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In den USA verboten Warum Transfettsäuren im Essen gefährlich sind

Während es in Deutschland nicht mal einen Grenzwert für künstliche Transfette in Lebensmitteln gibt, sind sie in den USA seit Kurzem verboten. Dabei könnten die Stoffe schädlich sein.

Wenn man Katrin Kuhnt fragt, wie das nun ist mit den Transfetten im Essen in Deutschland, wie groß die Gefahr ist, worauf man achten soll, dann erzählt sie von dem Tag mit dem Fernsehkoch.

Tim Mälzer kam in das Labor von Katrin Kuhnt an der Universität Jena, um zu beweisen, wie gut seine selbst gemachten Pommes sind. Frische Kartoffeln, frisches Frittierfett, was sollte da schiefgehen? Kuhnt ist Ernährungswissenschaftlerin, sie sollte prüfen, ob in Mälzers Pommes industrielle Transfettsäuren stecken.

Diese Fettbestandteile sind gefährlich, wenn man sie zu sich nimmt. Sie können den LDL-Spiegel im Blut erhöhen – LDL ist auch bekannt als "schlechtes Cholesterin" – und damit das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen.

In den USA sind künstliche Transfettsäuren deswegen gerade verboten worden. Die Lebensmittelbehörde gibt den Herstellern noch drei Jahre, um die Fettsäuren vollständig aus Kuchen, Chips und Tiefkühlpizzen herauszubekommen.

Keine Fördergelder 

In Deutschland gibt es kein solches Verbot, es ist auch keines geplant, erfährt man, wenn man bei den Lebensmittelbehörden nachfragt. Es existiert nicht einmal ein Grenzwert für Transfette, wie etwa in Dänemark. Und auch keine Kennzeichnungspflicht. Das sei nicht nötig, erklären die Behörden, denn in Deutschland gebe es, was Transfettsäuren betrifft, gar kein Problem.

Im Fall der Pommes von Tim Mälzer gab es eins. In Kuhnts Labor stellte sich heraus, dass sie voller Transfettsäuren steckten. Das lag am Fett, in dem Mälzer die Kartoffeln frittiert hatte. Mälzer hatte das Fett im normalen Handel besorgt, erinnert sich Kuhnt.

Katrin Kuhnt ist seit einigen Monaten nicht mehr an der Universität Jena, sondern arbeitet jetzt für ein Unternehmen. Jahrelang hat Kuhnt in Lebensmitteln nach Transfettsäuren geforscht. Als sie vor sechs Jahren einen Antrag stellte, um eine umfassende, deutschlandweite Erhebung durchzuführen, bekam sie dafür keine Fördergelder.

Kuhnt und Gerhard Jahreis, mit dem sie lange in Jena forschte, haben dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) viele Daten geliefert, als das Institut klären wollte, ob Transfettsäuren im Essen in Deutschland eine Gefahr sind. Das Institut kam zuletzt vor zwei Jahren zu dem Schluss: keine Gefahr. Kuhnt ist mit der Schlussfolgerung einverstanden. "Aber es gibt wenig Daten", sagt sie.

Werte waren niedriger als vor zwanzig oder dreißig Jahren

Mälzers Versuch ist drei Jahre her, seitdem habe die Lebensmittelindustrie in Deutschland vermutlich ihre Fette weiter verbessert. Es gibt freiwillige Initiativen. Die Untersuchungen von Kuhnt und ihren Kollegen zeigten in den vergangenen Jahren, dass die Transfett-Anteile sinken – in den meisten getesteten Lebensmitteln.

Kuhnt hat auch Gewebe von Herzpatienten und Fett aus Fettabsaugungen in Deutschland untersucht. Die Transfett-Werte waren niedriger als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren. Es deute vieles darauf hin, dass die Lage besser werde, "und so schlimm wie in den USA war es in Europa auch nie".

Trotzdem könnte das mit den Pommes wieder passieren. Ohne Verbote, Grenzwerte, Deklarationspflicht kann nicht mal ein Koch wissen, ob sein Essen frei von Transfettsäuren ist.

Natürliche und industrielle Transfette

Transfettsäuren entstehen entweder in den Bäuchen von Kühen und anderen Wiederkäuern, wenn die Tiere das Gras verdauen. Oder in den Maschinen der Lebensmittelindustrie, wenn dort Pflanzenfette teilweise gehärtet werden. In reinen Pflanzenölen gibt es keine Transfettsäuren.

Die natürlichen Transfette aus den Pansen der Tiere sind in Butter, Milch oder Fleisch enthalten. Die industriellen Transfette können in Margarinen, Pflanzencremes, Backfetten lauern – und den Keksen, Chips, Pizzen und Croissants, in denen diese Fette stecken.

Natürliche Transfettsäuren wirken sich möglicherweise günstig auf den Stoffwechsel aus, sagt Stefan Lorkowski, der den Lehrstuhl für Biochemie und Physiologie der Ernährung an der Universität Jena leitet. Milchprodukte und Fleisch von Wiederkäuern sollten keinesfalls verboten werden. Die industriellen Fettsäuren seien aber ziemlich sicher schädlich. "Ihr Konsum sollte daher möglichst eingeschränkt werden."

In den USA sind nur diese Fettsäuren nun verboten, damit wolle man "Tausende tödliche Herzinfarkte im Jahr" verhindern, schreibt die Food and Drug Adminstration (FDA).

Durchschnittswert bei 0,66 Prozent

Sie habe mit diesem Verbot nicht gerechnet, sagt Birgit Niemann, die sich beim BfR mit Ernährungsrisiken, und neuartigen Lebensmitteln befasst und die Stellungnahme des Instituts zur "Transfettsäureaufnahme in Deutschland" verfasst hat. Aber in den USA sei die Lage womöglich viel schlechter.

Die meisten Mediziner und auch die Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass Transfette zu einer Gefahr für das Herz werden, wenn ein Mensch mehr als ein Prozent seiner Nahrungsenergie aus ihnen bezieht. In Deutschland liegt der Durchschnittswert bei 0,66 Prozent, hat Niemann berechnet.

"Die Aufnahme von Transfettsäuren in Deutschland ist so gering, dass für die Bevölkerung kein gesundheitliches Problem besteht", sagt Niemann. Warum sollte man etwas verbieten, was keine Probleme bereitet?

Wenn man sie fragt, worauf man achten sollte, wenn man sich trotzdem sorgt, sagt sie, man könne Lebensmittel meiden, auf denen stehe, dass sie "teilgehärtete Fette" enthielten.

Hinter diesem Aufdruck könnten sich die gefährlichen Transfette verbergen, sagt Katrin Kuhnt. Oder auch nicht. Ob "durchgehärtete" Pflanzenfette besser für das Herz seien, darüber seien sich Forscher übrigens noch nicht im Klaren.

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