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Anschuldigungen gegen "Big Pharma" Die angebliche Zika-Verschwörung

Das durch Mücken übertragene Zika-Virus ist für die Fehlbildungen bei Babys verantwortlich, da sind sich die meisten Experten einig. Manche jedoch sehen einen ganz anderen Zusammenhang.

Das Zika-Virus und seine möglichen Auswirkungen auf ungeborene Kinder sorgt weltweit für Sorge. Zuletzt hatte sich Papst Franziskus auf seiner Mexikoreise erstmals für Verhütung ausgesprochen, um in den betroffenen Gebieten Schwangerschaften zu vermeiden, bis die Gefahr vorbei ist.

Doch für eine Gruppe von Wissenschaftlern ist der rapide Anstieg von Mikrozephalie in Mittel- und Südamerika auf vieles zurückzuführen, nur nicht auf das Zika-Virus. So ranken sich Theorien um eine Verschwörung der Pharmaindustrie, Tests einer ominösen Biowaffe oder um die Vertuschung der Nebenwirkungen giftiger Pestizide. 

Aktuell macht das argentinische Forscherkollektiv "Physicians in the Crop-Sprayed Towns“ (PCST) durch Behauptungen auf sich aufmerksam, laut denen der Geburtsfehler, der Kinder mit einem zu kleinen Kopf und Hirnschäden zur Welt kommen lässt, direkt durch Schädlingsbekämpfungsmittel verursacht wird. 

Laut dem Bericht seien die gehäuften Fälle von Mikrozephalie direkt mit dem Stoff Pyriproxyfen verbunden, der ins Trinkwasser gegeben wird, um Mückenlarven abzutöten. Dieses Larvizid wird vom japanischen Hersteller Sumitomo Chemical produziert, einem Konzern, der in dem Bericht als Tochterfirma von Monsanto bezeichnet wird.

Der US-Konzern hat jedoch in einem öffentlichen Statement betont, dass Sumitomo lediglich ein Geschäftspartner sei. Zudem stelle Monsanto keine Larvizide her. Weiter heißt es in der Stellungnahme, dass weder gentechnisch verändertes Saatgut noch das Herbizid Glyphosat im Zusammenhang mit Mikrozephalie stehe.

Prominente wie US-Schauspieler Mark Ruffalo ("The Avengers") und Alyssa Milano ("Mistresses") teilten Artikel über die PCST-Ergebnisse unterdessen mit ihrer Twitter-Gefolgschaft. 

Keine Beweise für Pyriproxyfen oder Monsanto

Der Theorie von PCST wird von diversen Experten widersprochen, wie die "Washington Post" berichtet. Albert Ko, Direktor der Fakultät für Epidemiologie von mikrobiellen Krankheiten an der Yale School of Public Health, habe das Virus in Brasilien erforscht. Im Nordosten des Landes, wo es besonders viele Fälle von Mikrozephalie gab, würde das Larvizid jedoch nur minimal eingesetzt, heißt es in dem Artikel.

Obwohl der brasilianische Bundesstaat Rio Grande do Sul den Einsatz des Mittels eingestellt hat, betonen die Behörden, dass die aktuell überzeugendsten Beweise jene sind, die die Schädelfehlbildungen mit Zika in Verbindung bringen. Das Virus konnte bisher sowohl im Fruchtwasser der betroffenen Frauen als auch in den Gehirnen von Säuglingen und einem Fötus nachgewiesen werden.

Das Informationsportal "IFL Science" hat die Funktionsweise von Pyriproxyfen erklärt. Es ahmt ein Insektenhormon nach, das die Metamorphose verhindert. So werden die Mückenlarven nicht geschlechtsreif. Ian Musgrave von der Univerity of Adelaide erklärte dem "Science Media Centre" jedoch, dass dieses Hormon für Menschen wenig schädlich sei.

"Eine Person müsste über 1000 Liter Wasser jeden Tag trinken, damit der Stoff giftig wirkt", so Musgrave. Laut "IFL Science" haben mehrere Studien keinen Nachweis einer neurotoxischen Wirkung von Pyriproxyfen auf Säugetiere feststellen können.

