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Baustelle Güterverkehr Deutsche Bahn will 2100 Stellen streichen

Mit weniger Mitarbeitern und 215 geschlossenen Verladestellen soll die Güterverkehrstochter der Bahn mehr Einnahmen erzielen. Konzernchef Grube riskiert einen Machtkampf.

Der Vorstand der Deutschen Bahn (DB) steuert auf einen handfesten Konflikt mit dem Konzernbetriebsrat und der Verkehrsgewerkschaft EVG zu. Nach unbestätigten Gerüchten über den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Anlagen bei der Schienengüterverkehrstochter Cargo gibt es nun erstmals konkrete Pläne der DB, die der "Welt" vorliegen. Demnach sollen zur Sanierung der chronisch schwächelnden Sparte rund 2100 Stellen gestrichen werden. Außerdem ist vorgesehen, 215 sogenannte Güterverkehrsstellen aufzugeben.

Zuvor hatten noch höhere Zahlen die Runde gemacht. Unter anderem kursierte Pläne über einen Abbau von bis zu 2600 Mitarbeitern und die Schließung von rund 500 Güterverkehrsstellen. DB Cargo hat in Deutschland derzeit rund 17.500 Beschäftigte und fährt im Schienengüterverkehr hierzulande rund 1500 Verladestellen an.

Das jetzt vorliegende Sanierungskonzept ist den Arbeitnehmervertretern am Dienstagabend erstmals vorgelegt worden. Die hatten im Vorfeld gegen jeden Abbau bei DB Cargo Front gemacht und dagegen heftigen Widerstand angekündigt.

Der Schienengüterverkehr ist bei vielen Staatsbahnen in Europa ein Sanierungsfall. Die Sparten leiden neben ineffizienten Strukturen unter der Konkurrenz der Lkw-Spediteure, die aktuell von den niedrigen Dieselpreisen profitieren. DB Cargo hatte allein im vergangenen Jahr im operativen Geschäft einen Verlust von 184 Millionen Euro eingefahren und den Gesamtkonzern insgesamt in finanzielle Schieflage gebracht.

Sonderabschreibungen sorgen für Milliardenloch

Unterm Strich hat der DB-Konzern für 2015 ein Minus von 1,3 Milliarden Euro gemacht – vor allem aufgrund von Belastungen, die aus dem Schienengüterverkehr herrühren. Sonderabschreibungen bei der DB Cargo auf Unternehmenskäufe sind ein Hauptgrund für das Milliardenloch bei der Bahn und den ersten Verlust des Unternehmens seit über zehn Jahren.

Angesichts der angespannten Lage hat Konzernchef Rüdiger Grube der Sorgensparte nun eine Rosskur verordnet mit dem Ziel, bereits in etwas mehr als zwei Jahren im Schienengüterverkehr wieder Gewinn zu machen. Bis dahin sollen die beiden entscheidenden Schwachpunkte der DB Cargo behoben sein: die mangelnde Qualität der Transportleistung und die zu hohen Kosten, wie es im Management heißt.

Noch ist die DB Cargo trotz eines steten Verlusts von Marktanteilen die größte Schienengüterbahn Europas. "Wenn wir nicht gegensteuern, sind wir es spätestens 2030 nicht mehr", heißt es im Unternehmen. Die Position wolle man aber nach Kräften verteidigen.

Ziel des Sanierungsplan ist es, dass die Sparte in den kommenden fünf Jahren ein Prozent stärker als der Gesamtmarkt wächst, also Marktanteile zurückerobert und ab Ende 2018 wieder Geld verdient. Die mittelfristige Planung sieht vor, den Umsatz bis 2020 um 700 Millionen Euro auf 5,5 Milliarden Euro zu steigern.

Damit soll ein Gewinn vor Zinsen und Steuern von 200 Millionen Euro erwirtschaftet werden. In den vergangenen Jahren hat die Bahn gegenüber den Konkurrenten schrittweise an Boden verloren und Aufträge abgeben müssen. Der Marktanteil der DB Cargo ging deutschlandweit in den zurückliegenden fünf Jahren um zehn Prozentpunkte auf 62 Prozent im Jahr 2015 zurück.

Last-minute-Sparpreis soll neue Kunden locken

Neue Kunden sollen nun unter anderem durch flexiblere Tarife gewonnen werden. Nach den Plänen sollen unter Hoheit des Vertriebs freie Kapazitäten in den Güterzügen besser genutzt werden, indem sie bis zuletzt besser erfasst und mit besonders günstigen Preisen angeboten werden.

"Vorstellbar wäre eine Art 19-Euro-Ticket auch im Güterverkehr", heißt es im Unternehmen. Daneben sollen durch Entlassungen und die Schließung von Güterverkehrsstellen, an denen die Züge beladen werden, die Fixkosten runter. Die 215 nach Plänen des Vorstandes betroffenen Anlagen seien zu klein und nicht rentabel, heißt es. Es seien vor allem kleine Abfertigungspunkte, an denen oft nur einzelne Wagen abgeholt werden. Sie stünden für lediglich 0,4 Prozent des Güterbahn-Umsatzes in Deutschland.

Darüber hinaus will der Vorstand die Produktivität der Lokführer steigern. Die fahren unter den bestehenden Bedingungen nur die Hälfte ihrer Arbeitszeit tatsächlich Zug. Die andere Hälfte ist mit Arbeitsvorbereitung oder dem Warten auf die Abfahrt wegen Verzögerungen verbunden.

Bahngewerkschaft EVG kündigt Widerstand an

Der Vorstand hat nun Pläne, wonach die Lokführer bei absehbaren Verspätungen flexibler reagieren und entsprechend später zum Dienst erscheinen sollen. Außerdem sollen die Lokführer längere Strecken fahren, denn das ist rentabler. Für die Mitarbeiter wäre das mit mehr Zwischenübernachtungen verbunden.

Das Konzept dürfte die Arbeitnehmervertreter erneut massiv reizen. EVG-Chef Alexander Kirchner hatte bereits gegenüber allen Schrumpfungsplänen bei DB Cargo Widerstand angekündigt: "Wir hören derzeit vom Management nur noch: Sparen, Streichen, Schrumpfen. So sieht kein Zukunftskonzept aus", wird er in einer EVG-Pressemitteilung zitiert.

DB Cargo sei "auf dem völlig falschen Gleis unterwegs". Die Gewerkschaft erwarte, "dass der Vorstand seine Geisterfahrt beendet und endlich einen Kurs einschlägt, der in die Zukunft weist". Kirchner fordert eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung von DB Cargo und "eine Unternehmensstrategie, die auf Wachstum und auf mehr Beschäftigung basiert".

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