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Nasa setzt auf frische Ideen Mini-Space-Shuttle kann auch in Deutschland landen

Die Zukunft der Raumfahrt gehört aufstrebenden Unternehmen, eines davon ist SNC. Dessen Mini-Space-Shuttle wird mit deutscher Hilfe gebaut und könnte auch in Deutschland landen.

Die Nasa setzt bei der Eroberung des Weltraums noch stärker auf junge und risikobereite Privatunternehmen. Dazu hat die US-Weltraumbehörde neue Milliardenaufträge für künftige Frachtflüge zur "Internationalen Raumstation" (ISS) jetzt nicht an die alteingesessenen Branchenschwergewichte Boeing und Lockheed Martin vergeben, stattdessen wurden drei relativ junge Privatfirmen bedacht.

Neben SpaceX und Orbital ATK bekam erstmals auch die stark wachsende Privatfirma Sierra Nevada Corporation (SNC) einen Zuschlag. Statt mit Versorgungskapseln will SNC mit seinem Modell "Dream Chaser", einer Art Mini-Space-Shuttle, unbemannt Fracht zur ISS fliegen und wieder auf der Erde landen. Mit der Auswahl von SNC und dem "Dream Chaser" bringt die Nasa eine Art wiederverwendbare Raumfahrtdrohne ins Spiel. Der Raumgleiter kann auf jeder gut 2,5 Kilometer langen Piste landen.

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Die Entscheidung zugunsten von SNC hat sogar Folgen für die deutsche und europäische Raumfahrt. Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB hat bereits eine Technikkooperation mit der US-Firma für den Raumgleiter. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat eine Zusammenarbeit vereinbart.

"Nach Studien könnte das Modell auch in Europa oder in Deutschland, etwa in Nordholz oder Rostock-Laage, landen. Wiederverwendbare Raumgleiter haben große Vorteile gegenüber Kapseln, die im Wasser niedergehen. Die Wissenschaftler kämen viel schneller an die Nutzlastproben", sagt OHB-Vorstand Fritz Merkle auf Anfrage der "Welt". OHB sei vor dem Hintergrund der Nasa-Entscheidung "in guter Laune".

"Space is sexy"

Der Zuschlag an die drei US-Privatfirmen für die Frachtflüge ist ein weiterer Schritt der Nasa, nach der Ära der großen und teuren Spaceshuttle-Raumgleiter wieder selbst Fracht zur ISS zu liefern und Experimente zur Erde zurückzubringen. Die Nasa-Privatisierungsinitiative ist ein Nährboden für raumfahrtbegeisterte, vermögende Unternehmer, die mit visionären Ideen zunächst in Vorleistung traten.

Dazu gehört vor allem der Milliardär und Multiunternehmer Elon Musk mit seiner Firma SpaceX. Nach eigenfinanzierten Entwicklungen und Anfangserfolgen bekamen seine Firma und Orbital ATK Milliarden von der Nasa und konnten ihre Pläne fortschreiben. In den USA gibt es inzwischen viele neue kleine Firmen mit Geschäftsideen zu den Themen Raketen, Satelliten und der Nutzung von Daten aus dem All.

"Space is sexy", heißt es auch bei Finanzinvestoren, die Risikokapital in den Markt pumpen. Nach der Gründerzeit für Internetfirmen komme jetzt die Aufbruchszeit für Raumfahrtfirmen oder Raumfahrtanwendungen, sagen Branchenvertreter.

Es geht um Milliarden

Die Entscheidung der Nasa für die ISS-Frachttransporte von 2019 bis 2024 wurde mit Spannung erwartet. Der Auftragswert soll bis zu 14 Milliarden Dollar betragen, wobei die Nasa keine Detailzahlen veröffentlichte. Jede der drei Firmen SpaceX, Orbital ATK und SNC soll sechs Frachter zur ISS schicken.

Während SpaceX und Orbital ihre bereits bei Flügen zur ISS erprobten Kapseln "Dragon" und "Cygnus" nutzen und eigene Raketen haben, bietet SNC für die Transporte eine Art Mini-Space-Shuttle an, der an der Spitze einer zugekauften Rakete starten soll.

An dem etwa neun Meter langen "Dream Chaser" wird seit Jahren geforscht, zunächst unter der Firma SpaceDev, an der das Bremer Unternehmen OHB beteiligt war. 2008 übernahm dann die wachsende private Luft- und Raumfahrtfirma SNC die Firma SpaceDev. OHB arbeitet am Andockmechanismus des "Dream Chaser".

Landung auf einer Plattform im Meer

An der Spitze von SNC steht das vermögende türkisch-amerikanische Ehepaar Fatih und Eren Ozmen. Für das vor gut 30 Jahren in die USA ausgewanderte Ehepaar ist der Zuschlag der Nasa jetzt ein großer Sieg und praktisch eine Wiedergeburt und Lebensversicherung ihrer Raumfahrtsparte. SNC hatte der Nasa den "Dream Chaser" auch in einer bemannten Version für künftige Astronautenflüge zur ISS angeboten. Bei diesem Wettbewerb kam SNC aber nicht zum Zuge. Dennoch bietet der Raumgleiter diese Option, auf die womöglich auch die Europäer zurückgreifen.

Der Raumgleiter kann für die Nasa auf den US-Trägerraketen Atlas 5 oder Falcon Heavy von SpaceX starten. Der Unternehmer Elon Musk setzt mit SpaceX derzeit die gesamte Raumfahrtbranche unter Druck. Jüngst bewies er, dass Recycling-Raketen möglich sind. Die erste Stufe einer Falcon-Rakete kehrte nach dem Abheben in Florida wieder in die Nähe des Startplatzes zurück und landete senkrecht. Am kommenden Sonntag soll ein weiterer Versuch mit einer Landung auf einer Plattform im Meer erfolgen.

SpaceX will damit kostengünstige Raumtransporte ermöglichen und das Ende der Ära der Wegwerfraketen einläuten. Sollte der "Dream Chaser" auf einer Falcon-Rakete abheben, wäre es eine nahezu komplett wiederverwendbare Mission.

Es gibt auch Studien, den "Dream Chaser" auf Europas Trägerrakete Ariane 5 oder dem Nachfolgemodell Ariane 6 ins All zu schicken. Dazu müsste der Raumgleiter aber Klappflügel haben, damit er unter die schützende Abdeckung an der Spitze der Rakete passt. In der Raumfahrtszene wird der Zuschlag für SNC daher auch als Unterstützung der alten Idee gesehen, dass Europa einen Raumgleiter für bemannte oder unbemannte Missionen bekommt.

Vor gut 30 Jahren gab es Entwicklungsarbeiten für den Raumgleiter "Hermes". Das Projekt wurde 1992 auch aus Kostengründen eingestellt. Inzwischen sucht auch Europa nach risikofreudigen, visionären Raumfahrtunternehmern.

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