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Test in Berlin Amazon liefert Pakete in zwei Stunden

Amazon hat einen Testlauf für ein neues Versandsystem gestartet. Der Online-Händler will die Pakete innerhalb von zwei Stunden ausliefern. Zunächst kommen aber nicht alle Kunden in den Genuss.

Stadtkuriere haben keinen einfachen Job. Sie jagen mit dem Fahrrad oder Kleinwagen durch die Innenstädte, werden oftmals von Autofahrern angefeindet, und der Empfänger ihrer Sendung reagiert längst nicht in jedem Fall voller Freude auf die Zustellung.

Zumindest in diesem Punkt könnte die Arbeit für Amazon anders sein: Wer als Kurier die Ware eines Online-Händlers beim Kunden abgibt, dürfte schon ab und zu erleben, dass sich der Kunde über die rasche Lieferung freut.

Demnächst wird das weltgrößte Internetkaufhaus Amazon zahlreiche derartige Kurieraufträge vergeben, denn Amazon baut nach Informationen der "Welt" in Berlin die Zustellung innerhalb von zwei Stunden auf. Und wie es üblich ist in dem US-Konzern, werden die Zustellaufträge erst einmal an fremde Firmen vergeben – an Kurierfirmen, die bereits zu Hunderten in Berlin arbeiten.

Im Auftrag von Amazon wird gerade ein Geschäftshaus am Berliner Kurfürstendamm zu einem Lager umgebaut, wie verlässliche Informationen von Transportfirmen der Stadt belegen. Das Gebäude beherbergte vor einiger Zeit einen Elektrogroßmarkt und steht an zentraler Stelle.

Einziehen soll dort ein Warenlager mit mehr als 10.000 Artikeln aus dem Amazon-Angebot. Möglich wird eine so hohe Zahl durch die sogenannte chaotische Lagerung: Dabei ist eine strikte Sortierung nicht notwendig, weil Computerprogramme das Auffinden aller Artikel übernehmen.

Neuer Service soll im Mai starten

Amazon selbst bestätigt die Pläne nicht, dementiert sie aber auch nicht. "Es gibt aktuell keine Ankündigungen dazu von uns", beantwortet ein Firmensprecher die Frage nach dem Berliner Projekt. Von dem Standort in Berlins bester Lage aus sollen ab Mai Kurierfahrer die Zustellung in der Stadt übernehmen, und zwar an sechs Tagen in der Woche mit zunächst jeweils zehn Fahrern in zwei Schichten.

Amazon will seinen Kunden die Lieferung der Bestellung an eine Stadtadresse oder den Arbeitsplatz innerhalb von zwei Stunden zusagen. Das Angebot richtet sich an "Prime Now"-Kunden, die mit ihrer Lieferpauschale die Zustellgebühr bereits bezahlt haben. Übersetzt heißt es etwa "das Beste jetzt".

Selten war der Transport in Deutschland von derart viel Innovation geprägt wie jetzt gerade. Denn nur auf den ersten Blick geht es bei dem neuen Angebot um ein höheres Tempo in der Zustellung. Beim zweiten Hinsehen wird klar, welche Ziele Amazon verfolgt und wie dies den gesamten deutschen Paketmarkt verändern wird.

Der Online-Händler baut sich Stück für Stück eine eigene Zustellung auf, ohne dafür eine neue Firma gründen oder viel Geld in Infrastruktur und Mitarbeiter investieren zu müssen. Die meisten Sendungen von Amazon fährt bislang die Posttochter DHL aus, sie wird Aufträge verlieren.

Warenlager in den Innenstädten

"Zum Ausliefern von Paketen muss ich heute keinen eigenen Paketdienst haben", sagt Horst Manner-Romberg, Chef der Beratungsfirma MRU in Hamburg. Den Weg gehen auch andere große Online-Händler. Sie bauen sich Warenlager in den Innenstädten auf und nehmen statt der großen Paketzusteller Stadtboten oder Kuriere für die Ablieferung. Derartige Dienstleistungen lassen sich bequem am Markt einkaufen. Das Geschäftsrisiko tragen dann andere.

Vor allem aber bindet Amazon mit immer neuen Service-Angeboten Kundschaft an sich: Filme oder Musik aus dem Internet herunterladen oder Pakete morgens bestellen und sie vormittags bekommen zu können – all das sichert die Treue der Käufer.

Zum Vergleich: Traditionsversandhäuser wie Otto bieten ihren Online-Kunden eine Zustellung zum Wunschtermin an und verzichten auf die Auslieferung am selben Tag als Standardangebot. Angeblich hat der Kunde gar keinen solchen Bedarf.

