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Billigprodukte statt Tausend-Euro-Keule Wie die Schinken-Mafia die Verbraucher täuscht

Das Nischengeschäft mit edlem, iberischen Eichelschinken boomt. Eine Keule kann sogar Tausende Euro kosten. Doch das macht die Delikatesse aus Spanien auch für Betrüger attraktiv.

Klasse statt Masse. Mit diesem Motto sind die iberischen Produzenten von Luxusschinken schon immer gut gefahren. Seit einigen Wochen gibt es sogar einen spanischen Schinkenweltmeister. Auf der Biofachmesse in Nürnberg, der wichtigsten Messe für Biolebensmittel, wurde im Februar der Schinken von Eduardo Donato, einem Produzenten aus dem andalusischen Huelva zum weltbesten "Jamón" gekürt. Das ist vergleichbar mit dem Oscar der Biobranche, so die spanische Tageszeitung "El País".

Der Bellota-Schinken des 67-Jährigen stammt von einer besonders edlen, getupften Unterrasse des schwarzborstigen iberischen Schweins. Dessen Schinken ist nicht zu verwechseln mit dem Serrano-Schinken, den es mittlerweile in jedem Supermarkt gibt und der vom gewöhnlichen weißen Hausschwein stammt.

In der Branche wird Donatos Schinken jetzt als der "Diamant unter den iberischen Eichelschinken" gehandelt. Eine Keule kostet 4100 Euro. Donato verkauft nur 80 Bio-Keulen pro Jahr und ärgert sich darüber, dass alle Zeitungen nur schreiben, er produziere den teuersten Schinken der Welt.

Denn der hohe Preis habe seinen Grund: Während die Konkurrenz ihre Schweine nur 14 bis 18 Monate auf den Weiden voller Stein- und Korkeichen grasen lasse, dürften Donatos edle Exemplare gleich drei Jahre auf den Wiesen nach Eicheln und Kräutern suchen. Der Schinken reife weitere sechs Jahre bis zur Auslagerung. Donato zieht es deshalb vor, nicht vom teuersten, sondern vom wertvollsten Schinken der Welt zu sprechen. "Da stecken Jahre von Hingabe und Geduld drin", so der Spanier.

Mit dem Edelschinken wird betrogen

Der Erfolg und vor allem die hohen Preise für den herkunftsgeschützten iberischen Eichelschinken haben schon so manchen Betrüger auf den Plan gerufen. So hat die Guardia Civil vor wenigen Tagen in Salamanca einen Mann verhaftet, der 1400 Ferkel, die nur zu 50 Prozent iberische Ferkel waren, als völlig reinrassige Exemplare ausgeben wollte. Ein bestochener Tierarzt lieferte die erforderlichen Zertifikate aus. "Ich bin froh, dass der Schwindel aufgedeckt wurde, denn das schadet der Branche ungemein", sagte Miguel Angel Higuera vom spanischen Dachverband für Schweinerassen, Anprogapor.

Schon in der Vergangenheit hatte es oftmals Etikettenschwindel gegeben, das Nachsehen hatte der Verbraucher. Zur Weihnachtszeit wurde beispielsweise gewöhnlicher, nicht einmal luftgetrockneter Schinken auf Internetportalen als Bellota-Schinken für 99 Euro die Keule angeboten.

Um dem Treiben ein Ende zu bereiten, erließ Spaniens Regierung im März 2014 ein Dekret, auf das sich die Züchter berufen können. Es regelt Aufzucht und Ernährung und unterteilt den iberischen Schinken in vier Sorten, die als Herkunftsbezeichnungen von der EU anerkannt werden. Nur ein Schwein, das tatsächlich bellotas, also Eicheln, frisst, darf dem Bellota-Schinken seinen Namen geben.

Die Qualitätsstandards sind hoch: Die Schweine müssen freilaufend sein und viel Platz haben, etwa einen Hektar pro Exemplar. Auch die Herkunft des Schinkens, der sich Jamón de Bellota nennen darf, ist genau festgelegt. Er kommt in der Regel nur aus wenigen Regionen in der Gegend von Salamanca und Extremadura.

Preise für Schweinefleisch sind im Keller

Mit der Massenzucht des Hausschweins hingegen ist in Spanien derzeit kein Geld mehr zu machen. Zwar lief das Geschäft in den letzten Jahren noch recht gut, in der schweren Wirtschaftskrise gab es sogar Ratschläge im Internet, wie man am besten eine Schweinefarm aufzieht. Das fruchtete offenbar: In Spanien gibt es fast 90.000 Schweinezüchter. Das Land ist zum größten Produzenten in der EU avanciert und hat sogar Deutschland vom ersten Platz vertrieben.

Doch mittlerweile sind die Preise für Schweinefleisch in den Keller gefallen. "Die Kosten für die Aufzucht eines Schweins, das 100 Kilogramm wiegt, liegen bei 105 bis 110 Euro, aber unsere Landwirte bekommen nur 85 Euro dafür", beschreibt Higuera die Not der Bauern.

An Eduardo Donato mit seinen edlen Schweinen ist die Krise hingegen völlig vorbeigezogen. Mit seinem preisgekrönten Schinken hat er sich bereits einen Kundenstamm von Paris bis Hongkong erschlossen. Jetzt will Donato mit seiner Tochter Marta neue Märkte erschließen. Er ist zuversichtlich: "Am Ende setzt sich Qualität eben immer durch."

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