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Wolfgang Porsche über Volkswagen Schwierige Themen dürfen nicht tabu sein

Porsche fordert eine neue Gesprächskultur. Auch schwierige Themen wie ein möglicher Stellenabbau müssten offen angesprochen werden. "Wir müssen mehr miteinander reden statt übereinander."

"Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass wir in einzelnen Bereichen bei Volkswagen einen Personalüberhang haben, muss man frühzeitig über konstruktive Lösungen nachdenken können", sagte Porsche der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Genfer Autosalons. "Damit wird vermieden, dass man dann im Fall einer Krise von heute auf morgen Menschen entlassen muss."

"Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen", forderte Porsche. Der 72-jährige Wolfgang Porsche ist als Chefkontrolleur der VW-Mutter Porsche SE der einflussreichste Aufsichtsrat der Porsche/Piëch-Familie. Die Familien halten über die Porsche-Holding die Mehrheit der Stimmrechte bei Volkswagen.

VW selbst will versuchen, nach dem Gewinneinbruch im Zuge des Skandals um manipulierte Abgastests bei Dieselfahrzeugen einen Jobabbau in der Stammbelegschaft zu vermeiden. Sicherheit gibt den Mitarbeitern im Haustarifvertrag eine Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Der Abbau von Stellen ist aber dennoch möglich. Bislang bangen vor allem die Leiharbeiter um ihre Jobs, zuletzt im VW-Werk in Emden.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Nach allem was ich weiß, haben wir "Dieselgate" zwar mit vielen Schmerzen zu verarbeiten, Volkswagen hat aber auch eine ausgesprochen gute wirtschaftliche Substanz." Wenn VW wettbewerbsfähig bleibe, sei auch die Beschäftigung gesichert.

Porsche machte aber klar, dass an dem von VW-Chef Matthias Müller angekündigten Sparkurs kein Weg vorbei führe. "Wir müssen uns an der einen oder anderen Stelle sicher etwas schlanker aufstellen", sagte der Aufsichtsrat. "Es gibt Dinge, die sind Nice-to-Have und Dinge, die sind ein Muss. Die Nice-to-Have-Dinge muss man hinterfragen."

Entscheidungen sind aber nicht gefallen. "Solange wir nicht wissen, um welche Größenordnung es sich bei möglichen Schadenersatzforderungen oder Strafzahlungen handelt, werden wir auch nicht über konkrete Konsequenzen und Maßnahmen diskutieren", sagte Porsche. Zur Aufarbeitung des Abgasskandals wollte er sich nicht äußern. "Die amerikanischen Behörden haben bestimmte Vorstellungen zur Aufklärung und zu möglichen Lösungen", sagte Porsche lediglich.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der damalige VW-Vorstandschef Martin Winterkorn schon im Mai 2014 eine Notiz über Unregelmäßigkeiten beim Motor EA 189 erhalten habe. Ob er sie zur Kenntnis genommen hat, ist aber laut VW nicht dokumentiert. Die "Bild am Sonntag" (BamS) berichtete unter Berufung auf Verhöre der von VW beauftragten Kanzlei Jones Day, Winterkorn habe die Notiz nach eigener Aussage damals gelesen. Der Konzern ist der Auffassung, Anleger rechtzeitig über die aufgeflogenen Manipulationen informiert zu haben. "Herr Winterkorn hat damals gesagt: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst"", sagte Porsche. "Wer ihn als Menschen näher kennt, weiß, dass er davon auch zutiefst überzeugt ist."

Winterkorn hatte im September wenige Tage nach Bekanntwerden des Abgasskandals seinen Posten als VW-Chef abgegeben. "Wir haben damals hinterfragt, ob gerade er, der so viel für den Konzern geleistet hat, zurücktreten muss", sagte Porsche. "Er hat es dann getan – und das war sicher die richtige Entscheidung." Er selbst stehe noch mit Winterkorn in Kontakt. "Ich telefoniere ab und zu mit ihm und frage ihn, wie es ihm geht. Er hat dem Volkswagen-Konzern fast 35 Jahre gedient, das sollten wir nicht vergessen."

An dem neuen VW-Chef Müller hat er nichts auszusetzen. "Ich finde, dass Matthias Müller einen wirklich guten Job macht", sagte Porsche. "Ich hoffe, er macht den Job noch lange." Der VW-Konzern und Aufsichtsrat sollten nicht von externen Managern geleitet werden, die das Unternehmen nicht kennen. "Man muss die Strukturen in Wolfsburg verstehen, sonst hat man keine Chance."

Vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch erwarte er sich ganz generell eine starke Führung. "Und es hängt jetzt ziemlich viel von ihm ab." Die Familie hatte sich im Oktober für den ehemaligen VW-Finanzchef als neuen Aufsichtsratschef stark gemacht.

Laut "BamS" hatte Pötsch bereits am 8. September 2015 als damaliger VW-Finanzchef Kenntnis darüber erhalten, dass der Autobauer US-Behörden gegenüber eine Betrugssoftware eingeräumt hat. Pötsch informierte VW-Anleger jedoch nicht sofort darüber. Nun werden Juristen entscheiden müssen, ob das richtig war oder ob Pötsch damit gegen die Regeln der Ad-Hoc-Publizität verstoßen hat. Wolfgang Porsche und die Familie stünden fest hinter Pötsch und Müller, hatte ein Sprecher der Porsche SE am Sonntag betont.

Porsche sprach sich auch für eine neue Gesprächskultur in den Führungsgremien aus: "Wir müssen mehr miteinander reden statt übereinander. Und das ist etwas, was wir im Konzern noch verbessern müssen", sagt Porsche. Die Familie trete heute geschlossener und mehr als Gesamtfamilie auf als das vielleicht früher der Fall gewesen sei, sagte der VW-Kontrolleur. Neben Porsche sitzen sein Neffe Ferdinand Oliver Porsche, sein Cousin Hans Michel Piëch und dessen Nichte Louise Kiesling in dem Kontrollgremium bei VW.

Damit ist auch die vierte Generation der Familie inzwischen in der Pflicht, andere Mitglieder sitzen in den diversen Kontrollgremien der SE und der VW-Töchter. "Die nachfolgenden Generationen müssen an diese Aufgabe hingeführt werden." Es werde aber akzeptiert, wenn jemand sich nicht im Konzern einbringen wolle.

Seinen Cousin Ferdinand Piëch (78) trifft Porsche noch bei Gremiensitzungen wie im Aufsichtsrat der Porsche SE. "Wir sind sicher unterschiedlich, aber wir haben auch gemeinsame Verpflichtungen. Und wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die 600 000 Mitarbeiter des VW-Konzerns." Piëch war im vergangenen Frühjahr nach einem internen Machtkampf als VW-Aufsichtsratschef zurückgetreten.

Porsche SE Aufsichtsrat

VW-Aufsichtsrat

Pressemitteilung des Konzerns vom Mittwochabend

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