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Älteste Spur in Deutschland Wie ein Dortmunder einen Ursaurierabdruck entdeckte

Es sind mit 316 Millionen Jahren die ältesten Saurierspuren Deutschlands. Ein glücklicher Zufall führte den Finder zu ihnen - und dann stand auch noch die Sonne richtig.

Weil Sven Hoffmann genauer hinschaute als andere, hat das Ruhrgebiet eine neue geologische Sensation: In einem stillgelegten Steinbruch nur unweit eines Weges, auf dem sich an Sommertagen zahlreiche Spaziergänger tummeln, entdeckte er die bisher älteste Wirbeltierfährte Deutschlands. Er hatte sich nur die Füße vertreten wollen, ging etwas abseits des Spazierpfads. "Ich gucke einmal, ich gucke zweimal: Das muss ein Fährtenabdruck sein", erinnert sich Sven Hoffmann an den Tag im vergangenen Spätsommer.

Er irrte sich nicht. Heute weiß man: Der Abdruck stammte vom einem hausschweingroßen Ursaurier. Die Fährte war noch im ursprünglichen Gestein erhalten. So konnten die Forscher genau bestimmen, wann das Tier seinen etwa 20 Zentimeter langen Fußabdruck im Morast am Ufer eines urzeitlichen Flusses zurückließ. Saurier-Expertin Daniela Schwarz-Wings vom Museum für Naturkunde in Berlin: "Das ist wissenschaftlich bedeutend, weil es zeigt, welche Verbreitung diese Tiere in Europa hatten" - und vor allem wie lange schon: mindestens 316 Millionen Jahre.

Monatelang hielt man den Fund geheim, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, bis nach dem Winter eine Bergung möglich sein würde. Am Montag wurden die Steinplatten aus dem Bruch geborgen. Mitarbeiter einer spezialisierten Gartenbaufirma platzierten dafür Sprengstoff im uralten Gestein.

"Halleluja, dass das Ding so heil geblieben ist", sagt der zuständige Gärtnermeister Stefan Voigt, nachdem die Platte auf weichen Matratzen gelandet war. Unter den Augen von Pressevertretern und Wissenschaftlern wuchtet ein großer Kran die tonnenschwere Gesteinsplatte herum, so dass sichtbar wird, was für Laienaugen nur schwer zu identifizieren ist: Uralte Fußabdrücke eines Tieres, von dem Forscher bis heute nicht genau wissen, wie es genau ausgesehen haben mag.

Das Urtier gelte als Bindeglied zwischen Amphibien und Reptilien, berichtet Lothar Schöllmann, Paläontologe vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der den Fund in den nächsten Monaten mit seinem Team aufarbeiten und konservieren wird. Anschließend soll der Fund im Deutschen Bergbaumuseum Bochum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

"Als Vorläufer aller Säugetiere war es also unser Vorfahre", sagt Schöllmann. Für alle, die im zerklüfteten Stein nur mit Fantasie den Fußabdruck ausmachen können, zeichnet er mit dem Finger die Fährte nach. Insgesamt sieben solcher Abdrücke sind über Millionen Jahre im Stein erhalten geblieben.

"Die Sonne stand günstig an dem Tag, als ich die Spuren gefunden habe - sie waren richtig schön angeleuchtet und dadurch klar zu erkennen", sagt Finder Sven Hoffmann. Anders als wohl die meisten Wanderer und Radfahrer, deren Blick die Spuren im Gestein bisher gestreift haben mag, hatte Hoffmann viel gelesen über fossile Funde und geologische Besonderheiten. "Ich habe dinosaurierbegeisterte Kinder", erklärt er sein Interesse an altem Gestein. So wusste er, dass das Ruhrtal voll ist von Steinbrüchen, die Einblick geben in die Geschichte unserer Erde und viel erzählen können über die Wesen, die in der Urzeit hier zu Hause waren.

Um herauszufinden, was er da vor sich hatte, schickte Hoffmann ein Foto seiner Entdeckung an den Geologischen Dienst NRW. Die Experten dort erhalten immer wieder Anfragen zu Funden, bestimmen dann Alter und Bedeutung der Steine. In den meisten Fällen hätten die schillernden oder verformten Brocken aber nur einen Wert für den Finder, sagt Geologe Volker Wrede. In diesem Fall sei aber schnell klar gewesen, dass Hoffmann etwas Außergewöhnliches entdeckt habe.

Hoffmann macht es stolz, dass sein wacher Blick den Anstoß für die wissenschaftliche Begeisterung gab. "Ich werde aber jetzt nicht anfangen die ganze Welt umzugraben", sagt er lachend, "So ein Fund wird wohl für mich einmalig bleiben". 

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