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Schein-Sieg in der Arbeitswelt Frauen wählen häufiger Teilzeitjobs

Nirgends wächst der Anteil von erwerbstätigen Frauen so schnell wie in der Bundesrepublik. Trotz der Bemühungen um Chancengleichheit entsteht allerdings ein neues Problem.

Bis die Frauen mit den Männern in der Wirtschaft gleichgezogen haben, ist es noch ein langer Weg. Dass dies nicht nur für Deutschland, sondern für alle Industriestaaten gilt, zeigen Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Weltfrauentag.

Dabei arbeiten die meisten Regierungen mittlerweile daran, Frauen den Spagat zwischen Beruf und Familie zu erleichtern. Schließlich sind in den alternden Gesellschaften die weiblichen Arbeitskräfte unentbehrlich, will man den künftigen Wohlstand sichern.

In Deutschland zeigt die Familienpolitik der vergangenen Jahre die gewünschte Wirkung: Die Einführung des Elterngeldes, mehr Ganztagsschulen und der massive Krippenausbau haben zur Folge, dass immer mehr Mütter berufstätig sind. In keinem anderen OECD-Land stieg die Erwerbsquote der Frauen seit 2000 so stark an wie in der Bundesrepublik. Auch in Spanien, Italien und Frankreich holten die Frauen bei der Erwerbsbeteiligung auf.

Allerdings bemängeln die Ökonomen, dass bei der Arbeitszeit der Unterschied der Geschlechter noch immer eklatant sei. Und Deutschland gehöre dabei neben den Niederlanden zu den Ländern, in denen sich Teilzeitjobs unter den Frauen besonders großer Beliebtheit erfreuten. Während die Männer im Regelfall Vollzeitjobs haben und somit mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringen, leisten die Frauen hierzulande den Großteil der Kinderbetreuung und Hausarbeit.

"Insgesamt arbeiten die Frauen in Deutschland also nicht weniger als die Männer, aber sie leisten mehr unbezahlte Familienarbeit, während die Männer mehr bezahlte Arbeitsstunden absolvieren", stellt Monika Queisser, Abteilungsleiterin Sozialpolitik der OECD, fest. Gerechter sei die Aufteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern in den skandinavischen Ländern. Und auch die USA und Kanada schneiden hier besser ab als Deutschland. Dagegen ist die Rollenaufteilung von Paaren in den Niederlanden, Italien und besonders in Japan noch traditioneller als hierzulande.

Elternteilzeit: Unterschiedliche Anreize weltweit

Damit bezahlte und unbezahlte Arbeit gleichmäßiger auf Männer und Frauen verteilt werden, ist nach Ansicht der OECD-Forscher die Politik gefragt. Insbesondere mit den für Väter reservierten Wochen beim Elterngeld wollen die Regierungen Paaren einen Anstoß für ein entsprechendes Rollenmodell geben. In Deutschland erhalten Eltern nach der Geburt ihres Kindes bis zu 14 Monate lang eine aus Steuermitteln finanzierte Lohnersatzleistung von bis zu 1800 Euro monatlich.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Mindestens zwei Monate müssen dabei vom Mann genommen werden. Mit diesen Vätermonaten liegt Deutschland unter den Industrieländern im Mittelfeld. In Japan und Südkorea ist dagegen die Hälfte der bezahlten Elternzeit für die Väter reserviert, in Frankreich oder den Niederlanden mehr als ein Viertel der Gesamtzeit. Dagegen gibt es in etlichen Ländern wie etwa in den USA oder in der Schweiz keine bezahlten Vätermonate.

In Deutschland nutze mittlerweile jeder vierte Vater die Elternzeit, lobt die OECD. Doch nicht überall erwies sich das Instrument als wirksam. In Japan, Südkorea und auch in Frankreich nehmen nur wenige Männer eine berufliche Auszeit, obwohl in diesen Ländern besonders viele Monate für die Väter reserviert sind.

Offenbar sind traditionelle familiäre Rollenmodelle in vielen Teilen der Welt viel stärker verankert, als dies den Politikern lieb ist. Am größten ist die Beliebtheit der Vätermonate in Skandinavien und Portugal.

Bei Kita-Besuchen ist Dänemark der Spitzenreiter

Ein dickes Lob erhalten die Deutschen von den Ökonomen für den rasanten Ausbau der Krippen. Der Anteil der Kleinkinder unter zwei Jahren, die eine Kindertagesstätte besuchen, verdoppelte sich zwischen 2006 und 2013 auf gut ein Drittel. Allerdings ist der Abstand zu Skandinavien, den Niederlanden oder Frankreich noch immer beträchtlich.

Beim Spitzenreiter Dänemark besuchen knapp 70 Prozent der Kinder im Alter zwischen null und zwei Jahren eine Kita. Wie gut es gelingt, Kind und Job unter einen Hut zu bringen, hängt indes nicht nur von der Kinderbetreuung, sondern auch von flexiblen Arbeitszeiten ab. Und auch hier vermeldet die OECD Fortschritte: "Deutschland gehört zu den fünf Ländern mit den flexibelsten Arbeitszeitmodellen", loben die Forscher.

So bieten die meisten hiesigen Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit gleitender Arbeitszeiten. Auch dürfen viele Beschäftigte angesammelte Überstunden tageweise abbummeln. Ähnlich flexibel sind die Arbeitszeiten ansonsten nur in Skandinavien sowie in Österreich geregelt.

Frauen wählen häufiger schlechter bezahlte Dienstleistungsjobs

Sorge bereitet der OECD, dass immer mehr Mütter nur einen Teilzeitjob haben. In Deutschland liegt dieser Anteil schon bei über 50 Prozent. Höher ist diese Quote mit fast 70 Prozent nur in den Niederlanden. In Frankreich arbeiten dagegen zwei Drittel der berufstätigen Mütter Vollzeit, in den USA sogar 85 Prozent. Umfragen zeigen, dass Teilzeitarbeit hierzulande offenbar dem Ideal entspricht.

So hält die große Mehrheit der Deutschen es zwar für positiv, wenn Mütter mit kleinen Kindern in Teilzeit berufstätig sind. Eine Vollzeitarbeit lehnen die meisten dagegen als schädlich für das Familienleben ab. Auch in Ländern wie Frankreich, Schweden oder in den USA, wo weniger Teilzeitjobs angeboten werden als hierzulande, gibt es innerhalb der Bevölkerungen eine starke Präferenz für verkürzte Arbeitszeiten für Mütter.

Teilzeit ist indes einer der Gründe, warum Frauen nur selten an die Spitze der Unternehmen gelangen. In etlichen europäischen Ländern sei der Anteil weiblicher Führungskräfte zuletzt sogar gesunken, bemängelt die OECD. Dies hänge aber auch mit Geschlechterunterschieden bei der Berufsauswahl zusammen.

In vielen Ländern wählen die Frauen häufiger schlechter bezahlte Dienstleistungsjobs, während die Männer besser honorierte Technik- und Industriejobs bevorzugen. Deutschland steht mit einem "gender pay gap" von 15 Prozent etwas besser da als der OECD-Durchschnitt. In Frankreich und Schweden, die oft als familienpolitische Musterländer gelten, ist der Gehaltsrückstand der Frauen größer.

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