Doch Amazon tickt anders: Der Internethändler bietet "Same Day Delivery", die Zustellung am Bestelltag, einfach an und schafft darüber ein Bedürfnis und eine Verhaltensänderung in seiner Klientel. Die Verkürzung auf zwei Stunden ist nur der nächste logische Schritt des amerikanischen Unternehmens.

Kooperation mit mehreren Paketdiensten

Für all das nimmt Amazon viel Geld in die Hand: Im Jahr 2014 hat der US-Konzern weltweit mehr als acht Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro) für die Zustellung ausgegeben, aber nur gut vier Milliarden Dollar von den Kunden als Zustellgebühr eingenommen. Genau dieses Verhältnis aus Logistikkosten und Zustelleinnahmen will Amazon verbessern.

In jedem Land arbeitet der Online-Händler mit mehreren Paketdiensten zusammen, in Deutschland sind dies Deutsche Post/DHL, DPD, Hermes und zahlreiche mittelständische Lieferdienste. Die Logistikmanager bei Amazon sind nun davon überzeugt, dass sie vieles besser und günstiger organisieren können als die Paketzusteller vor Ort.

Hinzu kommt, dass die Paketlogistik zum wichtigsten Teil des Marketings geworden ist – von der Bestellung über die Abrechnung bis zur Retoure, der zurückgeschickten Ware, reicht die Kette.

Es gibt aber noch einen anderen wichtigen Grund für Amazon, selbst zum Logistikanbieter zu werden: Das Internetkaufhaus ist so groß geworden, dass zumindest in Spitzenzeiten die beauftragten Paketdienste nicht mehr alle Zustellungen bewältigen können.

Amazon beherrscht 25 Prozent des Online-Handels

Amazon beherrscht in Deutschland nach Schätzungen von Marktkennern 25 Prozent des gesamten Online-Handels, Tendenz stark wachsend. Wenn also bestimmte Dienstleistungen nicht funktionieren oder die Paketmengen in gewissen Zeiten zu groß werden, übernimmt Amazon dies in eigener Regie.

Genau deshalb hat der Konzern jüngst in den USA Flugzeuge gemietet, exakt darum baut das Unternehmen sich in den Städten eine eigene Auslieferung auf.

Um die enormen Schwankungen mit einer Zahl zu beschreiben: Der US-Konzern beschäftigt in seinen Logistikzentren in Deutschland nach eigenen Angaben rund 10.000 Mitarbeiter. Damit aber zum Beispiel das Weihnachtsgeschäft einigermaßen glatt läuft, kommen in der Zeit noch einmal etwa 10.000 Saisonkräfte hinzu.

Langfristig wird sich die Arbeit im deutschen Paketmarkt anders verteilen: Klassische Paketdienste wie Deutsche Post/DHL, DPD, Hermes oder auch GLS und UPS werden nicht im vollen Umfang am Zuwachs der Online-Bestellungen teilhaben oder gar weniger Sendungen zustellen.

Diese Unternehmen sind es gewohnt, sämtliche Schritte in der Paketzustellung selbst zu übernehmen: von der Abholung eines Paketes beim Händler über die Sortierung und bis hin zur Auslieferung im ganzen Land an den Haustüren der Besteller.

Kurierdienste können sich über Aufträge freuen

Amazon ist dabei, Teile dieser Kette in die eigene Verantwortung zu übertragen. Profitieren von diesem Wandel werden Kuriere und Lieferdienste, die gerade zahlreich gegründet werden.

Für die Post- und Paketzusteller ist der Markt für Sendungen an Privatkunden das Zukunftsfeld schlechthin. Dieses Geschäft wird sich von 2015 bis 2025 etwa verdoppeln, schätzt der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP) in Berlin.

Derzeit teilen die traditionellen Paketdienste diesen Markt fast vollständig unter sich auf. Auf der anderen Seite stehen die Internethändler: Schon heute entfallen 40 Prozent der Sendungsmengen auf die zehn größten Unternehmen – und diese Konzentration dürfte sich fortsetzen.

"Der wichtigste Trend derzeit ist, dass Online-Händler in den Ballungsräumen die Zustellung ihrer Sendungen über lokale Kurierdienste selbst organisieren", sagt Andreas Schumann, der Vorsitzende des BdKEP. Sein Verband schätzt, dass sie in wenigen Jahren auf einen Anteil von 20 Prozent kommen werden. Das klassische Paket mit bundesweit einheitlichen Preisen ist für ihn ohnehin "ein Auslaufmodell".

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