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Ab 1995 Geborene Wie sich die Generation Z ihr Berufsleben vorstellt

Wer jünger ist als 20 Jahre, gehört zur Generation Z. Die ersten von ihnen kommen gerade auf den Arbeitsmarkt. Und es zeigt sich: Firmen müssen sich umstellen. Denn die Jungen sind anspruchsvoll.

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Facebook am Arbeitsplatz: Viele Unternehmen richten sich mehr und mehr nach den Wünschen der Generation Y. Das ist die sinnsuchende, fragende Generation, die zwischen 1980 und 1995 geboren ist. Y steht für das englische "why", also "warum". Die 20- bis Mitte 30-Jährigen wollen Freiräume im Job, gleichzeitig verschmelzen Beruf und Freizeit immer mehr: Für mehr Flexibilität sind sie bereit, auch mal nach Feierabend zu arbeiten.

Doch die Jugendlichen von heute ticken anders. Deren Generation Z steckt gerade im Studium oder macht schon die ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt. Wenn sie in wenigen Jahren in großer Zahl ins Berufsleben drängen, stellt das die Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Die Generation Z, das sind grob gesagt die nach 1995 geborenen Jugendlichen. Der Arbeitsweltexperte Christian Scholz von der Universität des Saarlandes forscht seit Jahren über sie. Rund drei Millionen Z-ler tummeln sich seinen Berechnungen zufolge in diesem Jahr bereits auf dem Arbeitsmarkt. Zum Vergleich: Bei der Vorgängergeneration Y sind es rund acht Millionen Mitglieder.

Der Professor für Betriebswirtschaftslehre befragt seine Studenten, lässt sie Tagebuch schreiben oder ihr Leben als Z-ler szenisch umsetzen. Dabei hat er beobachtet: "Denkrichtung und Merkmale dieser Jugendlichen sind vollkommen anders als die der Generation Y." Scholz zufolge herrscht in der Generation Z ein ganz neues Selbstverständnis in Bezug auf die Arbeitswelt.

Die Vermischung von Beruf und Privatleben findet kaum noch Anklang. Zu genau haben die Jugendlichen von heute beobachtet, wie die Generation Y oftmals die Arbeit mit nach Hause nimmt und nicht vom Laptop wegkommt. "Die Z-ler wollen geregelte Arbeitszeiten, unbefristete Verträge und klar definierte Strukturen im Job haben", so der Arbeitsweltexperte: "Wenn Feierabend ist, dann lesen sie auch keine Arbeitsmails."

Unternehmen müssen flexible Arbeitszeitpakete schnüren

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann hält Vorhersagen darüber, wie diese neue Generation der Berufstätigen das Arbeitsleben verändern wird, noch für "voreilig und spekulativ". Doch auch er erkennt, dass die Z-ler nicht mehr an eine faire Fusion von Job und Privatleben glauben. "Meine Prognose ist, dass es hinausläuft auf flexible feste Strukturen", sagt der Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance. "Die Generation Z möchte eine feste Grundlage haben, beispielsweise feste Arbeitszeitkontingente." Diese wollen die Jugendlichen dann aber eigenverantwortlich erfüllen.

Je mehr Mitbestimmung und je mehr Eigenbeteiligung, desto stärker kommt diese junge Generation zum Zuge, so der Jugendforscher: "Unternehmer sind am besten beraten, solche flexiblen Arbeitszeitpakete zu schnüren." Auch Arbeitsmarktforscher Scholz bekräftigt, dass sich die Generation Z neben einem klar definierten Arbeitsanfang und -ende auch mal einen Homeoffice-Tag wünscht: Aber nur wenn sie will – nicht verordnet vom Unternehmen. Loyalität zum Arbeitgeber gibt es in der Generation Z kaum noch. Denn andersherum ist das genauso, sagt Scholz. Das Denken sei: Wenn mir etwas nicht passt, bin ich morgen weg. "Da prallen Welten aufeinander."

Doch Scholz warnt: Während die Z-ler schon auf den Arbeitsmarkt strömen, haben sich die Unternehmen darauf noch nicht eingestellt. "In der Personalwirtschaft liegt der Fokus derzeit noch ausschließlich auf der Generation Y", kritisiert er. "Es wird große Probleme geben." Denn rosige Karriereversprechungen nützen bei den realistischen Z-lern in Bewerbungsgesprächen nichts.

