Die Nasa ist seit jeher der Treiber für neue Luft- und Raumfahrtentwicklungen in den USA. Lockheed Martin ist wiederum der größte US-Rüstungskonzern und kann Fördergelder für Neuentwicklungen gut brauchen. Zudem hatte Lockheed in den 60er-Jahren bereits einmal eigene Pläne für ein großes Überschallverkehrsflugzeug.

20 Millionen Dollar für weitere vorbereitende Arbeiten

Damals wollte die US-Regierung den Bau eines US-Überschallpassagierflugzeugs finanzieren. Es gab einen Wettbewerb, und Lockheed verlor mit seinem Modellvorschlag L-2000 gegen den Konkurrenten Boeing mit seiner B-2707. Der damalige US-Präsident Richard Nixon verkündete 1969 – im Jahr der US-Mondlandung – den Bau von zwei Überschalljet-Prototypen durch Boeing.

In der Hoffnung auf ein florierendes Geschäft mit Überschallverkehrsflugzeugen lagen bereits 122 Bestellungen bei Boeing vor. In den 70er-Jahren wurde das Projekt dann aber doch aus Kostengründen und wegen der großen technischen Herausforderungen eingestellt.

Jetzt gibt es quasi durch die Nasa-Förderung einen Neuanlauf der staatlichen US-Pläne für einen Passagier-Überschalljet. "Die Nasa setzt alles daran, um Fliegen umweltfreundlicher, sicherer und leiser zu machen", erklärte Nasa-Chef Charles Bolden. Lockheed erhält zunächst 20 Millionen Dollar für weitere vorbereitende Arbeiten an der Auslegung des kleineren Testmodells.

Zum Lockheed-Martin-Team gehört auch der weltgrößte Triebwerkshersteller General Electric sowie die auf Windkanalversuche spezialisierte Firma Tri Models. Schon vor fünf Jahren hatte die Nasa bei Lockheed und Boeing Untersuchungen in Auftrag gegeben, ob es möglich sei, den Überschallknall zu reduzieren.

Für den Piloten keine Sicht nach vorn möglich

Der Überschallknall ist von der Geschwindigkeit des Flugzeugs und der verdrängten Luft und somit von der Größe des Flugzeugs abhängig. Der Schall breitet sich in Luft mit 340 Meter pro Sekunde aus.

Umgerechnet sind das etwa 1200 Kilometer pro Stunde. Wenn ein Flugzeug schneller fliegt als diese Schallgeschwindigkeit, breiten sich die Schallwellen nur noch nach hinten aus. Experten sprechen vom "Mach-Kegel". Die Schallwellen, die dann die Erde erreichen, werden dort als Überschallknall wahrgenommen.

Seit Jahren experimentieren Ingenieure daher an Überschallflugzeugen mit weniger Knall. Im Mittelpunkt steht dabei die Form des Flugzeugs mit einem möglichst schlanken Rumpf. Nach einem ersten, von der Nasa veröffentlichen Bild für das Lockheed-Testmodell hat es eine extrem lange, spitze Flugzeugnase und nur ein Triebwerk, mit dessen Schubstrahl aber teilweise auch gesteuert werden kann. Die Concorde hatte beispielsweise vier Triebwerke.

Ungewöhnlich ist das Cockpit bei dem Lockheed-Modell. Nach dem Bild hätte der Pilot keine Sicht nach vorne, sondern nur eine Sicht und Öffnung nach oben. Der Pilot bekommt die Sicht nach vorne und zur Seite vermutlich über Riesendisplays oder eine Spezialbrille, heißt es.

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