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Historischer Sieg Computer schlägt erstmals menschlichen Go-Champion

Bisher war Künstliche Intelligenz nicht klug genug, um den Menschen im Brettspiel Go zu besiegen. Nun hat Googles AlphaGo den besten Spieler der Welt geschlagen. Wie funktioniert das Spiel?

Im ersten Spiel sah es noch gut aus für Garri Kasparow, als er 1996 gegen den IBM-Computer "Deep Blue" antrat. So richtig ernst nahm man es damals nicht, dass eine Software gegen den Schach-Weltmeister antreten und tatsächlich gewinnen wollte. Mit 4:2 entschied Kasparow diese erste Begegnung für sich. Netter Versuch, dachten viele, Maschinen sind Menschen eben einfach unterlegen. Aber schon ein Jahr später, bei der Revanche 1997, gewann "Deep Blue" – nach drei Remis mit 3,5 zu 1,5 Punkten.

Eine Weile geriet dann in Vergessenheit, wie unwohl sich viele nach diesem Sieg eines Rechners über den Menschen gefühlt hatten. Doch Wissenschaftler feilten weiter an Algorithmen, die können sollen, worin Menschen Meister sind: aus Erfahrung lernen.

18 Jahre lang blieb es ruhig. Im vergangenen Herbst aber dann kam die nächste Sensation: Fan Hui, der Europameister des alten chinesischen Spiels Go, das als das komplexestes Brettspiel der Welt gilt, wurde mit 5:0 von einem Computer bezwungen, von der Software AlphaGo der Google-Tochter Deepmind.

Weltbester Go-Spieler verliert gegen AlphaGo

Das Unwohlsein ist seitdem wieder da. Ein Rechner, klüger als der Mensch? Der Gedanke gruselt viele. Und weil Fan Hui ein fantastischer Spieler ist, aber nicht der Beste, tritt Lee Sedol, der zurzeit als bester Go-Spieler der Welt gilt, zu einem mehrtägigen Turnier gegen AlphaGo an. Mensch gegen Maschine, künstliche Intelligenz gegen natürliche Intelligenz. Fünf Spiele werden sie gegeneinander spielen, für ein Preisgeld von einer Million Dollar.

Bislang wurde eine Partie gespielt - die die Software gewann. Der 33-jährige Koreaner Sedol, der als Wunderkind gilt, seit er mit elf Jahren Go-Profi wurde, gab nach rund dreieinhalb Stunden Spielzeit auf. Er räumte aber ein, dass Menschen eher Fehler machten als Maschinen. Google überträgt die fünf Partien übrigens live auf YouTube

Es ist ein inszenierter Kampf. Bevor AlphaGo im Herbst erstmals einen hochrangigen Go-Profi schlug, dachten Experten, dass es noch rund zehn Jahre dauern würde, bis es passiert. Dass es aber irgendwann passiert, daran bestand bei ihnen gar kein Zweifel. Und sie fühlen sich auch nicht unwohl damit. Denn ein Sieg von AlphaGo würde nichts darüber aussagen, wie intelligent die Software ist. Ein Sieg von ihr würde einfach dafür stehen, dass Computer inzwischen ebenso gut lernen wie ein Mensch – und zwar vom Menschen.

Ein Netzwerk aus künstlichen Nervenzellen

Genau das ist das Ziel von Wissenschaftlern, die sogenannte tiefe künstliche neuronale Netzwerke schaffen, wie sie AlphaGo zugrunde liegen. Ein solcher Algorithmus entsteht in einer Art digitalem Gehirn. Ein Netzwerk aus künstlichen Nervenzellen, aufgebaut in verschiedenen Ebenen und verbunden über künstliche Nervenbahnen, entschlüsselt dabei alle Informationen, die vorliegen. So funktioniert es im Gehirn, und so funktioniert es auch im digitalen Netzwerk: das System lernt aus seinen Erfolgen und Misserfolgen.