WHO-Direktor Bruce Aylward zeigt anhand einer Karte, wo sich das Zika-Virus verbreiten könnte. Bisher wurden Infektionen in über 34 Ländern, vor allem in Amerika und der Karibik, registriert. (Foto: AFP)

Was die Idee einer Zika-Verschwörung so reizvoll macht

Zika und seine unberechenbaren Konsequenzen rufen die üblichen Verschwörungstheorien hervor. Die "New York Times" berichtet von Portalen mit seriös-klingenden Namen wie "The Ecologist" oder "Global Research", wo "Fakten mit Halb-Wahrheiten und pseudowissenschaftlicher Analyse zu unheimlichen Behauptungen verwoben werden." Dort hieße es dann, "Big Pharma" würde Krankheiten für Profite verbreiten und Milliardäre wie Bill Gates oder die Rockefeller-Familie würden mit tödlichen Impfstoffen gegen Überbevölkerung kämpfen.

In Brasilien finden solche Ideen der "New York Times" zufolge einen fruchtbaren Boden. Der Grund: ein besonders großes Misstrauen in die Bevölkerung. Das Blatt zitiert Nailma Souza, eine Kosmetikerin aus Salvador, die glaubt, das Virus sei eine großangelegte Ablenkung von einer Kontroverse um ein neues Mittel gegen Krebs, das die brasilianische Regierung verkaufen will. Unterdessen sei das Gesundheitsministerium bemüht, Gerüchte aus der Welt zu schaffen, nach denen die Fehlbildungen auf Impfungen gegen Windpocken oder Röteln zurückzuführen sind. 

Larvizide als Auslöser von Mikrozephalie sind nur die neueste Theorie, die das Zika-Virus als großen Komplott darstellt. Das US-Magazin "Wired" hat sich der Frage gewidmet, warum "Menschen glauben wollen, dass Zika eine Verschwörung ist“. Laut Rob Brotherton, dem Autor von "Suspicious Minds“, einem Buch über den Reiz von Verschwörungstheorien, eigne sich Zika besonders gut, um alternativen Erklärungen Glauben zu schenken, weil noch so wenig über das Virus bekannt ist.

"Verschwörungstheorien sind zu einem gewissen Grad in unser Hirn eingebrannt, mit unseren Vorbehalten und unseren Denkmustern“, erklärt der Autor Brotherton gegenüber "Wired". "Sie stimmen mit unseren Voreingenommenheiten überein."

Bestimmte Voreingenommenheiten begünstigen Glauben an Verschwörungen

Eine von diesen Voreingenommenheiten lässt Menschen annehmen, dass es für große Geschehnisse auch große Erklärungen geben muss. Darum wirke die Idee, das ein unsichtbares Virus auf einmal zu einem so sichtbaren Leiden auf großer Skala führen kann, für viele absurd.

Eine weitere Voreingenommenheit ist die Absicht als solche, wie Ted Goertzel, ein ehemaliger Soziologe der Rutgers University in New Jersey, gegenüber "Wired" sagt. "Menschen brauchen jemanden zum Beschuldigen, den sie zum Ziel ihrer Wut machen können", so Goertzel. Dass etwas ohne Grund "einfach so"passiert, ist also für manche Menschen nicht glaubwürdig.

Dass Verschwörungstheoretiker sich schwer von anderen Erklärungen überzeugen lassen, hängt mit dem sogenannten Bestätigungsfehler zusammen. Bei dieser Voreingenommenheit schenken Menschen ausschließlich den Informationen Glauben, die ihre eigene Überzeugung stützen. Selbst gegenteilige Beweise werden so interpretiert. Wer einmal anfängt der Regierung oder großen Firmen zu misstrauen, heißt es in dem Text, wird auch entlastende Beweise als Schuldnachweis interpretieren.

Gefährliche Theorien

Doch wie realitätsnah sind solche alternativen Theorien? Sind sie gar gefährlich? Der australische Toxikologieexperte Andrew Bartholomaeus erklärte gegenüber dem Science Media Centre, dass der Einsatz des Larvizids Pyriproxyfen auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfolge und keine Konsequenz der Marketingkampagne eines Konzerns sei. Er sehe die Folgen eines Verzichts auf das Mittel als "katastrophal".

Wer davon abrate, Trinkwasserbestände mit dem Larvizid zu behandeln, riskiere hunderttausende Krankheits- und mögliche Todesfälle durch Malaria, Dengue und andere Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden können.

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