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Menschliche Embryonen Großbritannien erlaubt Gen-Manipulationen

Forscher haben erstmals die Erlaubnis bekommen, das Erbgut menschlicher Embryonen zu verändern. Sie wollen Fehlgeburten und bestimmte Krankheiten verhindern. Noch gibt es aber hohe Risiken.

Die neue Welt beginnt: In Großbritannien ist die genetische Manipulation von Embryos erstmals erlaubt worden. Wie die zuständige Behörde HFEA mitteilte, wurde der Antrag von Kathy Niakan vom Francis Crick Institute in London angenommen. Sie hatte um eine Ausweitung ihrer Forschungslizenz gebeten, die ihr solche Manipulationen erlaubt. Die Entscheidung dürfte die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen wieder entfachen.

Die Stamzellforscherin Kathy Niakan will in ihrer Arbeit erforschen, welche Gene notwendig sind, damit aus einem Embryo ein gesundes Baby wird. "Das ist so wichtig, weil Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit sehr verbreitet, aber ihre Gründe noch immer nicht gut erforscht sind", sagt sie. Um das herauszufinden, will sie mit menschlichen Embryonen arbeiten. Sie will nicht nur beobachten, mit welchen Genen sich die befruchteten Eizellen wie entwickeln – vielmehr will sie gezielt einzelne Gene verändern beziehungsweise herausschneiden.

"Ich bin froh, dass die HFEA Dr. Niakans Antrag angenommen hat", sagt Paul Nurse, Direktor des Crick-Institutes. "Ihre Arbeit ist wichtig, um zu verstehen, wie sich ein gesunder Embryo entwickelt. Diese Forschung wird unser Verständnis von der erfolgreichen künstlichen Befruchtung IVF erhöhen, indem die ersten sieben Tage der menschlichen Entwicklung genauer studiert werden."

Als Fernziel dieser Forschung sehen Experten die Behandlung einzelner Krankheiten, die von Eltern auf ihre Kinder vererbt werden. Vor allem Krankheiten, bei denen nur ein Gen verändert werden muss, um eine Krankheit zu vermeiden, stehen im Fokus der Wissenschaftler.

Schnelle Methode, schneller Erfolg?

Dass Niakan diese Arbeit überhaupt durchführen kann, ist das Ergebnis einer revolutionären Methode: der so genannten Genom-Chirurgie, fachsprachlich "Crispr-Cas9" genannt. Normalerweise nutzen Bakterien das Crispr-Cas9-System zur Abwehr von Viren. Diese Methode wurde im Jahr 2012 erstmals so verändert, dass sie auch von Biowissenschaftlern gezielt genutzt werden kann.

Die beiden Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna hatten einen Weg gefunden, mit dem Crispr-Cas9 dazu eingesetzt werden kann, gezielt bestimmte Gene im Erbgut zu verändern. Wollten Forscher früher Gene verändern, so nahm der Austausch einzelner Gene Monate in Anspruch – wenn es überhaupt gelang. Die Genveränderung war ein langwieriges und damit teures Geschäft. Seitdem die Crispr-Cas9-Methode entdeckt wurde, ist das anders geworden. Nun können Forscher relativ einfach bestimmte Gene im Erbgut finden, punktgenau herausschneiden und durch andere Gene ersetzen.

Gescheiterter Versuch ein China

Doch bislang ist ein solches "Genome Editing" nur bei Tieren und Pflanzen erlaubt. Im April 2015 machte eine Meldung Schlagzeilen, nach der chinesischen Wissenschaftler um Junjiu Huang von der Sun Yat-sen Universität Guangzhou mithilfe von Crispr-Cas9 bereits versucht hatten, einen genetischen Defekt bei einer bestimmten Krankheit – der Beta-Thalassämie – zu heilen.

Die Embryonen, die Huang damals verwendet hatte, stammten aus einer Fertilitätsklinik. Sie waren niemals zur Implantation vorgesehen gewesen, so der Wissenschaftler. Die Studienergebnisse zeigten zudem, dass eine Implantation auch aus rein "technischer" Sicht keinen Sinn gemacht hätte. Das betonte Huang vor knapp einem Jahr. Die in der Zeitschrift "Protein & Cell" veröffentlichten Ergebnisse dieser Versuche wurde auch von anderen Experten als Beweis dafür gewertet, dass die Methode noch nicht ausgereift ist. Sie solle deshalb vorerst nicht angewendet werden.

Genehmigung für "Drei-Eltern-Babys" steht aus

Experten warnen seit langem, dass die Schwierigkeiten, die bei den ersten Einsätzen der Methode an menschlichen Embryonen vielleicht auftreten, Forscher nicht davon abhalten wird, sie zu nutzen. Nun dürfen sie das auch mit behördlicher Zustimmung – zumindest in Großbritannien. Die Hoffnung ist es, Menschen zu helfen, die einen genetischen Defekt haben, den sie möglicherweise vererben. Man könnte bei ihren Nachkommen im Embryonalstadium versuchen, die krankmachenden Gene durch ungefährliche zu ersetzen.

Vor knapp einem Jahr wurde vom britischen Unterhaus bereits eine andere Methode gebilligt, die in die Keimbahn der Menschen eingreift. "Drei-Eltern-Babys", bei denen nicht nur das Erbgut von Vater und Mutter, sondern auch das einer dritten Person genutzt wird. Allerdings muss diese Methode noch die Genehmigung der HFEA bekommen. Kathy Niakan ist mit der Genom-Schere nun einen entscheidenden Schritt weiter. Sie darf ab sofort Gene menschlicher Embryonen verändern.

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