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Postkarten-Aktion in Brandenburg Komm doch wieder nach Hause!

Seit der Wende ist Brandenburg ein Gebiet, aus dem die Leute eher abwandern. Jetzt sollen Postkarten in früheren Einwohnern Heimweh hervorrufen – und sie dazu motivieren, wieder zurückzukommen.

Im Briefkasten ein Gruß aus der Heimat. Auf der Postkarte ist ein Umzugswagen zu sehen, in den zwei lächelnde junge Leute ein Sofa heben. "Ab nach Hause!" steht daneben – will sagen: Komm zurück in die gute alte Heimat. Mit der Aktion wollen mehrere Städte aus Südbrandenburg Exil-Brandenburger in anderen Bundesländern die Rückkehr schmackhaft machen. Die Bereitschaft, in die Mark zurückzukommen, ist nach Experteneinschätzung bei vielen groß.

Die Postkarten-Aktion, die sich die Städte Lauchhammer, Senftenberg, Schwarzheide, Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) und Finsterwalde (Elbe-Elster) ausgedacht haben, erinnert an eine ähnliche im vergangenen Jahr im Norden Brandenburgs. Damals hieß es auf einer Postkarte: "Mach Mutti glücklich. Komm zurück". Das soll Heimatgefühle erzeugen. Vor allem Regionen weit ab vom Speckgürtel um Berlin wollen offensichtlich mit solchen Aktionen punkten.

Die südbrandenburgischen Städte wollen auf die positiven Entwicklungen in ihrer Gegend aufmerksam machen und Fachkräfte anziehen, wie das kommunale Netzwerk Regionaler Wachstumskern Westlausitz mitteilt. Seit Mittwoch wird die Postkarte in die Briefkästen der Einwohner geworfen, sie können dann Grüße an frühere Brandenburger schicken, die weggezogen sind.

Eine erste Karte wurde offenbar schon losgeschickt, fürs Foto. (Foto: dpa)

Jobs und Heimatverbundenheit

Die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) hat den Eindruck, dass immer mehr Märker, die woanders leben, in Erwägung ziehen, zurückzukommen. "Das Interesse steigt", sagt ZAB-Sprecher Alexander Gallrein. Die Agentur als zentraler Ansprechpartner für Investoren, Unternehmen und Existenzgründer bietet selbst ein Fachkräfteportal an, das sich auch an Rückkehrer wendet. Aus Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern stiegen die Zugriffe, sagt Gallrein. Er geht davon aus, dass sich das noch verstärken wird.

Warum? Zum einen liege es an der verbesserten wirtschaftlichen Lage in manchen märkischen Regionen mit guten Jobs, zum anderen seien viele Brandenburger heimatverbunden, meint Gallrein.

Das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig geht davon aus, dass sich die Zahl der Rückkehrer nach Ostdeutschland in den vergangenen Jahren auf jährlich etwa 50.000 belief. Seit der Wende seien rund 2,5 Millionen Ostdeutsche in andere Bundesländer oder ins Ausland gezogen, zurückgekommen sei davon rund eine Million, sagt der Abteilungsleiter für Regionale Geographie Europas, Thilo Lang. Die Prognose des Instituts sieht etwas anders als die der ZAB aus: In den vergangenen Jahren gab es bereits deutlich weniger Menschen, die abwandern. Im Umkehrschluss heißt das dann auch: Es wird vermutlich auch weniger Rückkehrer geben.

Wöchentliche Anfragen

Weniger auf Heimatgefühle, sondern auf das Pfund Jobs setzte unlängst die Stadt Cottbus mit einer kleinen Jobmesse zwischen Weihnachtsbraten und Silvestersekt. Die Idee: Viele Exil-Brandenburger sind über die Feiertage in der Heimat bei ihren Familien und damit für potenzielle Arbeitgeber greifbar. Der Fachkräfte-Rückkehrertag "Komm zurück! Deine Heimat bietet Dir Arbeit!" ging in seine vierte Runde. Zu den Organisatoren gehören die Agentur für Arbeit, Stadtverwaltung und Handwerkskammer.

In Templin in der Uckermark gibt es seit 2013 sogar eine Agentur für Rückkehrwillige. Der Verein "Zuhause in Brandenburg" betreibt sie. Er wurde 2008 von Privatleuten gegründet, die meisten waren selbst Rückkehrer – damit soll dem demografischen Wandel etwas entgegengesetzt werden. "Wir hatten den Eindruck, dass es eine Zielgruppe Rückkehrer gibt", sagt Vorstandsvorsitzende Ariane Böttcher. Exil-Uckermärker ließen sich schneller dazu bewegen, in die Region zu kommen als Menschen, die die Gegend gar nicht kennen, ist sie überzeugt.

Seit 2013 habe die Agentur dazu beigetragen, dass Hunderte den Weg zurückfanden, sagt Böttcher. Wöchentlich gebe es Anfragen. Rückkehrer zeichneten sich vor allem dadurch aus: Gut ausgebildet, breiter Erfahrungshorizont – weil sie schon mal weg waren – und die Fähigkeit, sich wieder gut einzufügen.

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