Forscher und Firmen interessiert das nicht, weil es Computer intelligent macht, sondern weil es den Programmierern viel Arbeit erspart. Ein künstliches neuronales Netzwerk braucht keine Unmenge an komplizierten Programmierregeln und Leitsätzen, an die es sich bei seinen Entscheidungen halten soll. Das Netzwerk braucht nur die grundlegenden Informationen, also im Fall von Go die Spielregeln, und Informationen darüber, welche Kombination von Zügen schon einmal Erfolg hatte und welche nicht. Den Rest, wie es wann am besten spielen muss und welcher Zug sich wann lohnt, lernt es ganz allein. So, wie auch der Mensch es lernt.

Andernorts auf der Welt beherrschen Groß und Klein das Go-Spiel ganz meisterlich. (Foto: Getty Images)

Das Grundprinzip von Go ist einfach: Die Spieler setzen abwechselnd ihre Steine in weiß und schwarz auf einem Brett mit 19 mal 19 Feldern. Das Ziel ist es, Steine des Gegners einzukreisen und so mehr Fläche als er auf dem Spielfeld zu erobern. Wer mehr als die Hälfte des Bretts eingenommen hat, gewinnt.

Die Regeln sind also simpel. Doch die potenziellen Entwicklungen des Spielverlaufs sind so vielfältig, dass es sehr viel Übung erfordert, in Go zu siegen. "Go zu erlernen dauert eine Stunde, es zu meistern ein ganzes Leben", sagt man in China auch. Ein Spiel, das im Schnitt nach 150 Zügen beendet wird, enthält mehr als 10 mögliche Konstellationen auf dem Brett – das sind mehr, als es Atome im Universum gibt. Weil der Zufall keine Rolle spielt, lassen sich allerdings alle möglichen künftigen Züge berechnen. 30 Millionen Spielzüge von Experten bekam AlphaGo anfangs einverleibt. Dann spielte die Software unermüdlich gegen sich selbst, um besser zu werden. Sie lernte also von den Besten der Besten, und maß sich selbst mit den Besten der Besten. Deshalb, und nur deshalb, ist es auch möglich, dass AlphaGo das eine oder andere Mal gegen die Besten der Besten gewinnt.

Fällt die letzte Bastion menschlichen Intellekts?

Auch wenn der mit Expertenwissen gemästete Algorithmus jetzt ein Spiel gewonnen hat, fällt also keine Bastion menschlichen Intellekts. Denn die Software ahmt den Menschen lediglich nach, sie folgt seinem Beispiel. Sie lernt wie ein Mensch – aber nur in dem Rahmen, den der Mensch ihr zugesteht.

Setzt man die Software vor ein anderes Spiel, das sie noch nicht kennt, ist sie ratloser als jedes Kind. Denn aus dem Nichts zu lernen, Wissen von einem Gebiet auf ein anderes übertragen, das kann sie nicht. "Wir haben noch keine Ahnung, wie wir das machen sollen", sagt Hassabis.

Für den Menschen aber ist das kein Problem: Fähigkeiten zu lernen, sie zu übertragen und anzupassen. Intelligenz mag sich genau in dieser Fähigkeit zeigen: nicht nur lernen zu können, sondern flexibel zu denken. Im Go oder Schach selbst aber spielt das eher keine Rolle, weswegen der Algorithmus hier auch triumphieren kann. Denn Erfahrung ist das entscheidende Kriterium für komplexe Brettspiele wie diese, wie Forscher schon vor mehr als zehn Jahren in Untersuchungen zeigten. So werden Gehirnareale, die mit Problemlösen und Strategieplanung in Verbindung stehen, beim Spielen gar nicht aktiviert. Es wird stattdessen blitzschnell vor allem das Langzeitgedächtnis durchforstet – nach der richtigen Kobination von Spielzügen, die schon einmal Erfolg hatte.

Wer das jetzt ausprobieren möchte, kann Go auf diversen Portalen online spielen – zum Beispiel auf OGS.

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