Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Wirtschaftsweise Aufschwung verliert leicht an Tempo

Die fünf Wirtschaftsweise mussten ihre Jahresprognose nach unten korrigieren. Schuld ist die Lage an den Exportmärkten. 

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland verliert nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen wegen der Abkühlung in China und anderen Exportmärkten etwas an Tempo.

Der Sachverständigenrat korrigierte am Mittwoch seine Prognose für dieses Jahr leicht nach unten. Die fünf Top-Ökonomen rechnen nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent, zuletzt waren sie von 1,6 Prozent ausgegangen. Folgen durch die Terroranschläge in Brüssel erwarten die Experten nicht.

"Die Konjunkturaussichten werden dadurch nicht nichtig", sagte der Vorsitzende des Beratergremiums, Christoph Schmidt, in Frankfurt am Main. "Aber sie lassen das, was wir hier diskutieren, verblassen."

Export als Wachstumsmotor fällt aus

Vor allem die Konsumausgaben der Verbraucher und auch die Ausgaben des Staates für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge sowie die gute Lage am Arbeitsmarkt treiben die Konjunktur demnach an. Der Export dürfte als Wachstumsmotor hingegen ausfallen. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft dann etwas stärker um 1,6 Prozent zulegen.

Die Ökonomen gehen weiterhin davon aus, dass die Ausgaben für die Flüchtlinge in diesem und im nächsten Jahr ohne neue Schulden gestemmt werden können. Die Mehrausgaben einschließlich Verwaltungsausgaben schätzen die Experten auf 13,7 Milliarden Euro 2016 und auf 12,9 Milliarden Euro im kommenden Jahr.

Auf dem Arbeitsmarkt wird sich der Flüchtlingszustrom erst im kommenden Jahr stärker bemerkbar machen. Derzeit führten Engpässe bei den Asylverfahren zu erheblichen Verzögerungen bei der Arbeitsmarktintegration, erklärten die Ökonomen. In diesem Jahr dürfte die Zahl der Jobsucher nur leicht auf etwas über 2,8 Millionen steigen. 2017 könnte sie sich der 3-Millionen-Marke annähern.

Konsumfreude bei Verbrauchern

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresanfang gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent gewachsen. Dieses hohe Tempo werde sie aber "im weiteren Jahresverlauf nicht ganz halten können", sagte das DIW voraus.

Am Laufen gehalten wird die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen vor allem durch die Konsumfreude der Verbraucher. Sie haben dank der niedrigen Inflation und Tarifabschlüssen, die voraussichtlich auch in diesem Jahr über der Preissteigerungsrate liegen, mehr im Portemonnaie.

In diesem Jahr rechnen die Experten wegen des Ölpreisverfalls mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von nur 0,3 Prozent. 2017 sollte die Inflation auf 1,4 Prozent anziehen. Sie läge damit weiter unter der von der Europäischen Zentralbank angestrebten Marke von knapp 2 Prozent. Im Kampf gegen die Mini-Inflation im Euro-Raum hatten die Währungshüter erst kürzlich ihre Geldflut massiv ausgeweitet und den Leitzins im Euroraum auf null Prozent gesenkt.

Geldflut könnte Reformdruck mindern

Die Wirtschaftsweisen sehen dies mit Sorge. "Die lockere Geldpolitik kann erhebliche Nebenwirkungen haben", sagte Ökonomin Isabel Schnabel. Sie setze die Profitabilität der Banken immer stärker unter Druck und mindere den Reformdruck in Europa. "Die EZB hat deutlich stärker reagiert als in der Vergangenheit, das ist schon begründungswürdig", ergänzte der Wirtschaftsweise Volker Wieland. Die Gefahr einer gefährlichen Deflation - also einer Spirale sinkender Preise, die die Konjunktur abwürgen kann - sehen die Wirtschaftsweisen nicht.

Geringere Impulse für die exportorientierte deutsche Wirtschaft als noch im Herbst erwarten die Experten aus dem Ausland. Die Konjunkturabkühlung in China und den übrigen Schwellenländern dürfte etwas stärker ausfallen als zuletzt angenommen. Zudem entwickele sich die Konjunktur in einigen großen Industrieländern, wie Japan und dem Großbritannien, etwas schwächer als prognostiziert.

