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Genforscher verrät Wo die glücklichsten Menschen leben

In einigen Teilen der Welt geben stets viele Menschen in Umfragen an, sich "sehr glücklich" zu fühlen. In anderen regiert die schlechte Laune. Ein Forscher glaubt zu wissen, woran das liegt.

Ausgerechnet das Land, aus dem der Glücksforscher stammt, schneidet ziemlich schlecht ab. Sowohl genetisch als auch stimmungsmäßig.

Michael Minkov ist Bulgare und hat gerade eine Studie herausgebracht, die für Aufsehen sorgt, denn Minkov meint, ein Glücksgen gefunden zu haben. Nicht alle Menschen tragen es in sich, aber in den Regionen, in denen es besonders viele Menschen haben, regiert die gute Laune. In Lateinamerika und Westafrika zum Beispiel. Nicht aber in Bulgarien.

In Osteuropa sind weder Glücksgefühl noch -gen sonderlich verbreitet. Michael Minkov lehrt an der Universität von Varna am Schwarzen Meer, er ist Linguist, Anthropologe und Professor für interkulturelle Studien. Er hat selbst schon in Nordafrika, Skandinavien, Ost- und Westeuropa wie in den USA gelebt. Gerade erreicht man ihn in Lima, er unterrichtet auch in Peru.

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Minkov interessiert, was Kulturen und Nationen unterscheidet, er hat dabei keine Scheu davor, auch in den Genen nach Unterschieden zu forschen. Er halte das, anders als viele sozialwissenschaftliche Kollegen, nicht für gefährlich, sagt er in Interviews. Wenn es da Zusammenhänge gibt, sollte man sie auch erkunden. Etwa beim Glück.

Am besten gestimmt sind Mexikaner und Nigerianer

Seit 35 Jahren fragen Forscher für den "World Values Survey" weltweit Menschen, woran sie glauben, welche Werte ihr Leben bestimmen und wie sie sich fühlen. Mehr als 400.000 Teilnehmer gab es schon, zwei Fragen zielten auf ihr Glück. Bei der ersten geht es darum, wie man sich, alles in allem, gerade fühlt. Die Frage ermittelt das subjektive Wohlbefinden. Die zweite Frage lautet: "Wie zufrieden mit Ihrem Leben sind Sie generell in diesen Tagen?"

Die Antworten auf die erste Frage interessieren Minkov besonders, denn hier lässt sich ein Muster erkennen. Minkov hat gemeinsam mit Michael Harris Bond, einem kanadischen Sozialpsychologen, der in Hongkong lebt, die Antworten der letzten drei Befragungsrunden aus den Jahren 2000 bis 2014 ausgewertet. In einigen Ländern waren die Menschen kontinuierlich schlecht drauf. In anderen fühlten sie sich gleichbleibend gut. Sehr gut sogar.

In Mexiko zum Beispiel, dem Gute-Laune-Land schlechthin, wenn man den Daten glaubt. In den Jahren, in denen sie erhoben wurden, versank Mexiko in einem Drogenkrieg, Zehntausende Menschen kamen darin um. Sonst machen Alltagskriminalität, riesige soziale Unterschiede und korrupte Staatsbeamte den Mexikanern das Leben schwer. Aber 61 Prozent der Umfrageteilnehmer in Mexiko fühlten sich "sehr glücklich", als die Weltbefrager kamen. Auf ähnliche Werte kamen nur Nigeria (60 Prozent) und Venezuela (58 Prozent).

In Puerto Rico, Kolumbien und Trinidad war mehr als die Hälfte der Befragten "sehr glücklich", in Ghana waren es immerhin noch 49 Prozent. Alle diese Länder liegen im nördlichen Lateinamerika, in der Karibik oder Westafrika. In allen sind die Lebensumstände ähnlich schwierig wie in Mexiko. Die Menschen in den Ländern waren auch keineswegs rundum mit ihren Leben zufrieden, die zweite Frage beantworteten sie zurückhaltender.

