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Lohnlücke Warum Frauen noch 100 Jahre schlechter verdienen

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist in neun Jahren um zwei Prozent geschrumpft. In diesem Tempo wäre gleicher Lohn erst 2120 erreicht. Warum es tatsächlich noch länger dauern könnte.

Bis Frauen und Männer im Arbeitsleben gleichgestellt sind, dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Dass aber die Lücke, die zwischen den Gehältern für männliche und weibliche Arbeitnehmer klafft, sich erst im kommenden Jahrhundert schließen wird, das würden vermutlich nicht einmal die größten Kritiker der bestehenden Verhältnisse erwarten.

Tatsächlich aber legen die offiziellen Zahlen zur Entgeltlücke nahe, dass es noch mehr als 100 Jahre dauern kann, bis die Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern in Deutschland verschwinden – zumindest wenn man die Entwicklung der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern anhand der Berechnungen des Statistischen Bundesamts verfolgt.

(Foto: Infografik Die Welt)

Laut der jüngsten Daten des Amts verdienten Frauen im Jahr 2015 mit einem durchschnittlichen Bruttoverdienst von 16,20 Euro pro Stunde im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, bei denen der Bruttoverdienst bei 20,59 Euro lag. Der sogenannte unbereinigte Verdienstunterschied zwischen weiblichen und männlichen Angestellten hat sich demnach in den vergangenen Jahren trotz intensiver öffentlicher Debatte kaum verändert: Klaffte die Lücke im Jahr 2006 noch um 23 Prozent, hat sie sich seitdem nur marginal um zwei Prozentpunkte auf 21 Prozent verkleinert.

Der Mindestlohn sorgt für mehr Gleichheit

Der Rückgang des statistischen Entgeltunterschieds fand in zwei Schritten statt: Zwischen 2009 und 2010 schrumpfte die Lücke von 23 auf 22 Prozent und zwischen 2014 und 2015 erneut von 22 auf 21 Prozent.

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns könnte nach Ansicht der Statistiker mit dazu beigetragen haben, dass die unbereinigte Entgeltlücke im vergangenen Jahr geschrumpft ist. Die Daten zeigen, dass die Stundenverdienste der Frauen 2015 im Vergleich zu 2014 mit 2,3 Prozent etwas stärker gestiegen sind als die der Männer, die nur um 2,0 Prozent zugelegt hatten. Verantwortlich dafür waren vor allem hohe Zuwächse bei den vom Mindestlohn betroffenen ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen.

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Daten aus dem Jahr 2015 zum sogenannten Equal Pay Day, der hierzulande jedes Jahr auf den 19. März fällt. Der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen wurde in den 60er-Jahren in den USA initiiert, in Deutschland allerdings erst 2008 zum ersten Mal ausgerufen.

Die Lücke wäre erst 2120 geschlossen

Die Entwicklung im Schneckentempo dürfte die Initiatoren allerdings ernüchtern: Würde der Entgeltunterschied auch in den kommenden Jahren in dieser Größenordnung zurückgehen, würde es noch länger als 100 Jahre dauern, bis die statistische Lohnlücke zwischen den beiden Geschlechtern tatsächlich geschlossen ist. Erst im Jahr 2120 würde der Entgeltunterschied demnach auf null geschmolzen sein.

Grundlage dieser Berechnung ist, dass der gesamtwirtschaftliche statistische Lohnunterschied auch künftig alle neun Jahre um zwei Prozentpunkte sinkt. Geht man hingegen davon aus, dass sich nicht die absolute, sondern die prozentuale Veränderung fortsetzt, ist die langfristige Perspektive noch weit deprimierender: Würde der Lohnunterschied alle neun Jahre um zehn Prozent schrumpfen, so wie in den vergangenen neun Jahren, wäre die weitgehende Parität erst weit nach 2120 erreicht.

Diese Perspektive illustriert, wie schwierig es ist, den sogenannten Gender Pay Gap, die Entgeltlücke, statistisch sinnvoll zu erfassen. Die Statistiker des Bundesamts verweisen selbst gern darauf, dass der sogenannte unbereinigte Entgeltunterschied, dessen Entwicklung in dieser Statistik erfasst wird, nur sehr begrenzte Erklärungskraft hat.

Strukturelle Gründe für Lohnunterschiede

Tatsächlich vergleicht die Statistik nicht, ob Frauen und Männer für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden, sondern nur, wie viel Männer und Frauen verdienen. Diese Verdienste werden dann auf Arbeitsstunden heruntergebrochen. Diese Berechnungsweise verschleiert – notgedrungen –, dass die unterschiedliche Einkommenssituation von Männern und Frauen häufig strukturelle Ursachen hat.

Zu diesen Einflussfaktoren gehört beispielsweise, dass mehr Männer hierzulande Führungspositionen besetzen und dass Männer und Frauen unterschiedliche Berufe und Branchen wählen. Frauen arbeiten oft in Dienstleistungsberufen, etwa als Friseurinnen oder Krankenpflegerinnen, in denen niedrige Löhne gezahlt werden.

Zudem verfügen Frauen im gesamtwirtschaftlichen Schnitt über geringere Berufserfahrung – im Einzelfall häufig, weil sie familienbedingt das Erwerbsleben unterbrechen. Diese Karrierepausen wirken sich auch ganz direkt auf das Dienstalter der Betroffenen aus und beeinflussen damit wiederum die Gehaltshöhe. Solche Faktoren sind laut Statistikern für rund zwei Drittel der Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern verantwortlich.

Das Statistische Bundesamt berechnet deshalb zusätzlich einen um solche strukturellen Faktoren bereinigten Entgeltunterschied. Wegen der aufwendigen Berechnung und der dafür nötigen Daten liegt der aktuellste Wert nur aus dem Jahr 2010 vor: Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Jahr 2010 im Durchschnitt pro Stunde sieben Prozent weniger als Männer in vergleichbarer Tätigkeit und mit gleicher Qualifikation.

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