Risiken für die Konjunktur sehen die Experten in der Wiedereinführung von Grenzkontrollen wegen des Flüchtlingszustrom. Sollten die Personenkontrollen im Schengen-Raum für längere Zeit fortbestehen, würde der Warenverkehr innerhalb Europas behindert, warnte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - wie das Gremium offiziell heißt. "Entscheidend ist die Dauer der Maßnahmen", sagte Ökonom Schmidt. Der volkswirtschaftliche Schaden lasse sich aber nicht beziffern, ebenso wenig wie ein möglicher Austritt Großbritanniens (Brexit) aus der Europäischen Union.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
 
 
Mehr Artikel aus dem Ressort Wirtschaft
Der Deutsche Aktienindex (DAX) zeigt die Wertentwicklung der größten deutschen Unternehmen. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration
Börse in Frankfurt
DAX: Schlusskurse im Späthandel am 29.09.2016 um 20:31 Uhr
Fußgänger in München. Die bayerische Landeshauptstadt hat im IW-Städteranking die Nase vorn.
"München ist außergewöhnlich"
Deutschlands beste und teuerste Großstadt
Der Deutsche Aktienindex (DAX) zeigt die Wertentwicklung der größten deutschen Unternehmen. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration
Börse in Frankfurt
DAX: Schlusskurse im XETRA-Handel am 29.09.2016 um 17:56 Uhr
Seit Jahrzehnten streitet Donald Trump mit «Forbes» um die Höhe seines Vermögens. Foto: Michael Reynolds
800 Millionen Dollar Schwund
Trump rutscht in "Forbes"-Reichenliste ab
Gegenüber August stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,1 Prozent. Foto: Marius Becker
Teuerungsrate bei 0,7 Prozent
Inflation zieht auf niedrigem Niveau an
Ein Mitarbeiter eines Pressenherstellers prüft Exzenterräder. Foto: Marijan Murat/Illustration
Wieder in Schwung
Maschinenbauer machen im August wieder bessere Geschäfte
Der Deutsche Aktienindex (DAX) zeigt die Wertentwicklung der größten deutschen Unternehmen. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration
Börse in Frankfurt
DAX: Kurse im XETRA-Handel am 29.09.2016 um 13:05 Uhr
Ein Lieferroboter im Einsatz. Foto: Rolf Vennenbernd/Illustration
15 Euro für Expresszustellung
Media-Markt testet Roboter zur Warenlieferung
Der Offshore-Windpark Butendiek liegt etwa 30 Kilometer vor der Insel Sylt. Foto: Daniel Reinhardt
Netzausbau muss Schritt halten
Mehr als doppelt so viel Windstrom aus der Nordsee
Nun will auch die Commerzbank massiv Personal kürzen.
Commerzbank streicht 9600 Jobs
Jede fünfte Vollzeitstelle fällt weg
Der private Konsum stützt die deutsche Konjunktur. (Themenbild)
Deutsche kaufen ein
Konjunkturprognose für 2016 deutlich angehoben
Die Commerzbank plant angesichts der schweren Branchenkrise den Wegfall von rund 7300 Vollzeitstellen. Foto: Frank Rumpenhorst
Reaktion auf Zinstief
Commerzbank will Tausende Stellen streichen
Lässt sich der türkische Präsident überzeugen? Der Zeitpunkt sei günstig, um in die Geschäfte der Deutschen Bank einzusteigen.
Türkei erwägt Deutsche-Bank-Einstieg
"Würde es Sie nicht glücklich machen?"
Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 5,9 Prozent in Deutschland.
Bundesagentur für Arbeit
Arbeitslosigkeit fällt auf tiefsten Stand seit 25 Jahren
Credit Suisse - auch diese Bank war wegen des Verkaufs fauler Hypothekenpapiere ins Visier der US-Behörden geraten.
Schweizer Großbank will außergerichtliche Einigung
Credit Suisse verhandelt über Deal im US-Hypothekenstreit
Verbrennungsmotoren sind ein Auslaufmodell, finden die Grünen.
Vorstoß der Grünen
Ab 2030 sollen nur noch E-Autos zugelassen werden
Elektro-Volkswagen an einer Stromtankstelle. Foto: Sebastian Gollnow/Archiv
Reichweite soll steigen
Autohersteller feilen an nächster Elektroauto-Generation
Die Mitgliedstaaten der Opec liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven.
Teure Richtungsänderung
Opec-Staaten beschließen die Öl-Drosselung
Ein Mitarbeiter einer Firma für Zeitarbeit wirbt um Fachkräfte. Foto: Christian Charisius/Archiv
Keine Trendwende in Sicht
Herbstaufschwung drückt Arbeitslosigkeit im September
Geldfach einer Ladenkasse: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland könnte noch stärker ausfallen als bisher erwartet. Foto: Jens Büttner/Archiv
Konsum stützt die Wirtschaft
Institute: Moderates Wirtschaftswachstum und mehr Jobs