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Anschläge von Brüssel Wie "zynisch" die Märkte auf den Terror reagieren

Kaum war von den tragischen Ereignissen in der Belgien zu lesen, verzeichnete der Dax einen deutlichen Kursverlust. Doch dann ging es wieder bergauf. Was hinter der Bewegung steckt, ist ganz einfach.

Um 8.16 Uhr erscheint die erste Meldung auf den Bildschirmen. "Explosion at Zaventem airport in Brussels", ist dort zu lesen: Am Flughafen der belgischen Hauptstadt habe es eine Explosion gegeben. Die Händler reagieren – und schicken Europas Märkte in einen Gleichklang mit den schrecklichen Nachrichten, die dann folgten.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Der Dax stürzt sofort um 100 Punkte ab. Wenige Minuten später melden belgische Medien erstmals mehrere Tote. Der deutsche Leitindex bricht weiter ein und fällt um 9.31 Uhr auf sein Tagestief. Zugleich steigen jene Titel, die als "sichere Häfen" gelten, als Orte, wo das Geld in Krisenzeiten sicher ist: Gold, Bundesanleihen, der Japanische Yen.

In Zahlen sieht der Terror so aus: Wegen der starken Nachfrage fällt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 0,182 Prozent. Der Dax verliert fast zwei Prozent, vor allem, weil Anleger Papiere von Fluggesellschaften und Reisekonzernen abstoßen. Die Aktien des Reiseanbieters Thomas Cook büßen fast acht Prozent ein, die von TUI etwa fünf. Lufthansa verliert vier Prozent, Ryanair fünf, Easyjet knapp sechs.

Märkte lernen, mit dem Terror umzugehen

Dann aber geschieht etwas, das auf den ersten Blick überraschend wirkt: Die Kurse steigen wieder. Nach 75 Minuten scheint der Schock zu schwinden, die Händler kaufen wieder ein. Um 11.28 Uhr gibt es noch einmal ein kurzes Zucken, als Meldungen über eine weitere Explosion – die sich später als kontrollierte Sprengung der Polizei herausstellen wird – die Börsensäle erreichen, dann gehen die Händler zur Tagesordnung über.

"Ich bin geschockt, dass die Märkte nicht weiter abgestürzt sind", kommentierte Michael Antonelli vom amerikanischen Brokerhaus Robert W. Baird & Co. beim Finanzdienst Bloomberg. "Die Märkte präsentieren sich widerstandsfähiger als man nach einem solchen Anschlag denken würde."

Das mag zynisch wirken, auf eine unbestimmte Art herzlos – aber hier zeigt sich eine neue Logik, mit der die Märkte seit den Anschlägen von Paris im November des vergangenen Jahres agieren. Die Börsen haben eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Terroranschläge ausgebildet, kritisch könnte man sagen: eine gewisse Gleichgültigkeit. Nur so ist es zu erklären, dass Europas Märkte am Dienstag nach einer ersten Phase der Panik besonnen auf die Anschläge von Brüssel reagieren. Dabei hatten die Händler nicht einmal viel Zeit zum Nachdenken – anders als nach den Anschlägen von Paris, die sich vor einem Wochenende ereigneten.

Immer kürzer wurden die Zeiten des Schocks, oder andersherum: immer abgehärteter die Menschen in den Handelsräumen. Nach den – in ihrer Dimension bislang einzigartigen – Attentaten vom 11. September 2001 benötigte die Wall Street einen Monat, um die Verluste aufzuholen. Als Terroristen 2002 Bomben vor zwei Nachtklubs auf der indonesischen Insel Bali zündeten, machte der Jakarta Composite die Verluste nach zwei Wochen wett. Etwa so lange brauchte auch der spanische Aktienindex nach den Anschlägen von Madrid 2004. Nur noch einen Tag dauerte es nach den Angriffen auf Busse und U-Bahnen in London, bis der FTSE wieder auf seinem alten Stand war. Die Märkte haben gelernt, dass Terror, so grausam er auch ist, die westlichen Ökonomien nicht aus dem Takt bringen kann.

Das Brexit-Risiko steigt

Ein Faktor allerdings ist anders als zu Zeiten von London und Madrid. Davon zeugt, was nun an den Devisenmärkten geschah. Nach den Meldungen aus Brüssel stürzte das Pfund ab – und konnte sich im Gegensatz zu den anderen Werten nicht wieder erholen. Keine Währung der Welt war am Dienstag so schwach wie die der Briten, abgesehen vom libyschen Dinar. Die Händler fürchten, dass der Terror Populisten in die Hände spielt, die in Europa gerade großen Zuspruch erfahren – und so am Ende das Risiko eines Austritts Großbritanniens aus der EU erhöht.

. (Foto: Infografik Die Welt)

"Die Ereignisse dürften den Befürwortern des Brexits helfen", sagt Valentin Marinov, Chef-Devisenstratege der Bank Credit Agricole. Bei dem anstehenden EU-Referendum in Großbritannien spielt das Thema Zuwanderung eine zentrale Rolle. "Ein Terroranschlag liefert einigen Menschen Argumente gegen Flüchtlinge", sagt Athanasios Vamvakidis, Stratege bei der Bank of America Merrill Lynch – und vergrößert damit die Gefahr, dass sich die Briten vom Kontinent abwenden.

In Amerika nutzt der Republikaner Donald Trump die Anschläge bereits für seinen Wahlkampf. Er twitterte: "Erinnern Sie sich mal, wie schön und sicher Brüssel war. Das war einmal." Womöglich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Politiker in Europa die Ereignisse instrumentalisieren. Dann müssten auch die Händler alte Gewissheiten überdenken.

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