Schlüsselwörter in Stellenangeboten wie Work-Life-Blending, also die Vermischung von Arbeit und Freizeit, haben bei den Jugendlichen einen negativen Effekt. "Klarer Dienstschluss" ist dafür nun wieder ein wirkungsvoller Lockruf. Laut Scholz sind Personaler gut beraten, ihre Strategien, wie sie einen Arbeitgeber als attraktiv darstellen, schon jetzt zu überdenken. Auch das Marketing und Recruiting an den Hochschulen muss sich anpassen.

Die Generation Z muss keine Freiheiten mehr erkämpfen

Die Generation der künftigen Arbeitnehmer setzt zudem auf Lebensqualität und Gesundheit. "Anti-Stress-Kurse für die Generation Y sind für typische Z-ler zum Lachen, das machen sie schon automatisch", erklärt Scholz. Ihr Privatleben ist ihnen noch wichtiger, noch bewusster und abgegrenzter als der Vorgängergeneration. Jugendforscher Hurrelmann sagt: "Das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern damit, dass Arbeit im digitalen Zeitalter überall und jederzeit möglich ist." Wenn man nicht aufpasse, bestehe das Leben nur noch aus Arbeit.

Auch Christian Schuldt vom Zukunftsinstitut in Frankfurt begreift diese neue Achtsamkeit als ein Ergebnis des gesellschaftlichen Wandels. Er beschäftigt sich ebenfalls mit der Generation Z und digitalen Veränderungsprozessen. "Wir leben nicht mehr in fixen Strukturen, auf die man sich verlassen kann", sagt er. Die Zeiten, in denen man als Akademiker lebenslang einen guten Job sicher hatte, seien passé.

Um die Generation Z zu verstehen, hält Zukunftsforscher Schuldt noch eine weitere gesellschaftliche Entwicklung für wichtig. "Jugendlichkeit ist heute nichts exklusiv Jugendliches mehr, sondern ein Leitmotiv", sagt er. Das Erkämpfen von Freiheiten, das Überschreiten von Grenzen ist für die Generation Z nicht mehr möglich.

Doch wodurch grenzen sich Jugendliche in einer Gesellschaft ab, in der es keine Abgrenzungsmöglichkeiten mehr gibt? Laut Schuldt findet das heute unsichtbar und vor allem über die Mediennutzung statt. Da gibt es jugendliche Parallelwelten, die Erwachsene einfach nicht verstehen können. Facebook benutzt die Generation Z heute beispielsweise weniger, sie bewegt sich lieber auf YouTube oder Snapchat.

Das Internet gleicht der multifunktionalen Armbanduhr

Auch zur Generation Y, der ersten Generation der Digital Natives, grenzen sich die Z-ler in diesem Punkt klar ab. "Die Generation Z ist in einer mobilen Internetwelt entstanden, bei ihr gilt nicht mehr 'mobile-first', sondern 'mobile-only'", so Schuldt. Das Handy ist stets griffbereit, die Welt wird wie selbstverständlich online gelebt. Doch ob die Generation dadurch mehr Onlinekompetenz hat, die ihnen am Arbeitsmarkt einen Vorteil verschafft, darüber herrscht Uneinigkeit.

"Das Internet ist für die Generation Z so etwas wie damals die multifunktionale Armbanduhr für die Babyboomer", sagt Arbeitsweltexperte Scholz. Weil die Z-ler viel weniger offensiv mit neuen Technologien umgehen als ihre Vorgänger, sinke jedoch ihre digitale Kompetenz. Smartphone und Internet sind für sie alltägliche Gebrauchsgegenstände, die nicht mehr groß reflektiert werden. Schuldt vom Zukunftsinstitut sieht es nicht so negativ.

Das Medium Internet hätte bei ihnen Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit oder das permanente Scannen der Umwelt, gefördert. Diese Fähigkeiten bräuchte die Generation Z in der hochkomplexen, sich schnell wandelnden Gesellschaft, in der langfristige Planung einfach nicht mehr möglich sei.

Jungendforscher Hurrelmann identifiziert ein neues Stärke-Schwäche-Profil für die Arbeitnehmer von morgen. "Wir bekommen eine hochsensible junge Generation, die alles blitzschnell aufnimmt und erfasst und enorm multitaskingfähig ist", sagt er, "dann aber auch nicht mehr so konzentriert ist, sich schnell ablenken lässt und ein kurzes Durchhaltevermögen besitzt." Darauf müssen sich die Unternehmen schon heute einstellen.

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