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Ölkrieg gegen die USA Saudi-Arabiens wertloser Triumph

Saudi-Arabien hat den Ölkrieg gewonnen und Amerikas Ölfirmen in die Pleite getrieben. Doch der Sieg erweist sich als wertlos. Durch die ungezügelte Förderung sind die Preise auf Jahre ruiniert.

Der Sieg über Amerika ist teuer erkauft. Nicht weniger als 191,6 Milliarden Dollar musste Saudi-Arabien bisher im Ölkrieg investieren, um seine Rivalen in den Ruin zu treiben. Nun scheint das Ziel erreicht. Amerika vermeldet die Kapitulation. Wie die neuesten Daten des Ölservice-Unternehmens Baker Hughes zeigen, sind in den USA nur noch 489 Bohrtürme aktiv, die Öl und Gas aus dem Boden holen. Nur noch einer mehr als 1999, dem Tiefpunkt, seit Amerikas Energieboom in den 1860er-Jahren in Pennsylvania begann.

Doch der Triumph der Saudis über Amerika könnte sich als Pyrrhussieg erweisen. Es bleibt ein mächtiger Gegner, der über mehr als eine Milliarde Barrel Öl verfügt. Es ist nicht der regionale Erzfeind Iran, nicht ein wiedererstarkter Irak und auch nicht der langjährige Konkurrent Russland. Es sind die Lagerbestände.

Selbst wenn die Überproduktion jetzt aufhört, weil Amerika deutlich weniger Öl fördert, wird ein Lagerüberschuss von mehr als einer Milliarde Barrel die Preise in nächster Zeit drücken. Die Bestände werden bis Ende 2017 weiter wachsen, prognostiziert die Internationale Energieagentur. Ihre Lagerung kostet zu viel Geld, die Bestände aufzulösen, könnte Jahre dauern.


Der Preis bleibt am Boden

Die Tanks in den USA quellen physisch sogar fast über. Vor allem in einem der wichtigsten Speicherorte, in Cushing (Oklahoma) sind 90 Prozent der Kapazitäten ausgeschöpft. Nach Berechnungen des Datenanbieters Bloomberg kann Amerika rund 600 Millionen Barrel bevorraten, 517 Millionen davon sind belegt.

In anderen Ländern sieht es kaum anders aus. Am Ende dieses Jahres könnten die Bestände der westlichen Welt bei 3,6 Milliarden Barrel liegen, wie Daten der Internationalen Energieagentur zeigen – mehr als eine Milliarde mehr als noch Ende 2014. Die Experten rechen damit, dass es bis 2021 dauert, ehe der Überschuss abgebaut ist.

Saudi-Arabien hatte vor knapp eineinhalb Jahren das Ziel ausgerufen, die überversorgten weltweiten Ölmärkte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, um dann endlich wieder höhere Preise für den Rohstoff verlangen zu können. Um das zu erreichen, versucht man Wettbewerber mittels Niedrigpreisen aus dem Markt zu drängen.

Diese Strategie ist laut Experten dafür verantwortlich, dass der Ölpreis einen der dramatischsten Abstürze seiner Historie erlebt hat. Die Rohstoff-Supermacht muss jetzt erkennen, dass dieser Plan nicht aufgegangen ist. Die vom Königreich verantwortete Ölschwemme hat zwar tatsächlich zum Exodus vieler US-Förderfirmen geführt. Doch ein nachhaltiger Preisanstieg wird wohl erst mal ausbleiben.


Moody's warnt Saudi-Arabien

Wie wenig der Sieg gegen Amerika wert war, zeigt auch eine Warnung von Moody's. Die Ratingagentur droht Saudi-Arabien mit einer Abstufung in den kommenden zwei Monaten. Auch die Bonitätsprüfer erwarten, dass die Ölpreise über Jahre niedrig bleiben werden. Für das laufende Jahr rechnen die Experten mit einem durchschnittlichen Preis von 33 Dollar pro Fass und mit 38 Dollar für 2017. Bis 2019 dürften die Notierungen unter der Marke von 50 Dollar bleiben.

Und das hat Folgen für die Saudis. Insgesamt steht die Energieförderung für 40 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung und 62 Prozent der Staatseinnahmen. Der Verkauf von Öl und Gas macht sogar 84 Prozent der Exporte aus. Die niedrigen Rohstoffnotierungen haben deshalb die Handelsbilanz ruiniert.

Nach Berechnungen von Moody's weist das Land, gemessen an der Wirtschaftsleistung, ein Leistungsbilanzdefizit von zwölf Prozent aus. Wenn das Königreich aber wertmäßig wesentlich mehr Güter und Dienstleistungen importiert als mit dem Verkauf von Öl exportiert, schmelzen die Devisenreserven. Vom einstigen Hoch von 746 Milliarden Dollar im August 2014 sind aktuell noch 616 Milliarden übrig.

Das ist nach Meinung von Moody's immer noch recht komfortabel. Allerdings könne eine weitere Verschlechterung sich auf das Rating auswirken. Noch wird Saudi-Arabien von der Agentur mit der viertbesten Note Aa3 bewertet. Kritischer sehen das die Akteure an den Märkten. Dort werden die Saudis auf Baa3 taxiert, also sechs Stufen niedriger.

Der Iran verweigert die Drosselung

König Salman Bin Abd al-Asis gehen allmählich die Möglichkeiten aus. Zuletzt sind alle politischen Versuche gescheitert, ein Bündnis gegen den Preisverfall zu schmieden. Zwar vereinbarte man sich mit Russland und mehreren Mitgliedsstaaten des Öl-Kartells Opec, die Förderung auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Allerdings torpedierte der große Rivale Iran bislang die Abmachung. Nun wollen sich die Ölförderländer Mitte März in Moskau treffen, um die historische Vereinbarung zu retten.

Doch Teheran will seine Produktion nicht begrenzen. Die Quoten sollen sogar steigen. So weit, bis sie wieder das Niveau aus der Zeit vor den Sanktionen erreicht hätten. Damals wurden pro Tag rund vier Millionen Barrel aus dem Boden geholt. Derzeit sind es rund 3,1 Millionen. Eine weitere Millionen Barrel pro Tag würde die Hoffnungen zerstören, dass die Lagerbestände bald wieder abgebaut sein könnten.


Der iranische Ölminister Bidschar Namdar Sangeneh erklärte zuletzt, dass es an Saudi-Arabien und den anderen Opec-Mitgliedern sei, ihre Fördermengen zu drosseln. Sie hätten während der Sanktionen täglich viele Millionen Barrel mehr gefördert, die dem Iran verwehrt wurden.

Die Möglichkeit einer eigenen Drosselung schließt König Salman allerdings kategorisch aus – so etwas sieht seine Petro-Diplomatie nicht vor. Eher zettelt man einen neuen Konflikt ums Öl an und hegt die Hoffnung, am Ende der Sieger zu sein. Eine Hoffnung, die trügerisch sein kann.

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