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Minuszinsen Wie Bankkunden unter der Politik der EZB leiden

Die Minuszinsen machen es Banken schwer, Geld zu verdienen. Leidtragende sind die Kunden, die für ihre Konten Gebühren bezahlen sollen. Doch noch mehr wird sich ändern.

Diese zwei Damen könnten unterschiedlicher kaum sein, und dennoch passt kein Blatt zwischen sie: Die beiden obersten Bankenaufseherinnen Europas, Sabine Lautenschläger und Danièle Nouy. Die Französin Nouy ist klein und zierlich, mit einem strengen Blick. Lautenschläger hingegen hat ein weiches Gesicht und lächelt warm. Die zwei brauchen sich nur anzusehen und verstehen sich sofort.

Zu den hiesigen Finanzinstituten sind sie fair, aber auch gnadenlos: Obgleich die Banken mit den Minuszinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) kämpfen und es für sie immer schwieriger wird, Geld zu verdienen, haben diese zwei Frauen kaum Mitleid mit ihnen: Die Geldhäuser müssten sich anpassen und endlich von ihren hohen Kosten runter, machten sie am vergangenen Mittwoch unmissverständlich klar.

Die Deutsche Sabine Lautenschläger (l.) und die Französin Danièle Nouy sind die obersten Bankenaufseherinnen Europas. (Foto: Getty Images)

Diese Botschaft haben nicht nur die Geldhäuser schmerzvoll vernommen. Auch für die Kunden sind das denkbar schlechte Nachrichten. Denn letztlich sind sie es, die in Form von höheren Gebühren und weniger Filialen dafür büßen müssen. Und das, obwohl sie ohnehin schon durch die bröckelnde Altersvorsorge unter den Minuszinsen leiden.

"Aufgrund der schwierigen Ertragslage werden deutsche Institute immer mehr dazu übergehen, für bisherige Gratisleistungen Gebühren zu verlangen. Zudem sei denkbar, dass Geldhäuser für Kredite höhere Zinsen verlangen", sagt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). "Der Kunde insbesondere als Altersvorsorgesparer ist der große Leidtragende der EZB-Politik." Und das betrifft keineswegs nur die der genossenschaftlichen Institute.

Immer mehr Filialen werden geschlossen

So denkt man bei der Postbank über die weitere Bepreisung von Dienstleistungen rund um das Girokonto nach. Vor gut einem Jahr hatte das Bonner Institut bereits eine Gebühr von 99 Cent für Papierüberweisungen eingeführt. Mit institutionellen Kunden wie Vermögensverwaltern und Krankenkassen führe man zudem "individuelle Gespräche", wie die Marktzinsen weitergegeben werden könnten, sagte der Vorstandsvorsitzende Frank Strauß.

In den vergangenen Monaten erhöhten auch viele Sparkassen die Preise rund um das Girokonto. So kosten auch hier bei vielen Instituten Papierüberweisungen mittlerweile mehr als Online-Überweisungen. An der Gebührenschraube von Kreditkarten wurde ebenfalls vielerorts gedreht. Langfristig ist zudem zu befürchten, dass die Zinsen für Kredite steigen werden.

Ähnliches konnte in der Schweiz beobachtet werden, wo ebenfalls eine lange Dauerniedrigzinsphase herrscht und die Institute so versuchten, ihre erodierenden Erträge zu stärken. "Indem die negativen Zinssätze die Ertragskraft der Banken unter Druck setzen, belasten sie die Kreditvergabe der Banken und damit die inländische Nachfrage", warnt auch David Folkerts-Landau, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank.

Auch Selbstbedienungsstellen schließen

Hinzu kommt, dass der gestiegene Kostendruck die Institute zwingt, ihr Filialnetz zu überprüfen. Still und leise verschwinden immer mehr Anlaufstellen. Auch bei den Sparkassen, die bisher besonders mit ihrer Nähe zum Kunde punkteten, wurden im vergangenen Jahr bereits 450 Filialen geschlossen, Ende Dezember waren es bundesweit noch 14.450 – inklusive jener Adressen, an denen Kunden keine Mitarbeiter, sondern lediglich Selbstbedienungsterminals vorfinden. "Es findet eine Anpassung statt, und diese Anpassung wird weitergehen", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon.

Die Volksbanken schließen ebenfalls immer mehr Filialen. Im vergangenen Jahr waren es 500 Bankstellen. "Ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, zumindest für die nächsten zwei Jahre", sagt Fröhlich. Vor allem kleinere Filialen würden verschwinden.

Auch die Geschäftsbanken nehmen schmerzhafte Einschnitte vor: Die HypoVereinsbank (HVB) hat ihr Filialnetz nahezu halbiert, die Deutsche Bank plant ebenfalls, bis zu 220 Filialen in Deutschland zu schließen. "Ich hoffe, dass wir uns bis Mai mit den Arbeitnehmervertretern einigen", sagte Christian Sewing, im Vorstand zuständig für Privat- und Firmenkunden, vor wenigen Wochen in einem Interview.

"Gelingt uns das, wollen wir im dritten Quartal 2016 damit beginnen, Filialen zu schließen." Derzeit hat das Frankfurter Institut 723 Filialen in Deutschland und will die Zahl bis Ende des kommenden Jahres auf etwa 500 senken.

Veränderte Kundenbedürfnisse, aber...

Damit weitet sich das Filialsterben immer mehr aus. Schon in den vergangenen Jahren hat die Dichte der Bankniederlassungen deutlich abgenommen. Für Ende 2004 wies die Deutsche Bundesbank bundesweit noch rund 45.000 Anlaufstellen aus, zehn Jahre später waren es nur noch 35.000.

Bereits heute müssten Bankkunden in Ostdeutschland im Schnitt vier Kilometer weiter zur nächsten Bankfiliale fahren als im Westen der Republik. Im Osten teilen sich demnach durchschnittlich 3700 Kunden eine Filiale, im Westen 2500. Laut der Förderbank KfW könnte sich die Zahl der Filialen in den kommenden 20 Jahren fast halbieren.

Der Trend zu Filialschließungen ist allerdings nicht nur ein Resultat der schwierigen Zinslandschaft, sondern auch eine Folge der zunehmenden Digitalisierung und den veränderten Kundenbedürfnissen. Diese erledigen mittlerweile viele Bankgeschäfte online.

Allerdings zeigen Befragungen, dass vielen Menschen eine Filiale weiterhin sehr wichtig ist und sie das Verschwinden der Anlaufstellen keineswegs kaltlässt, weswegen die Institute lange Zeit mit diesem Schritt zögerten. Erst die Niedrigzinsen machten diesen wohl unumgänglich.

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