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Drastischer Schritt EZB senkt Leitzins auf Null Prozent

Die Europäische Zentralbank wagt den Tabubruch. Die Notenbank senkt den Leitzins im Euroraum auf Null Prozent. Gleichzeitig bitten die Euro-Hüter Geschäftsbanken noch stärker zur Kasse.

Völlig überraschend hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins erstmals in seiner Geschichte auf 0,0 Prozent gesenkt. Zudem weiteten die Währungshüter das umstrittene Anleihekaufprogramm von 60 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro pro Monat aus. Während die Kurse an den Börsen in die Höhe schossen, kritisierten die deutschen Banken die Maßnahmen als "unnötig". Der zentrale Leitzins liegt - zum Leidwesen der Sparer - bereits seit September 2014 auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Beobachter hatten nicht mit einer weiteren Senkung gerechnet.

Bestätigt wurden hingegen die Erwartungen, dass der Strafzins weiter verschärft wird. Der Einlagezins, zu dem Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Zentralbank parken können, wird von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent gesenkt, wie eine EZB-Sprecherin mitteilte. Den Leitzins, zu dem Geschäftsbanken kurzfristig und unbegrenzt Geld aufnehmen können, setzte die EZB ebenfalls herab, und zwar von 0,3 Prozent auf 0,25 Prozent.

Durch die Erhöhung des Anleihekaufprogramms ab April werden insgesamt 240 Milliarden Euro mehr in den Finanzkreislauf gespült als bislang geplant. Außerdem wird die Zentralbank künftig auch Unternehmensanleihen kaufen. Bislang hatte sie nur Staatspapiere aus den Euroländern aufgekauft. Die Notenbank hatte das Ankaufprogramm im März 2015 gestartet, um die Kreditvergabe und damit die Konjunktur anzukurbeln. Es soll bis Ende März 2017 laufen.

Draghi sieht keinen Währungskrieg

EZB-Chef Mario Draghi hat die ultra-lockere Geldpolitik der Zentralbank gegen Kritik verteidigt, er schüre einen Währungskrieg. "Wir sind überhaupt nicht in diesem Krieg", sagte er in Frankfurt. Es gebe kein Rennen um den niedrigsten Zins weltweit. Zugleich betonte er, die Europäische Zentralbank (EZB) habe ihr Pulver noch nicht verschossen. Die deutschen Banken hatten Draghi vor unerwünschten Nebenwirkungen einer immer lockereren Geldpolitik gewarnt. Am Ende drohe ein Abwertungswettlauf, der keine Gewinner haben werde.

Auch der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat die Zinssenkung der EZB scharf kritisiert. Die weltweiten Abwertungen der Währungen entwickelten sich zur Gefahr für Arbeitsplätze in den USA. Durch das Öffnen der Geldschleusen wird der Außenwert des Euro tendenziell gedrückt, was Güter von Exporteuren aus dem Währungsraum im Ausland verbilligt und ihre Wettbewerbssituation stärkt.

EZB will Inflation von 2 Prozent

Die EZB um ihren Chef Mario Draghi versucht mit allen Mitteln, die Inflation in der Eurozone wieder nach oben zu bringen. Mittelfristig soll die Teuerungsrate bei knapp zwei Prozent liegen. Von ihrem Ziel ist die Notenbank trotz der extrem lockeren Geldpolitik weit entfernt - im Februar sank die Inflation in der Eurozone sogar wieder und kippte ins Negative auf minus 0,2 Prozent.

Die Entscheidung der EZB "verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer", kritisierte der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). "Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden", erklärte VÖB-Hauptgeschäftsführerin Liane Buchholz. Der Vermittler von Baufinanzierungen, Interhyp, wies hingegen darauf hin, dass Kreditzinsen damit weiter niedrig bleiben werden.

Bankenverband nennt Maßnahmen "Gift"

Der Bankenverband (BdB) bezeichnete das Maßnahmenpaket der EZB als "Gift". Es sei "vollkommen unnötig", dass die EZB den Geldhahn noch weiter aufgedreht habe, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Der Geldmarkt im Euro-Raum sei durch die EZB-Politik bereits stillgelegt, Wirtschaftsreformen und die Sanierung von Bankbilanzen würden verschleppt. "Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt."

Der Deutsche Aktienindex (Dax) schoss an der Börse in Frankfurt am Main um rund 2,5 Prozent nach oben und knackte fast die Marke von 10.000 Punkten, bevor er wieder auf ein Plus von rund 0,8 Prozent zurückfiel. Die Börsen in Mailand und Madrid legten um mehr als drei Prozent zu; genauso wie die Börse in Paris. Der Euro verlor dagegen an Wert und sank auf 1,08 Dollar.  

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