Deutschland liegt beim Glücksgefühl im Mittelfeld

In Deutschland, zum Vergleich, fühlte sich nur etwa jeder fünfte Befragte "sehr glücklich", 22 Prozent, ein Wert im weltweiten Mittelfeld. In Bulgarien, der Heimat von Minkov, waren es nur elf Prozent. Genauso wenige waren es in Ägypten. In Nordafrika und Osteuropa waren in allen Befragungen besonders wenige Menschen gut drauf.

Minkov glaubt, dass das Glück der Nationen auch in ihren Gegen liegt. Es hängt an einer Genvariante mit dem Namen "rs324420". Es geht um einen winzigen erblichen Unterschied.

Um seine Auswirkungen zu verstehen, muss man sich mit einem Stoff befassen, dessen Name klingt wie eine Yoga-Position und der wirkt wie körpereigenes Cannabis: Anandamid. Es handelt sich um eine Substanz, die im Körper selbst entsteht und im Gehirn dieselben Rezeptoren bindet, auf die auch die Cannabinoide aus der Marihuanapflanze wirken.

Ein körpereigener Stoff, der Schmerzen und Angst dämpft

Wenn im Hirn viel Ananadomid ankommt, erlebt man angenehme Sinneseindrücke stärker und spürt weniger Schmerz. Das Wort Ananada kommt aus dem Sanskrit und bedeutet: "Abwesenheit von Unglück". Wie gut Menschen den Stoff verwerten können, hängt von einem Gen ab. Das Gen ist auch für die Erzeugung eines Enzyms im Fettstoffwechsel zuständig und heißt FAAH.

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Es gibt verschiedene Varianten, man erbt die eine oder andere. Wenn man die Variante mit der Zahlenkombination im Namen erbt, baut der Körper Anandamid langsamer ab. Trägern dieser Genvariante macht es etwa weniger aus, wenn jemand sie grimmig anschaut, ihre Gehirne reagieren schwächer auf "unangenehme Gesichter". Man kann sie aber stärker mit Belohnungen locken. Der Hang zur Ängstlichkeit ist bei ihnen weniger stark ausgeprägt, in Studien, die Minkov zitiert, gaben die Träger "eine höhere Grundzufriedenheit" an.

Es gibt Untersuchungen über die Verteilung der Genvariante. Indigene Völker aus Nord- und Mittelamerika und die westafrikanischen Stämme der Hausa und Yoruba haben sie besonders häufig.

Subjektives Glücksgefühl ist nicht gleich Lebenszufriedenheit

Minkov hat versucht, für jedes Land aus der Weltumfrage die Werte der Genverteilung zu bekommen oder auf Grundlage von Daten über die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung zu schätzen. Dort, wo es ihm gelungen ist, hat er "eine starke Assoziation" festgestellt. "Nationen mit der höchsten Verbreitung haben den höchsten Prozentsatz sehr glücklicher Menschen", schreibt er. Und andersherum.

In Mexiko tragen 46 Prozent der Menschen die Genvariante, in Nigeria 43 Prozent. In Ägypten sind es nur elf, in Bulgarien 16 Prozent. In Deutschland trägt Minkovs Daten zufolge jeder Fünfte die Genvariante, der Wert stimmt fast genau mit dem Anteil der sehr fröhlichen Deutschen überein.

Seine Studie zeige nicht, dass das ganze Glück einer Nation in den Genen liege, schreibt Minkov. Viele Faktoren könnten das Wohlbefinden der Menschen heben. Und noch wichtiger: ihre Lebenszufriedenheit, die nicht mit der Genverteilung korreliert.

Er könne den Unterschied am besten an sich selbst erklären, sagt Michael Minkov. Er sei, wie viele Bulgaren, nur sehr selten wirklich gut gelaunt. Aber sehr zufrieden mit seinem Leben. "Ich bin das Gegenteil eines durchschnittlichen Nigerianers", sagt Minkov. Er klingt nicht, als wollte er tauschen.

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